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Tausende Taufen, hunderte Hochzeiten

„Familientradition“: Seit 50 Jahren Mesner in St. Andreas in Teisendorf

Blasius Hofhammer beim Anzünden der Kerzen vor dem Gottesdienst der Kirchen.
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Blasius Hofhammer beim Anzünden der Kerzen vor dem Gottesdienst der Kirchen.

50 Jahre, tausende Taufen, hunderte Hochzeiten. Blasius Hofhammer erzählt von seinem halben Jahrhundert als Mesner in der Pfarrgemeinde St. Andreas in Teisendorf.

Teisendorf - Seit fünfzig Jahren ist Blasius Hofhammer Mesner in  der Pfarrgemeinde St. Andreas in Teisendorf. Am 1. Mai 1971 hat der damalige Pfarrer Andreas Lindauer ihn eingestellt, hauptsächlich um im Pfarrbüro die Rechnungsführung zu übernehmen. Denn diese wurde bis dahin auf Ehrenamtsbasis von Karl Schönberger neben seinem Hauptjob in der Gemeinde erledigt. Mit zunehmenden Aufgaben musste Hilfe her. Für den damals 24-jährigen Blasius Hofhammer, der beim Kumminger die Schreinerei gelernt hatte und dort angestellt war, war die Arbeit eines Mesners nichts Neues, er ist damit quasi groß geworden.

Sein Vater, auch Blasius Hofhammer,  war nämlich seit 1946 Mesner in Teisendorf. Der Junge hat ihm oft dabei geholfen und so neben seinem Beruf als Schreiner das „Mesner- Handwerk“ im Nebenjob erlernt. Heute würden man das „learning bei doing“ nennen. Nach seiner Einstellung hat Hofhammer 1971 dennoch die Diözesane Mesnerschule in Freising besucht und nach dem erfolgreichen Abschluss war Mesner sein zweiter, jetzt offizieller Beruf. Die Schule ist auch heute noch gut besucht, auch von jüngeren Leuten, weiß Hofhammer zu berichten. Mesner sei also kein „Rentnerberuf“, sondern durchaus ein Beruf fürs Leben. „Mesner ist man immer, Mesner ist man bis man stirbt“ habe ihm sein dritter Chef, Pfarrer Johannes von Bonhorst  gesagt, als er ihm seinen Arbeitsvertrag 2013 unbefristet verlängerte. „Und deshalb werde ich vorerst noch weiter machen, solange es mir Freude macht“, so Hofhammer. 

50 Jahre Mesner in Zahlen

Versucht man die fünfzig Jahre als Mesner in Zahlen zu fassen, so kommt man auf Erstaunliches: vier Pfarrer, Andreas Lindauer, Karl Ellmann, Johannes von Bonhorst und jetzt Martin Klein waren beziehungsweise sind seine Chefs. Dazu kommen mehrere Ruhestandspfarrer, viele Kapläne und Geistliche, die als Gast in St. Andreas ausgeholfen haben. Auf die Wünsche und Eigenheiten jedes einzelnen einzugehen, verlangt Flexibilität und innere Ruhe. Fünfzig Jahre Mesner bedeuten aber tausende Gottesdienste und Andachten, für Hofhammer „genau 2.562 Taufen, 693 Hochzeiten und 2.252 Sterbefällen“, bei denen er als Mesner dabei war. Er muss es wissen, denn er hat lange Jahre auch die Matrikelbücher der Pfarrei geführt. Das gehörte neben der Rechnungsführung und der Haushaltsaufstellung lange Jahre zu seinen Aufgaben im Pfarrbüro.  

Die Darstellung eines Pelikans, der sich gerade die Brust aufreißt, um seine Küken mit dem eigenen Blut zu nähren, damit sie nicht verhungern ist ein Symbol für die Aufopferung Jesu für die Menschen.

