Blick ins ASP in Teisendorf - Teil 2

"Mit Gentechnik hat unsere Arbeit nichts zu tun"

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Reise in die Ukraine zur Untersuchung der genetischen Vielfalt
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Teisendorf - Das Bayerische Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht (ASP) in Teisendorf beschäftigt sich damit, die genetische Vielfalt in Bayerns Wäldern sicher zu stellen. BGLand24.de wollte wissen, was es mit der genetischen Vielfalt auf sich hat. 

Das Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht (ASP) in Teisendorf beschäftigt sich unter anderem mit der genetischen Vielfalt in Bayerns Wäldern

BGLand24.de hat Dr. Barbara Fussi vom ASP gefragt, was bei der genetischen Forschung alles untersucht wird und in welchem Zusammenhang diese mit Gentechnik zu tun hat.

Interview mit Dr. Barbara Fussi

Inwieweit hat das etwas mit der sogenannten Gentechnik zu tun, die im Rahmen der Lebensmittelthematik immer wieder heiß diskutiert wird? 

Mit Gentechnik hat das nichts zu tun. In unserem Labor werden Erbanlagen entschlüsselt. Mit gentechnischen Methoden werden jedoch Erbanlagen gezielt verändert. Im Wald brauchen wir das nicht. Es gibt derzeit noch genügend natürliche Genressourcen. 

Wir müssen aber darauf achten, dass diese für zukünftige Generationen erhalten bleiben. Damit können die Wälder auf Umweltveränderungen wie z.B. den Klimawandel oder Krankheiten reagieren.

Wie funktioniert so eine genetische Forschung in der Praxis? 

Das möchte ich anhand des genetischen Monitorings erklären, werden Erbanlagen der Altbäume, Samen und Jungpflanzen analysiert. Dabei kann die DNA aus Blättern, Knospen, dem Holz oder aus dem Embryo extrahiert werden. 

Das Pflanzenmaterial wird zerkleinert und mithilfe von zahlreichen chemischen Substanzen die DNA aus den Zellen herausgelöst. Anschließend werden bestimmte Abschnitte des DNA-Stranges vervielfältigt und statistisch ausgewertet. 

Die Anzahl und Verteilung der Varianten an diesen Abschnitten wird dabei gezählt. Das Vorkommen dieser Genvarianten in den verschiedenen Generationen gibt danach Auskunft über die Intaktheit des genetischen Systems.

Werden Samen für die Zukunft konserviert?

In der Genbank des ASP werden Samen von 20 verschiedenen Baumarten für die Zukunft eingelagert. Dabei wird regelmäßig kontrolliert, ob die Samen noch lebensfähig sind. Z.B. gibt es Eschensamen aus 1996, die immer noch keimfähig sind. 

Diese könnten nach einer Abschwächung des derzeit sehr akuten Eschentriebsterbens ausgesät werden und neue Eschenwälder begründen helfen.

Lassen sich über Genetik regionale Zusammenhänge herstellen?

 Im Iran und in der Ukraine wurden ebenfalls genetische Monitoringbestände für die Buche eingerichtet. Die Proben daraus werden derzeit von Kollegen aus den beiden Ländern im Labor des ASP analysiert. 

Aus Vorstudien ist bekannt, dass sich die iranische Buche sehr stark von der europäischen Buche unterscheidet. In Bayern ist die Buche genetisch weniger strukturiert. 

Bei einer anderen Baumart, der Elsbeere, die sehr selten in unseren Wäldern vorkommt, können in Süddeutschland vier Regionen abgegrenzt werden.

Gibt es Regionen mit besonders reichen genetischen Vorkommen?

Regionen, die in der Geschichte nie von Eiszeiten betroffen waren, gelten als Refugien und Zentren der genetischen Vielfalt. Dies trifft z.B. auf die iranischen Buchenwälder zu. 

Interessant wird es auch, die Ergebnisse des Buchenurwaldes „Uholka“ in der Ukraine mit dem Iran und den bayerischen Buchen zu vergleichen. 

Vermutlich gibt es in einem Urwald, der vom Menschen unberührt ist, andere genetische Strukturen, als in unseren heimischen Wäldern.

Wie registriert man bei ihrer Arbeit die Einflüsse von Umweltveränderungen? 

Vor allem der Klimawandel hat einen großen Einfluss auf die Wälder. Diesen können wir in unserer Arbeit registrieren. Z.B. in Form von Spätfrost. 

Wenn Bäume aufgrund von wärmeren Temperaturen im Frühjahr früher austreiben oder blühen, können Spätfröste die Bäume schädigen. Aber nicht nur die Altbäume, sondern auch die Produktion von Nachkommen kann gestört werden. 

Tritt dieses Phänomen über mehrere Jahre hinweg immer häufiger auf, dann kann es zum vollständigen Fehlen der Verjüngung in den Wäldern kommen.

Bildergalerie: "Mit Gentechnik hat unsere Arbeit nichts zu tun"

(Wie) lassen sich evolutionäre Entwicklungen, bzw. Verläufe durch genetische Forschung feststellen? 

Durch Mutationen in den Erbanlagen und durch bestimmte Mechanismen während der Fortpflanzung entsteht genetische Variation. Anschließend gehen durch natürliche Auslese oder zufällige Prozesse bestimmte Variationen verloren und andere bleiben erhalten. 

Bestimmte Umweltfaktoren beeinflussen dabei diese Auslese. Zu Beginn der Verjüngung eines Bestandes stehen viele Millionen von Samen. Nur ein Teil davon keimt und wächst zu einem Baum. Am Ende steht nur noch ein Bruchteil der Samen als erwachsene Bäume in einem Bestand. 

Diese sind dann diejenigen, die mit den Umweltbedingungen am besten zurecht gekommen sind. Als Beispiel kann ich wieder das genetische Monitoring anführen: Kleine Bäume werden im Bestand markiert und über viele Jahre beobachtet. Dabei wird regelmäßig überprüft, welche Pflanzen überleben.

Lesen Sie in einem weiteren Artikel auf BGLand24.de:

Die ersten 100 Tage im Amt - Interview mit Dr. Roland Baier, dem neuen Leiter im Nationalpark Berchtesgaden

Quelle: chiemgau24.de

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