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Gutachten zur Mobilfunkversorgung vorgestellt

„Teisendorf hat kein Immissionsproblem, sondern ein Funkversorgungs-Problem!“

Funkmasten auf dem Gebäude der Brauerei Wieninger in der Poststraße.
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Funkmasten auf dem Gebäude der Brauerei Wieninger in der Poststraße.

So lautet das Fazit von Diplomingenieur Roland Fabian bei der Vorstellung des von der Gemeinde in Auftrag gegebenen Gutachtens zur Kommunalen Mobilfunkversorgung im Gemeindegebiet.

Teisendorf - Ziel des Gutachtens war es, die bereits genutzten Mobilfunkstandorte zu bewerten, um einerseits die Mobilfunkimmissionen zu minimieren, andererseits aber die Versorgung der Bürger mit Mobilfunk zu gewährleisten. Laufende Planungen der Kommune Teisendorf wurden wo immer möglich berücksichtigt. Die Firma Techcom Consulting aus Bad Feilnbach, die das Gutachten erstellt hat, ist ein weltweit tätiges Unternehmen im Bereich Telekommunikation und Informationstechnologie. Neben dem Firmengründer Ronald Fabian war auch Dr. Michael Östreicher, Physiker und Hochfrequenztechniker zur Gemeinderatssitzung nach Teisendorf gekommen. 

Gutachter bewertet Mobilfunkversorgung in Teisendorf

Die Gutachter sind alle sechzehn Mobilfunkstandorte im Gemeindegebiet abgefahren und haben mit einem hochsensiblen Profimessgerät die Immissionswerte gemessen. An allen Standorten waren die Werte um mehr als das tausendfache geringer als die gesetzlichen Grenzwerte, so Fabian in seiner Einführung. Der gesetzliche Grenzwert ist frequenzabhängig und liegt in Deutschland zwischen bei 3940 und 9760 Milliwatt pro Quadratmeter (mW/m2). 

Die Gutachter erläuterten einführend kurz und anschaulich auch die zugrundeliegenden physikalischen Begriffe wie elektromagnetisches Spektrum, Sendeleistung, Empfangspegel, Immissionen und definierte Grenzwerte. Dabei zog er auch Vergleiche  zu natürlichen Strahlungsquellen wie Sonne oder Mond. 

Höchster Immissionswert mitten im Ort

Die höchste Immission in Teisendorf zeigt der Standort an der Poststraße 1 im Zentrum der Gemeinde, Gebäude der Brauerei Wieninger. Hier lag der Wert mit bis zu  2 mW/m2, aber immer noch sehr weit unter dem gesetzlichen Grenzwert. An den meisten anderen Plätzen wurden Werte kleiner oder gleich 1 mW/m2 gemessen. Dazu kommt, dass viele Standorte im Gemeindegebiet sich auf Einzelgehöften oder Freiflächen befinden und die Hauptstrahlrichtung von bebautem Gebiet weggeht, so dass die Immissionen nahe der bewohnten Bereiche noch niedriger sind.

Die Messungen seien alle im Außenbereich gemacht worden, erklärte Dr. Östreicher. Aufgrund umfangreicher Messungen weltweit könne man aber sicher davon ausgehen, dass im Innenbereich die Werte in etwa zehnmal geringer sind als im Außenbereich. Dies gelte auch für Schulen und Kindergärten. Den Wert von 1 mW/m2 sei kein gesetzlicher Grenzwert, man habe ihn als Referenzwert gewählt, damit man die gemessenen Werte überhaupt darstellen könne.

Er entspreche dem sogenannten Salzburger Vorsorgewert (nicht Grenzwert), der 1998 in Salzburg aufgrund von Empfehlungen von Mitarbeitern der Landessanitätsdirektion Salzburg eingeführt wurde. 2005 wurde dort davon Abstand genommen, weil die flächendeckende Versorgung mit Mobilfunk bei Einhaltung dieses Grenzwertes unmöglich gewesen wäre. Dieser im internationalen Vergleich extrem tiefe Vorsorgewert sei in keinem Land als gesetzlicher Grenzwert festgeschrieben worden. 

