Wirtschafts-, Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsausschuss

Das sind die größten Probleme der Teisendorfer Marktstraße

links: Solche Bilder sollen in der Marktstraße von Teisendorf bald der Vergangenheit angehören. Buchten zum Kurzparken sollen Abhilfe schaffen. rechts: Der Schilderwald an manchen Gebäuden in der Marktstraße verwirrt die Verkehrsteilnehmer.
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links: Solche Bilder sollen in der Marktstraße von Teisendorf bald der Vergangenheit angehören. Buchten zum Kurzparken sollen Abhilfe schaffen. rechts: Der Schilderwald an manchen Gebäuden in der Marktstraße verwirrt die Verkehrsteilnehmer.

Dem Wirtschafts-, Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsausschuss (WENA) von Teisendorf wurden in seiner jüngsten Sitzung die Ergebnisse einer Untersuchung zu verkehrstechnischen Problemen der Marktstraße vorgestellt. Diese ist der erste Schritt auf dem Weg zu einem Verkehrskonzept.

Teisendorf - Die werktägliche Verkehrsbelastung in der Marktstraße ist mit rund 6.000 Fahrzeugen in 24 Stunden für eine „dörfliche Hauptstraße“ als „üblich“ zu bezeichnen. Die Auslastung der Parkplätze im Ortskern ist insbesondere tagsüber sehr hoch und nimmt mit der Entfernung zum Kern deutlich ab. Aus verkehrstechnischer Sicht kritisch zu sehen sind, unter anderem, die kleinteilig wechselnden Geschwindigkeitsbegrenzungen im Ortskern, das Beschilderungs-Wirrwarr, die fehlenden Wege für Radfahrer sowie die Verflechtung von Straßenverkehr und Fußgängern in der Marktstraße.

Dies sind wesentlichen Aussagen die dem Wirtschafts-, Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsausschuss (WENA) der Gemeinde Teisendorf von der Ingenieurgesellschaft für Straßenverkehr „Schlothauer & Wauer“ als erste Schritte für ein Verkehrskonzept präsentiert wurden. In Auftrag gegeben hatte es die Gemeinde, die Initiative kam aus dem „Lenkungsausschuss Marktstraße“. „Wir haben die Erstellung eines solchen Konzeptes in Auftrag gegeben, weil uns viel daran gelegen ist, die Marktstraße als lebendigen Ortskern zu erhalten. Dazu gehört auch ein gutes Parkraum- und Verkehrskonzept“, so Bürgermeister Thomas Gasser.

Untersuchung zeigt verkehrstechnische Probleme der Marktstraße in Teisendorf auf

„Aufgrund der begrenzten Querschnittsbreite der Marktstraße ist das Verkehrsaufkommen dort gefühlsmäßig höher, als tatsächlich gemessen“ stellte Sibel Aydogdu vom Auftragnehmer gleich zu Beginn ihrer Ausführungen fest. Der Analyse lagen eine Bestandsaufnahme der Park- und Verkehrssituation, die stichprobenartige Befragung von Fahrzeuglenkern und eine Ortsbegehung zugrunde. Bei einer 24-Stunden Zählung mittels Videotechnik am 01. Oktober 2020 in der Bahnhofstraße, Höhe Friedhof, wurden rund 6.000 Fahrzeuge – Autos, Motorräder, Lieferwagen, Busse, Lkws, Lastzüge und Fahrräder - erfasst, wobei das Verkehrsaufkommen in beiden Richtungen nahezu gleich war. Der Schwerverkehrsanteil (über 3,5 Tonnen) lag bei rund drei Prozent. „Diese Werte liegen im Mittel des für dörfliche Hauptstraßen Üblichen“, so Aydogdu. „Aufgrund der begrenzten Querschnittsbreite der Marktstraße ist das Verkehrsaufkommen dort aber gefühlsmäßig höher, als tatsächlich gemessen“.

Zentrumsnahe Parkplätze, wie hier am Rathaus, sind in Teisendorf begehrt.

Eine Befragung von 1.043 Verkehrsteilnehmern am selben Tag zwischen 6 und 10 Uhr sowie zwischen 15 und 19 Uhr zeigte, dass 39 Prozent der Fahrten zur Arbeit waren, gefolgt von 21 Prozent privater Fahrten (Erledigungen beziehungsweise Einkauf). Der Besetzungsgrad der Autos lag bei 1,25 Prozent. Rund ein Viertel der Fahrzeuge befand sich nur auf der Durchfahrt durch Teisendorf, bei einem weiteren Viertel handelte es sich um Fahrten innerhalb von Teisendorf. Die mit Abstand meisten Fahrten von Teisendorf weg führten nach Freilassing.