Urlaub war in der Familie Hofhammer lange Jahre kein Thema. „Und an den großen Feiertagen, wie zum Beispiel Weihnachten, haben wir uns mit unseren privaten Feiern immer ganz selbstverständlich nach der Kirche gerichtet“, so Ehefrau Maria. Das sei anfangs nicht leicht gewesen, man habe sich aber daran gewöhnt und schließlich wurde es selbstverständlich. Ohne den Rückhalt und die Mithilfe der Familie hätte er seinen Beruf als Mesner nicht so lange Jahre ausüben können, ist Hofhammer überzeugt. Seine Frau Maria hat ihn immer unterstützt, hat mitgeholfen bei der Reinigung der Kirche und beim Blumenschmuck. Auch heute noch wäscht sie einen Teil der Kirchenwäsche, wie die Altar- und Kelchtücher. Die Situation akzeptiert haben auch die drei Kinder Irmgard, Regina und Peter und immer wieder mal in der Kirche mitgeholfen. Mesner als „Familienjob“ eben! 

Stets im Dienste Gottes

Auf die Frage, was eigentlich die Hauptaufgabe eines Mesners sei, kommt die Antwort von Hofhammer schnell: „Ein Mesner muss ermöglichen, dass Gottesdienst überhaupt stattfinden kann“.  Dazu gehört nicht nur das Kerzenanzünden, sondern die gesamte Vorbereitung im Vorfeld, denn wenn die Glocke den Meßbeginn ankündigt, muss alles passen und nichts darf fehlen. Und deshalb ist Hofhammer gerne schon eine gute Stunde vor Beginn der Gottesdienste in der Kirche, um alles vorzubereiten. Denn Stress will er keinen. An den großen Feiertagen sei es oft schon aufreibend  genug und es ist gut, wenn es nachher wieder etwas ruhiger wird. 

Immer schon hat Blasius Hofhammer auch im Pfarrbüro mitgearbeitet. Lange Zeit hat er die  Rechnungsführung für die Pfarrei gemacht, dies auch zehn Jahe lang für die Pfarrei Weildorf, den Haushalt erstellt und die Matrikelbücher geführt. Auch beim Aufbau des Teisendorfer Kindergartens war er voll eingebunden und musste sich um viele finanzielle Dinge kümmern. Daneben noch Hausmeisterdienste beim Pfarrhof, das Schneeräumen vor der Kirchen  und am Pfarrhof. Ab 60 hat er dann dienstlich kürzer getreten und ist heute „nur noch“ Mesner im Halbtagsjob.

Auch seine privaten Interessen haben teilweise mit der Kirche zu tun. Er hat schon vor längerer Zeit den Kirchenführer für die Kirchen in der Pfarrei Teisendorf geschrieben. „Der ist heute noch aktuell, müsste aber überholt werden“, meint der geschichtsinteressierte Hofhammer. Als gelernter Schreiner hat er immer wieder kleine Verschönerungen für die Kirche ins Auge gefasst. So hat er den Pelikan, der zu Fronleichnam über dem Tabernakel thront, geschnitzt, „als Notlösung, weil mir oft der passende Blumenschmuck für diese Stelle fehlte“, so Hofhammer. Auch die Figur des Johannes des Täufers über dem Taufbecken stammt von ihm. Nicht zu vergessen die Jahreskrippe, die ab dem 8. Dezember, dem Tag Mariä Empfängnis bis nach Ostern beim Aufgang zur Chorempore aufgestellt ist, mit wechselnden Krippendarstellungen. 

Es gäbe noch vieles zu erzählen aus den langen Berufsjahren, meint Hofhammer. Wie er als Kind dem Vater geholfen hat, noch mit Stricken die Glocken zu läutern, oder wie er mit Prälat Gruber in Israel war, oder wie er die alten Matrikelbücher im Archiv der Pfarrei entziffert hat und, und, und.  Es waren fünfzig Jahre mit Wechsel und Beständigkeit, mit Auf und Ab, mit Freude und Genugtuung aber auch Ärger, gefüllt mit Leben eben. Seinem Wahlspruch „Gott zur Ehre, den Menschen zur Freude, mir zum Heile“ ist Mesner Hofhammer dabei immer treu geblieben. 

kon

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