Im internationalen Vergleich seien in der Schweiz für sensible Bereiche wie Kindergärten, Schulen oder Seniorenheime niedrige gesetzliche Grenzwerte festgelegt worden, die zwischen 41 und 96 mW/m2  liegen. Die in Teisendorf gemessenen Werte sind mit 1 bis 2 mW/m2 auch weit geringer als die Schweizer Grenzwerte. Selbst wenn alle bescheinigten beziehungsweise geplanten Bänder und Standorte einbezogen werden, prognostizieren die Gutachter für Teisendorf einen Höchstwert von nur 5 mW/m2

Funklöcher im ländlichen Bereich

Die Mobilfunkversorgung war nicht Gegenstand dieses Gutachtens und wurde daher auch nur knapp skizziert. Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass im Bereich des Hauptortes meist eine ausreichende Versorgung durch die drei Netzbetreiber Telekom, Telefonica und Vodafone gegeben ist. Allerdings ist hier auch die Anzahl der Nutzer größer. Bei der Beurteilung der Kapazitäten müsse man nämlich auch beachten, dass alle in einem Sektor einer Funkstation sich befindlichen Nutzer diese Kapazitäten teilen müssen, so die Gutachter. 

Im ländlichen Bereich treten aber je nach Verfügbarkeit entsprechender Funkstationen mehr oder weniger oft Versorgungslücken auf. Festzustellen, wo genau sich Funklöcher befinden, war nicht Ziel dieses Gutachtens. Daher könne man auch dem verständlichen Wunsch, geäußert von Gemeinderat Fritz Gasser (FWG), zur Empfehlung von Standorten für Mobilfunkmasten nicht nachkommen, erläuterte Fabian.

Was man aus den Darstellungen des Gutachtens herauslesen könne, seien grobe Bereiche, wo die Signale stärker oder schwächer sind. Auch die Topographie habe laut Östreicher in unserer Region einen starken Einfluss. Viele Masten seien auf Erhöhungen und würden daher kaum ins Tal abstrahlen. In der anschließenden Diskussion wies Bürgermeister Thomas Gasser auf die besondere Lage in Teisendorf hin, mit der Nähe der Bahnlinie, der Autobahn und der B304. All diese Verkehrswege  müssten mit Masten versorgt werden, um den Mobilfunkempfang zu sichern.

Neuer Mast in Oberteisendorf: Geringe Werte

Gemeinderat Georg Quentin (SPD) interessierte konkret die Immissionswirkung des neue Mastens, der in der Nähe des Sportplatzes in Oberteisendorf geplant ist. Wenn der Masten wie geplant in Betrieb genommen würde, wäre in unmittelbarer Nähe im Freien mit einem Immissionswert von 2 bis 3 mW/M2 zu rechnen, so der Gutacher. Dieser Wert sei sehr gering und liege weit unter den strengen Schweizer Grenzwerten für sensible Bereiche. Ob es nicht doch sinnvoll wäre, den Masten weiter vom Ort und Sportplatz abzurücken, meinte Rätin Ute Hogger (Grüne), um auf der sicheren Seite zu sein. Damit würde man möglicherweise die Versorgung am entgegengesetzten Ortsende verschlechtern, so der Gutachter, ohne nennenswerte Verbesserung für den Bereich des Sportplatzes. Hogger regte auch an, weitere Messungen in den Innenräumen der Schule und Kindergärten zu machen. Das wäre nicht notwendig, so der Gutachter. Wenn man die Außenwerte durch Zehn teile, habe man verlässliche Werte für die Innenräume. 

Rat Gernot Daxer (CSU) zeigte sich über die niedrigen Grenzwerte erfreut. Er interpretiere das Ergebnis des Gutachtens so, dass man eigentlich mehr Funkmasten bräuchte, weil die Versorgung unbefriedigend sei, die Immissionsbelastung aber kein Problem darstelle. Die knappe Antwort des Gutachters darauf: „Ja, nochmal, Sie haben ein Funkversorgungsproblem, kein Immissionsproblem!“. Auch für Gemeinderat Fritz Gasser (FWG) war das Ergebnis eindeutig: „Wir müssen an der Mobilfunkversorgung arbeiten!“. Wichtig in diesem Zusammenhang sei die koordinierte Funknetzplanung, betonte Gutachter Fabian. Gerade in Zeiten der Energieknappheit werde das immer wichtiger. 

Man habe nach diesem Gutachten schon ein gutes Gefühl, weil man jetzt wisse, wie es mit der Immissionsbelastung in Teisendorf aussähe, meinte auch Gemeinderätin Elisabeth Aschauer (Grüne) und bedankte sich bei den Gutachtern für die guten Erläuterungen.  

kon

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