Parksituation und Schilderwald in Teisendorf im Blick

Am 06. Oktober 2020 wurde die Auslastung der öffentlichen Stellplätze um 6, 11, 17und 20 Uhr erfasst. Zeitgleich erfolgte eine stichpunktartige Befragung zu der Parksituation im Ortskern. Im „Kern“, das heißt in der Marktstraße, Poststraße, Lindenallee und dem oberen Teil des Brunnpoint, wurde eine sehr hohe Auslastung insbesondere tagsüber festgestellt. Kritisch bewertet wurde auch die teilweise Belegung durch Dauer- oder Falschparker. Knapp die Hälfte der Befragten gab die Tätigung von Einkäufen als Grund ihres Parkens an, vierzig Prozent machen dies mehrmals pro Woche. Die Dauer des Parkens liegt überwiegend zwischen dreißig Minuten und einer Stunde. Im Durchschnitt wurde die Parkqualität im Ortskern mit der Note 2,8 bewertet. Als negativ wurden unter anderem die zu geringe Anzahl und die zu enge Dimensionierung der Parkplätze angegeben ebenso wie die langen Wege zu den Geschäften oder auch das Parkverhalten mancher Verkehrsteilnehmer.

Parkplätze im oberen Teil von Brunnpoint sind in Teisendorf nicht nur zu Stoßzeiten begehrt.

Bei der Ortsbegehung sind den Fachleuten von Schlothauer & Wauer zahlreiche Defizite aufgefallen, darunter die wechselnden Geschwindigkeitsbegrenzungen und der „Schilderwald“ im Ortskern, der einem Ortsunkundigen die Orientierung und ein korrektes Verkehrsverhalten stark erschwert. Eine Vereinheitlichung in beiden Fällen wurde von den Fachleuten dringend angeraten. Das Fehlen von Radfahrwegen und Abstellanlagen, die zum Teil schmalen Gehwege, auch mit defizitärem Erhaltungszustand, sowie die schlechte Anbindung zum Bahnhof mit dem öffentlichen Nahverkehr waren weitere Kritikpunkte. Dennoch sei die Stärkung der Marktstraße als Zentrum mit Einzelhandels- und Dienstleistungsangeboten durchaus ein Zukunftsmodell, vor allem wenn es gelingt, das Parkraumproblem zu lösen. Dazu, sowie zu den weiteren Problempunkten sollen jetzt konkrete Umsetzungsmaßnahmen erarbeitet werden.

Ausführliche Diskussion der Ergebnisse

In der anschließenden Diskussion kritisierten die Ausschussmitglieder die Durchführung der Erhebungen während der Zeit, als die B304 durch Oberteisendorf für den Verkehr gesperrt war. Dies habe das tatsächliche Bild massiv verschoben, so Gemeinderätin Anita Niederstrasser (FWG). Ausschussmitglied Andreas Neumeier (CSU) sieht den Durchgangsverkehr nicht als großes Problem im Gegensatz zur Parksituation. „Wir brauchen Stellplätze für die Leute, die zum Einkaufen kommen“, so Neumeier. Dazu müsse man im Ortskern umgehend weitere Kurzzeitparkplätze ausweisen und diese besser beschriften. „Nur die Anordnung von reduzierter Parkdauer löst das Problem nicht, wenn man die Einhaltung nicht kontrolliert“, so die Meinung von Sibel Aydogdu. Auch müsse man berücksichtigen, dass die Erhöhung der Stellplatzanzahl und die Verkürzung des Parkzeit noch mehr Verkehr in den Ort ziehen und die Verkehrsfrequenz erhöhen würde.

Verwirrende Schilder zu Geschwindigkeitsbegrenzungen in Teisendorf.

Es gehe hier nicht nur um die ohne Zweifel zu geringe Anzahl von Parkplätzen tagsüber, mahnte Gemeinderat Fritz Gasser (FWG), sondern primär müsse es um ein Verkehrskonzept gehen, mit dem man die Belastung der Marktstraße verringert, zum Beispiel durch Einbahnregelungen oder auch durch die Änderung der Verkehrsführung durch bauliche Maßnahmen. Dazu gäbe es viele angedachte Lösungsvorschläge, so die Antwort des Bürgermeisters. Sie würden aber bis dato an Eigentumsverhältnissen und Auflagen des Denkmalschutzes scheitern. Man habe bereits versucht durch eine entsprechende Beschilderung vor den Ortseinfahrten den Verkehr aus Teisendorf herauszuhalten. Es sei ohne Zweifel wichtig das Parkplatzproblem zu entschärfen, so Dritter Bürgermeister Georg Quentin (SPD), gleichzeitig müsse aber auch die Marktstraße mit ihren vielen Einkaufsmöglichkeiten erhalten bleiben. Als Sofortmaßnahmen sollen vier weitere Kurzzeitparkplätze ausgewiesen werden und baldmöglichst auch die Einhaltung der Parkzeit kontrolliert werden.

kon

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