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Bevölkerungsentwicklung in Teisendorf

Sozialraumanalyse zeigt Familienfreundlichkeit der Gemeinde: Erfreulich hoher Anteil junger Menschen

Die Gemeinde Teisendorf zieht Bilanz: Erfreulich ist der hohe Anteil an junger Bevölkerung. Die Analyse zeigt auch, dass in den letzten 10 Jahren etwa 30 Prozent der Bevölkerung ausgetauscht wurde.


Teisendorf - Um die Weichen für die Zukunft richtig zu stellen, hat die Gemeinde wie bereits der Landkreis und andere Kommunen in der Region eine Sozialraumanalyse in Auftrag gegeben, um die Bevölkerungstruktur, den Arbeitsmarkt, die Wohnraumsituation und verschiedene soziale Indikatoren näher zu beleuchten. Auszüge aus dem umfangreichen Gutachten wurde von dem beauftragten Gutachter Dr. Herbert Tekles im Gemeinderat vorgestellt und diskutiert. In diesem Bericht geht es um die aktuelle und zukünftige Bevölkerungsstruktur und -entwicklung. Ein weiterer zu Wirtschaft und Arbeitsmarkt, sozialen Indikatoren und Wohnungsmarkt wird folgen.

Teisendorf hatte mit Stand August des Vorjahres 9379 Einwohner. Davon waren 18,2 Prozent unter achtzehn Jahre alt, der höchste Wert im Landkreis Berchtesgadener Land. Diese Zahl wird in den nächsten zehn Jahren noch etwas ansteigen von jetzt 1700 auf 1900 Personen in 2031. Im Vergleich zu übergeordneten Gebieten wie Oberbayern, Bayern oder Deutschland liegt Teisendorf bei diesem Parameter damit ganz vorn.

Auch die Anzahl der unter sechsjährigen ist in den letzten Jahren in der Gemeinde wiederstetig gestiegen von 438 in 2009 auf 621 in 2019. Durch diese Entwicklung werden mehr Plätze in den Kinderbetreuungseinrichtungen und Grundschulen benötigt. Der Anstieg der Kinderzahlen ist auf eine vergleichsweise hohe Geburtenquote von 10,7 Geburten auf 1000 Einwohner zurückzuführen und nicht auf Wanderungsgewinne aus dem Ausland, so Tekles. Die Geburtenrate in Teisendorf liegt über dem Durchschnitt im Landkreis Berchtesgadener Land (8,6), in Bayern (9,8) und in Deutschland (10,3). Sie ist in den letzten Jahren in der Kommune wieder leicht ansteigend nach einem
zwischenzeitlich deutlichen Rückgang ab der 1970er. Die hohe Anzahl junger Menschen und die erfreuliche Geburtenrate wertete Tekles als einen Beweis für die Familienfreundlichkeit der Kommune.

Gestiegen ist aber auch die Anzahl der älteren Menschen in der Gemeinde. So hat sich beispielsweise die Zahl der über 75-Jährigen in den letzten Jahren fast verdoppelt, von 554 im Jahr 2000 auf 988 in 2019. Für die Zukunftprognostiziert die Sozialraumanalyse eine weitere Überalterung der Bevölkerung mitgravierenden Folgen für den lokalen Arbeitsmarkt. So wird die Anzahl der Menschen, die über 65 sind und damit aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, deutlich zunehmen. Ab 2023 werden jährlich über 2000 Menschen den Arbeitsmarkt verlassen. Die jungen, die dazukommen, werden dieses Defizit nicht ausgleichen können. Damit ist ein Arbeitskräftemangel für die lokalen Firmen zu erwarten, der nur durch Personal aus demAusland ausgeglichen werden kann. Denn parallel zum Anstieg der Älteren wird der Anteilder Bevölkerung zwischen 18 und 65 Jahren, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, zurückgehen. Dies werde sich durch alle Sparten ziehen, so Tekles auf Nachfrage eines Gemeinderates. Im Auge haben müssen die Verantwortlichen auch den vom Gutachtenprognostizierten Anstieg der über 85-Jährigen in der Gemeinde, mit entsprechend höherem Bedarf an Betreuungsangeboten.

Wichtig für die demographische Entwicklung ist auch das Verhältnis zwischen Geburten und Sterbefällen. Zu Beginn der 1960er war in Teisendorf die Anzahl der Geburten deutlich höher als die der Sterbefälle. Ab dann und bis heute halten sich die beiden Wertein der Gemeinde in etwa die Waage. Für die kommenden Jahre allerdings erwartet das Gutachten eine Zunahme der Sterbefälle, die damit über der Anzahl der Geburten zuliegen kommen werden.

Interessant ist auch die Analyse der Zu- und Wegzüge aus der Gemeinde mit steigender Tendenz des Wanderungsvolumens. Seit 1960 haben in etwa 300 bis 400 Personen proJahr die Gemeinde verlassen, etwa gleich viele sind neu zugezogen. Bei geringen Unterschieden in den Zahlen gab es, bis auf wenige Ausnahmen pro Jahr etwas mehr Zuzüge als Wegzüge. Das schein auf den ersten Blick nicht viel zu sein, bedeute aber in zehn Jahren, so Tekles, dass circa 3000 bis 4000 Menschen die Gemeinde verlassen und ebensoviele neu dazukommen. Oder anders gesagt, etwa und dreißig Prozent der Bevölkerung wurden in zehn Jahren „ausgetauscht“. Dies müsse man sich erstmal bewusst machen, so Tekles, und die Integration mit entsprechenden Angeboten begleiten.

Menschen mit Migrationshintergrund spielen in Teisendorf in der Bevölkerungsstruktur nur eine untergeordnete Rolle, zeigt das Gutachten. In der Diskussion wurde daraufhingewiesen, dass viele junge Menschen zum Studium wegziehen. Auch Partnerschaft, Familiengründung oder Wohnraumsuche sind Wegzugsgründe. Ob jemand nach dem Studium zurückkommt, hänge von den Arbeits- und Wohnmöglichkeiten vor Ort ab. Auf Nachfrage erklärte Tekles, dass die angegebene Wanderquote für Teisendorf im Vergleich mit anderen Kommunen im unteren Feld liege.

Die Gemeinderäte fühlten sich durch die Analyse bestätigt, geplante Vorhaben wie die Schaffung von Wohnraum und Arbeitsplätzen oder den Kindergartenausbau voranzutreiben. Das Fazit des Gutachters zu dem Thema Demographie war eindeutig: „Es bleibt nicht alles gleich. Wenn man nichts ändert, altert die Gesellschaft mit allen Konsequenzen“.

Monika Konnert

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel

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