Gemeinderat Teisendorf einigt sich auf Planungsvariante

Hochwasserschutz nahe der Brücke unter der B304 soll nochmal geprüft werden

Situation beim Hochwasser im August 2020
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Situation beim Hochwasser im August 2020

Teisendorf - Die Planungen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes am Ramsaubach sind bereits 2017-2018 begonnen worden. Unter dem Eindruck des schlimmen Hochwassers im August, dass auch im Ortsteil Karlsbach, wo der Ramsaubach durchfließt, zu Überschwemmungen geführt hat, soll jetzt alles ganz schnell gehen.

Der Gemeinderat hat sich in seiner jüngsten Sitzung auf einen Maßnahmenvorschlag des Planungsbüros Aquasoli aus Siegsdorf geeignet. Er sieht die Errichtung einer Hochwasserschutzwand, den Neubau der Brücke in der Bahnhofstrasse, den Ausbau des Ramsauer Baches von der Bahnhofstrasse in die Sur sowie die Umsetzung von Maßnahmen zum Wasserrückhalt vor. Die Verwaltung wurde beauftragt, für diese Planungsvariante den entsprechenden Förderantrag zu stellen und die wasserrechtliche Erlaubnis zu beantragen. Zusätzlich soll aber trotz der Bedenken der Planer, nochmal geprüft werden, ob ein Rückhaltebecken an der B304 (Bereich der Brücke) alternativ zur geplanten Geländemodellierung am Sportplatz sinnvoll wäre.


Der Ramsauer Bach zeigt sich den Teisendorfern meist als kleines Bächlein, das in vielen, oft ausladenden Kurven träge dahinfließt. Er entsteht im Höglwörther See und mündet im Teisendorfer Ortsteil Karlsbach in die Sur. Dass der Bach bei Hochwasser zu einem großen Problem werden kann, haben die Überschwemmungen am 05. August erneut mehr als deutlich gezeigt, als die Bahnhofstrasse und Teile des Viaduktweges überschwemmt waren und auch angrenzende Bereiche und Gebäude unter Wasser standen. Für die Sur kann der Bach das Wasser bringen, dass dort sprichwörtlich „das Fass zum Überlaufen bringt“. Der Hochwasserschutz an der Sur ist inzwischen, bis auf den Einmündungsbereich des Ramsaubaches umgesetzt. Ein großes Problem ist auch die Brücke über die Staatstrasse (Bahnhofstrasse), die nur für einen Durchfluss von acht Kubikmeter pro Sekunde ausgelegt ist.

Johannes Steinkellner vom Büro Aquasoli stellte dem Gemeinderat nochmal verkürzt jene sechs Varianten zu Hochwasserschutzmaßnahmen am Ramsaubach vor, die im Rahmen einer Variantenstudie bereits untersucht worden sind. Darunter eine, die den Einzelschutz der zwölf betroffenen Gebäude vorsieht, eine zweite, mit Brückenneubau und Gewässerausbau sowie vier weitere, die auch ein Rückhaltebecken an der B304 Nord (Bereich Brücke) beinhalten. Die Einzelschutzvariante wird als nicht zielführend angesehen. Bei allen anderen Varianten ist ein Gewässerausbau zwischen Bahnhofstrasse und Mündung in die Sur notwendig.


Die Drosselwirkung eines Rückhaltebeckens wird von den Fachleuten als zu gering angesehen, um einen Gewässer- und Brückenausbau obsolet zu machen. Zudem würde ein Rückhaltebecken an der B304 zu starken naturschutzfachlichen Eingriffen führen, da die Einstaufläche teilweise in einem Flora-Fauna-Habitat (FFH) - Gebiet zu liegen käme. Die Variante mit Brückenneubau und Gewässerausbau, die man nach dem Beschluß im Gemeinderat weiter verfolgen will, bezeichnete Steinkellner als „naturschutzfachlich, technisch und wirtschaftlich am effektivsten“.

