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„Hoamat“ Bier aus Berchtesgadener Land

„Ich find des a coole Sach“: Bio-Bier ab März erhältlich

Landwirt Matthias Auer (Mitte) mit Bräu Christian Wieninger (links)und Braumeister Bernhard Löw vor der ersten Charge des Hoamat -Bieres mit Briobraugerste aus der Region.
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Landwirt Matthias Auer (Mitte) mit Bräu Christian Wieninger (links) und Braumeister Bernhard Löw vor der ersten Charge des Hoamat -Bieres mit Briobraugerste aus der Region.

Seit zwei Jahren führen einige Bauern aus dem Berchtesgadener Land einen Versuch durch, ihr Bier so regional wie möglich zu brauen. Jetzt wurde die ersten Flaschen bei der Brauerei Wieninger abgefüllt und können ab März verkauft werden.

Teisendorf - Bio-Landwirt Matthias Auer aus Steinbrünning war mit der ersten Ernte seiner Bio-Braugerste im vorigen Jahr zufrieden. Er hatte im Vorjahr auf zwei Hektar Sommergerste angebaut, jetzt ist er auf Winter-Braugerste umgestiegen. „Wintergerste ist bei uns aufgrund der Witterungsverhältnisse pflanzenbaulich unproblematischer. Sie wird früh im Herbst, so Ende September gesät.

Dann sind die Boden- und Klimabedingungen in unserer Region meist besser als im frühen Frühjahr, wenn die Sommergerste in die Erde gebracht werden muss und der Boden meist noch zu nass ist. Durch die längere Vegetationsperiode ist auch der Ertrag bei der Wintergerste höher,“ erzählt Auer bei einem Kurzbesuch in der Brauerei Wieninger. Hier traf er sich mit Bräu Christian Wieninger und Braumeister Bernhard Löw, die ihm stolz das erste Hoamat Bier zeigen konnten, das nur mit heimischer Braugerste hergestellt worden ist, als helles und dunkles Lagerbier und naturtrübes Weißbier.

„Durchaus realisierbar“

Im März soll es auf den Markt kommen und an dem Zusatzlabel „Rohstoffe aus unserer Hoamat“ erkennbar sein. Dass er zu diesem Erfolg auch beitragen konnte, erfüllt Matthias Auer mit Stolz. Er ist einer von zwölf Bio-Bauern, die sich an dem Pilotprojekt zum Anbau heimischer Bio-Braugerste in der Region beteiligen, das die Brauerei Wieninger zusammen mit der Biosphärenregion vor gut zwei Jahren gestartet hat.

Braugetreide in der Region anbauen, es möglichst ortsnah lagern und verarbeiten und es dann ebenfalls in der Region zur Bierherstellung zu verwenden, war die große Idee hinter dem Projekt. „Aus der Region. In der Region. Für die Region“ klingt nicht nur gut, sondern ist, wenn es viele wirklich wollen, durchaus realisierbar, wie das jetzt fertige Bier zeigt. Es ist ein „Bier der kurzen Wege“ , denn der klimaschädliche Transport der Rohstoffe zur Bierherstellung oft über viele hundert Kilometer wird bei diesem Produkt deutlich reduziert.

Landwirte als „Pioniere“

Zum Erfolg des Projektes zum Anbau von Braugetreide in der Region, das anfangs nur eine „Spinnerei, aus einer Bierlaune heraus gewesen ist“ so Bräu Christian Wieninger, haben heimische Landwirte wie Matthias Auer wesentlich beigetragen. Sie hatten Mut zum Risiko, betont der Bräu. „Alle Landwirte, die von Beginn an mitgemacht haben und immer noch dabei sind, sind Pioniere, weil sie den Anbau der Braugerste in unserer Region erstmals gewagt haben“.

Gefragt, warum er mitmacht, meint Biobauer Auer: „Ich find des a coole Sach. Wenn sich sowas anbietet, dass wir Bauern hier bei uns die Rohstoffe für ein Bier produzieren können, das dann auch in der Region hergestellt wird und dass wir kennen und gerne trinken, dann muss man mitmachen.“ Er spricht dabei mit Sicherheit auch für die anderen Landwirte, die dem Erzeugerkreis für heimische Bio-Braugerste angehören.

Auch andere Bauern haben mitgemacht

Auf insgesamt 38,5 Hektar hatten im vorigen Jahr neben Matthias Auer die Landwirte Josef Berger aus Fridolfing, Max Ehinger, Oswald Öttl und Christian Spitz aus Laufen, Erich Mayer aus Neukirchen/Eknach, Bernhard Rehrl aus Saaldorf, Josef Probst aus Chieming, Josef Mitiska aus Freilassing, Georg Maier aus Truchtlaching, Die Gutsverwaltung Weingarten aus Gstadt am Chiemsee und Philip Lindner aus Almeding Bio-Braugerste angesät, mit beachtlichem Erfolg.

Die Gerste wurde in der Surmühle in Teisendorf gereinigt und gelagert. Zum Vermälzen, ein Vorgang bei dem das Getreide zur Keimung gebracht und anschließend wieder getrocknet wird, musste sie leider nach Riedenburg gebracht werden, weil es vor Ort noch keine entsprechende Einrichtung dafür gibt. Mit der Rückkehr des Malzes nach Teisendorf in die örtliche Brauerei Wieninger hat sich der Kreis geschlossen.

Dort wird dann das Malz zur Herstellung der Hoamat-Biere verwendet. Bei den Lagerbieren kommt nur Gerstenmalz zum Einsatz, beim Weißbier neben Gerstenmalz auch Weizenmalz vom Laufener Landweizen, einer alten regionalen Sorte, die ebenfalls in der Region schon etwas länger im Ökolandbau produziert wird. Als drittes regionales Produkt zur Bierherstellung wird in der Teisendorfer Brauerei auch der Lungauer Tauern-Roggen, eine alte aus der Region um Salzburg stammende Winterroggensorte, verwendet.

Sorte ideal, da „Trockenheit kein Sorgenfaktor“

Auch der letzte Winter sei für die Brau-Gerstenkultur günstig gewesen, so Landwirt Matthias Auer. „In unserer Region ist die Trockenheit kein Sorgenfaktor, zum Unterschied von anderen Anbauregionen, wo im Zuge des Klimawandels die Trockenperioden zunehmen und Wasser knapp werden kann“, meint Auer. Dass er in dem Pilot-Projekt zum ökologischen Braugetreideanbau, das inzwischen aus den Kinderschuhen herausgewachsen ist, weiter machen wird, steht für ihn fest.

Mit einem Handschlag besiegeln Landwirt und Bräu ihr Geschäftsverhältnis. Auer und die anderen Bio-Landwirte, die am Projekt teilnehmen, bekommen von der Brauerei die Sicherheit, dass das Getreide abgenommen wird, unabhängig von der Qualität. Dass sie sich aber bemühen, das beste aus ihren Kulturen herauszuholen, versteht sich von selbst.

M. Konnert

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