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Balkaneichen für den Klimawald bei Teisendorf

Amt prüft Anbaueignung von Eichen aus wärmeren und trockeneren Regionen

Randolf Schirmer zeigt eine junge ungarische Eiche auf der
Demonstrationsfläche im Eichet.
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Randolf Schirmer zeigt eine junge ungarische Eiche auf der Demonstrationsfläche im Eichet.

Der Wald leidet. Den Bäumen, die sich bei uns viele tausend Jahre wohlgefühlt haben, wird es zu warm und in vielen Gegenden zu trocken. Stürme und Schädlinge machen ihnen zu schaffen. Waldbesitzer und Wissenschaftler suchen dringend nach Lösungen, um den Wald für den Klimawandel fit zu machen.

Teisendorf - In manchen Gegenden ist die Situation so dramatisch, dass man von Maßnahmen zur „Rettung des Waldes“ spricht, weil ausgedehnte Waldflächen bereits abgestorben sind. Weg von Reinbeständen hin zu stufigen Mischbeständen ist aus Sicht der Forstfachleute ein richtiger und wichtiger Weg zur Schaffung klimastabilerer Wälder. Sie setzen dabei je nach Region auf heimische Baumarten wie Buche, Tanne, Ahorn, Eichen, Linden und einige mehr. Ob man in die Mischbestände auch Baumarten einbringen kann, die nicht heimisch sind und aus Regionen kommen, die jetzt schon wärmer und trockener sind als bei uns, wird ebenfalls geprüft.

Auch das Amt für Waldgenetik (AWG) aus Teisendorf beteiligt sich mit seiner Fachkompetenz und seinen Einrichtungen an solchen Forschungen. Im Projekt „Mediterrane Eichenarten“, das das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten mit rund 400.000 Euro fördert, prüfen die Teisendorfer Wissenschaftler, ob sich die aus wärmeren und trockeneren Gebieten des Balkans stammenden Eichenarten, die Flaumeiche, Zerreiche und Ungarische Eiche, als Mischbaumarten für unsere zukünftigen Wälder eignen.

„Diese Arten könnten im Klimawandel eine zukunftsweisende Ergänzung zu unserer heimischen Baumarten sein“, so der stellvertretende Leiter des AWG Randolf Schirmer gegenüber BGLand24.de bei einem Treffen im Eichet bei Freilassing. Dort hat das AWG Demonstrationsflächen mit unterschiedlichsten nichtheimischen Baumarten angelegt. „Hier im Eichet machen wir mit Baumarten aus Südeuropa die ersten Gehversuche. Wenn alles nach Plan läuft, werden wir ab Herbst 2022 mit den drei Eichenarten größere Versuchsflächen bei uns anlegen,“ so Schirmer weiter, und zeigt uns noch eine weitere Eichenart, die vor kurzem im Eichet angepflanzt wurde und die von ganz weit kommt, aus dem Norden des Irans.

Die Enwicklung der iranischen Eiche im Eichet verspricht einiges. Die Kastanienblättrige Eiche (Quercus castaneifolia), wie sie wissenschaftlich heißt, war ursprünglich nicht im Visier der Forscher aus Teisendorf. Durch Kontakte mit iranischen Forstleuten kam man aber auf die Idee, wärmeliebende Baumarten aus den artenreichen Wäldern des nördlichen Iran auch näher in Erwägung zu ziehen.

Aber zurück zu den Balkaneichen. Die Flaumeiche (Quercus pubescens) kommt bereits auf kleineren Flächen in Bayern vor, hat aber ihr Hauptverbreitungsgebiet in Süd- und Südosteuropa. Auf der Balkanhalbinsel ist sie eine wichtige Baumart vor allem auf nährstoffarmen, trockeneren Standorten. Ihr Holz ist ähnlich dem der Traubeneiche. Die Flaumeiche ist ein mittelgroßer Baum mit Höhen bis zu zwanzig Meter. Auch die Ungarische Eiche (Quercus frainetto) kann längere Trockenperioden gut ertragen. Der Name ist irreführend, denn in Ungarn kommt sie kaum vor, dafür aber in anderen Ländern des Balkans wie Bulgarien und Rumänien.

Noch wenig wissen die Forscher über ihre Spätfrostempfindlichkeit, die je nach Herkunft des Saatgutes unterschiedlich sein kann und deshalb in sogenannten Herkunftsversuchen unter den Klimaverhältnissen in Bayern geprüft wird. Die Baumart kann bis zu 40 Meter hoch werden und einen Durchmesser von 60 Zentimeter erreichen. Eine weitere mediterrane Eichenart, von der sich die Wissenschaftler am AWG einiges als Ergänzungsbaumart versprechen, ist die Zerreiche. Als Pionierbaumart die auf vielen Standorten wächst, Trockenheit gut verträgt und sturmfest ist, könnte sie zur Stabilisierung der Bestände beitragen. Auch ihre Wuchsleistung ist mit bis zu 35 Meter Höhe und 90 Zentimeter Durchmesser durchaus beachtlich. Die neu in das Projekt aufgenommene Kastanienblättrige Eiche aus dem Nordiran mag es zwar etwas feuchter als die mediterranen Eichen, dafür ist sie aber wärmeliebend und meist frosthart.

Ob die genannten Arten unter den Standort- und Klimaverhältnissen in Bayern das halten, was man sich von ihnen verspricht, werden die Versuche zeigen, die die Wissenschaftler aus Teisendorf vorrangig auf Sturmflächen im trocken-warmen Gebiet von Alzenau (Unterfranken) anlegen wollen. Erst aber müssen sie sich um das Saatgut kümmern, aus dem die Pflanzen für die Versuchsflächen in der Baumschule angezogen werden müssen. „Die Saatgutbeschaffung ist eine besondere Herausforderung“, weiß Randolf Schirmer.

„Aus dem großen Verbreitungsgebiet einer Art wollen wir Saatgut aus solchen Regionen, deren Klima bereits heute dem entspricht, was für Bayern in einigen Jahrzehnten vorausgesagt wird.“ Zudem soll genau vermerkt werden, wo das Saatgut herkommt, damit die Saatguterntebestände auch langfristig nutzbar sind. Zunächst aber müssen Kontakte zu ausländischen Forstbetrieben und Baumschulen aufgebaut, geeignete Erntebestände gefunden und Erntestrukturen entwickelt werden. Und dann spielt der Faktor Natur eine entscheidende Rolle. Eichen fruktifizieren nur alle fünf Jahre stark. Nach einer guten Ernte im vorigen Jahr sind die Ernteprognosen für dieses Jahr eher enttäuschend. Die Suche nach beerntbaren Waldbeständen bleibt daher derzeit ein Arbeitsschwerpunkt. Und es bleibt die Hoffnung, dass es spätestens im nächsten Jahr genügend Samen für die Anzucht von etwa 40.000 Pflanzen geben wird. Dann wird man auch dank der Forschungen aus Teisendorf in zehn bis fünfzehn Jahren wissen, ob Flaumeiche, Zerreiche, Ungarische Eiche und iranische Eiche im Klimawandel in unseren Wälder als Mischbaumart eine Zukunft haben.

kon

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