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Zum dritten Mal seit 1950

Gaufest 2023 : Das größte Trachtenfest Bayerns in Teisendorf

Der Trachtenverein „Raschenberger“ wurde 1982 angeführt vom Taferlbua Hans Hogger (heute Gebietsvertreter des Rupertigau im Gauverband und Festleiter des Gaufestes 2023). Ihm folgten (von links): Heinrich Hogger, Fahnenträger Leonhard Zillner (bereits verstorben) und Hans Haberlander.
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Der Trachtenverein „Raschenberger“ wurde 1982 angeführt vom Taferlbua Hans Hogger (heute Gebietsvertreter des Rupertigau im Gauverband und Festleiter des Gaufestes 2023). Ihm folgten (von links): Heinrich Hogger, Fahnenträger Leonhard Zillner (bereits verstorben) und Hans Haberlander.

Im Juli 2023 wird in Teisendorf das Gaufest für den Gauverband I der Oberbayerischen Gebirgstracht-Erhaltungsvereine stattfinden. Nach 1950 und 1982 wird es das dritte Mal sein, dass der Trachtenverein „D’Raschenberger“ und die Marktgemeinde das größte Trachtenfest Bayerns ausrichten darf. 

Teisendorf – Auch wenn es noch eine Weile hin ist, laufen die Vorbereitungen schon auf Hochtouren. Und Erinnerungen an die vorigen zwei Gaufeste in Teisendorf werden lebendig, Chroniken gewälzt, Fotos betrachtet, Protokolle überflogen. An das Fest vor 40 Jahren können sich noch viele erinnern.

Zu den Trachtlern, die damals als Aktive bei der Organisation und beim Feiern dabei waren, gehören Hans Haberlander und Heinrich Hogger. Als 1. und 2. Vorplattler bei den „Raschenbergern“ waren sie an vorderster Front mit dabei und haben mit uns auf das große Ereignis zurückgeblickt. Es sei für einen Trachtenverein eine große Ehre aber auch eine Riesenaufgabe, ein Gaufest auszurichten, so Haberlander. Und es stärkt den Zusammenhalt im Verein enorm, ist Hogger überzeugt. 

Über 8000 Trachtler sind 1982 zum größten Trachtenfest Bayerns nach Teisendorf gekommen, erzählt Hogger. Festleiter war der damalige 2. Bürgermeister Martin Seidl, Schirmherr Bürgermeister Fritz Lindner. Die Festschrift hatte Josef Eisl aus Teisendorf erstellt. Für die „Raschenberger“ unter ihrem damaligen Vorstand Engelbert Seeböck war es ein doppeltes Fest, denn sie feierten 1982 auch ihr 75-jähriges Bestehen. 

Der Ablauf des 92. Gaufestes war ähnlich wie bei vielen Gaufesten zuvor. Gauversammlung und Totengedenken im Vorfeld, Festabend mit Musikgruppen und Auftritten der Kinder-, Jugend- und Aktivengruppen sowie Ehrentänzen. Der Festsonntag begann mit dem Feldgottesdienst auf der Wiese hinter der Schießstätte. „Der Festzug mit Trachtengruppen aus 114 Gauvereinen, 34 Fahnenabordnungen der Ortsvereine, 38 Musikkapellen, 8 Festwägen und 3 Kutschen führte von der Lindenallee bis zum Bahnhof und durch die Marktstrasse wieder zurück. Gesäumt war die Festzugstrecke von circa 20.000 Zuschauern“, erzählt Hogger.

Die Aktiven haben 1982 erstmals mit zwölf Paaren den Sterntanz aufgeführt, so Haberlander und ergänzt. „Die Sterne waren mit Natur-Tannendaxen gebunden“. Das Festzelt auf dem Brauereigelände war nicht groß genug, um alle Feiernden aufzunehmen. Deshalb hat man die Vereine auch auf die umliegenden Wirtschaften, wie Alte Post und Gleiwirt verteilt. Das war früher gang und gebe, als man noch keine so großen Zelte hatte. „Es gab Vereine, die haben sich ein spezielles Gasthaus vorab gewünscht“, weiß Hogger. Noch ein Detail am Rande, dass in der Chronik nachzulesen ist. „Es wurde beschlossen, für das Gaufest 82 hellblaue Krawatten anzuschaffen“. Man wollte eben fesch daherkommen.  

1950: Das allererste Gaufest in Teisendorf

Unter ganz anderen Vorzeichen stand 1950 das erste Gaufest in Teisendorf. Es war das 60. Gaufest seit Gründung des Gauverbandes und das zweite Gaufest nach dem Krieg, nur fünf Jahre nach Kriegsende ein besonderes Ereignis. Lebensfreude und Optimismus waren zurückgekehrt, Feiern war angesagt. Der Teisendorfer Trachtenverein hatte durch den Zuzug der Flüchtlinge großen Zulauf, einige Flüchtlingskinder wurden in die Kindergruppen integriert.

Bei der Gauversammlung 1949 setzte sich Teisendorf als Organisator des Gaufestes 1950 durch. Die größte Herausforderung war die Finanzierung. Der damalige Trachtenvorstand Isidor Embacher aus Oberstetten rief zum Seegras ausziehen ins Weitmoos auf. Getrocknetes Seegras fand damals bei Sattler und Polsterer Verwendung und ließ sich deshalb gut verkaufen. Eine Musikkappelle aus dem benachbarten Österreich bat um Privatquartiere, „da wir mit unseren Schillingen sehr knapp bemessen sind.“ Wegen knappen Geldes haben viele Vereine kein Essen gebucht. Nur einige Beispiele, die zeigen, wie man damals einteilen musste.

Auch andere heute kaum vorstellbare Hürden taten sich auf. So ersuchte der Trachtenverein aus Neumarkt/Salzburger Land „um anstandsloses Überqueren der Grenze“. Die Einladungen auf dünnem Papier waren so gestaltet, dass sie auch als Rückmeldung verwendet werden konnten. Papier war ein rares Gut! Man kam per Bahn und mit Lkw oder auch mit dem Fahrrad. Heinrich Hogger erzählt von einem Hans Strasser, der aus Berchtesgaden per Radl bis zum Högl kam. Dort stellte er sicherheitshalber sein Rad unter und ging zu Fuß nach Teisendorf.

Trotz aller Widrigkeiten hatten sich 115 Vereine mit 24 Musikkapellen angemeldet. Untergebracht waren sie in den zwölf Teisendorfer Wirtschaften. Dort wurde auch gefeiert, denn ein Festzelt gab es 1950 noch nicht. Auch der große Festabend am Samstag war wegen der zahlreichen Gäste auf zwei Lokale aufgeteilt: die Alte Post und die Neue Post mit jeweils gleichem Programm.

Die Aufstellung der acht Züge für den Festumzug am Sonntag Nachmittag erfolgte nach den Wirtschaften, wo die Vereine untergebracht waren. Leider wurde er durch ein starkes Gewitter beträchtlich gestört. Der bereits am Vormittag gefeierte Feldgottesdienst hatte darunter nicht zu leiden. Für besonders feierfreudige wurde noch ein „Gaufestmontag“ angehängt. Über die verkauften Festzeichen hatte man auch das finanzielle Problem gut in den Griff bekommen. Und die Raschenberger hielten das, was sie in der noch erhaltenen Originaleinladung versprochen haben: „Wir Raschenberger werden jederzeit bestrebt sein, mit Gegenbesuchen Eure Kameradschaft zu vergelten“.  

kon

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