Bei dieser Variante soll die Sohlbreite des Ramsaubaches, die aktuell bei 2,5 bis vier Metern liegt, auf acht Meter verbreitet werden. Die Brücke an der Bahnhofstrasse soll neu gebaut werden, mit einer Spannweite von 13,5 Metern und einem Durchfluß von 24,8 Kubikmetern pro Sekunde. Der Bau soll wegen der Verklausungsgefahr ohne Mittelpfeiler ausgeführt werden, mit einem Freibordmaß von einem halben Meter. Um dies realisieren zu können muß die Strasse nach Süden verschwenkt und im Bereich der Brücke um circa 0,7 Meter angehoben werden.

Auf der linken Strassenseite (Richtung Ortseingang) ist der Bau einer bis zu 50 cm hohen Hochwasserschutzwand geplant. In der Nähe des Sportplatzes ist zudem ein Rückhaltebauwerk (Erdwall) vorgeschlagen, das so gestaltet werden soll, dass die Fläche auch landwirtschaftlich genutzt werden kann. Dort kann bei Hochwasser ein Teil der Wassermengen zurückgehalten werden. Eine Überschwemmungsgefahr für die Häuser in der Rossdorfer Strasse entstehe dadurch nicht, so der Planer. Diese Maßnahme zum Retentionsraumausgleich führte zu einigen Diskussionen und Nachfragen bei den Gemeinderäten.

Die Frage, ob man eine solche Flutmulde überhaupt brauche, beantwortete Stephan Hollrieder vom Wasserwirtschaftsamt, der ebenfalls anwesend war, mit einem klaren „ja“. „Der Retentionsausgleich ist notwendig, weil durch den höheren Durchfluß an der neu geplanten Brücke, die Unterlieger nachteilig belastet werden“ so Hollrieder. Gemeinderat Alois Stadler (CSU) möchte dennoch, dass ein Rückhaltebecken weiter oben am Lauf des Ramsaubaches, zum Beispiel nahe der B304 nochmal geprüft wird, auch in der Hoffnung, dass der Brückenneubau dann kleiner ausgeführt werden könnte.

Man habe dafür schon einiges geprüft, so Bürgermeister Gasser, leider ohne Erfolg. Zudem müsse man berücksichtigen, dass die Brückenpfeiler nicht überschwemmt werden dürfen. Dennoch wurde diese nochmalige Prüfung in den Beschluss aufgenommen. Ob die Maßnahmen bereits mit den Grundstückseigentümern abgeklärt seien, fragte Rat Fritz Gasser (FWG). „Noch nicht“, so der Bürgermeister. Nach einem Votum für die Maßnahme, werde man in Verhandlungen treten. Gemeinderat Felix Gasser (CSU) mahnte an, die Anwohner in den Prozess einzubeziehen. Gemeinderat Bernhard Reitschuh (FWG) interessierten die geschätzten Kosten für die Umsetzung der präsentierten Maßnahmen. Für den Brückenneubau rechne er mit 1,2 Millionen, so Planer Johannes Steinkellner, für die restlichen Maßnahmen mit rund 750.000 Euro.

Die Förderquote für wasserschutzrechtliche Maßnahmen liege bei 50 Prozent, so dass die Kosten für die Gemeinde deutlich geringer wären. Rat Georg Wetzelsperger (CSU) wollte von der Verwaltung wissen, ob die Gemeinde beim nächsten Hochwasser in Regress genommen werden könnte, wenn sie jetzt nichts für den Hochwasserschutz unternehme. Marianne Baumgartner vom Bauamt hatte dazu eine klare Antwort. „Die Gemeinde ist verpflichtet für den Hochwasserschutz zu sorgen.“ Auch könne ein Teil der Kosten auf die Bewohner der zu schützenden Gebäude umgelegt werden.

Wie lange die Umsetzung der Maßnahmen nach einem Beschluß des Gemeinderates dauern würde, wollte Gemeinderat Johann Rauscher (SPD) wissen. „Die Planungen sind weit fortgeschritten. Wenn die Grundstücksverhandlungen abgeschlossen sind, kann man einsteigen.“, so die Antwort des Planers.

kon

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