Blick hinters Trachtler- und Burschenfest in Neukirchen

"Es ist brutal": Auflagen, Bürokratie und Organisation für eine Festwoche

+
Kurt Gastager, Festleiter und 2. Vorstand des Neukirchner Trachtenvereins "D'Schwarzenberger".
  • schließen

Neukirchen - Ein Festzug, eine Discoparty, Bierzelt, Kabarett, Musik... Wie viel Organisationsaufwand steckt hinter einer solchen Festwoche? Man mag sich verwundert die Augen reiben. 

Wo kriegt man tausende Kuchengabeln her? Wie viele Toiletten braucht man für ein 3500-Personen-Bierzelt? Wie viele Sanitäter sind nötig und welche Auflagen machen Landratsamt, Versicherungen oder Finanzamt? Kurt Gastagers Handy gibt kaum Ruhe, er sitzt vor zwei dicken Ordnern und schnauft tief durch: "Wenn das einer alleine machen müsste, bräuchte er ein Jahr Urlaub. Der Aufwand ist brutal."

Schon 2016 fand man kein passendes Bierzelt mehr

Zwei Wochen sind es noch, bis in Neukirchen am Teisenberg die Festwoche beginnt: Die Trachtler feiern 100-Jähriges, der Burschenverein hat 120-jähriges Jubiläum und richtet gleichzeitig das Gaufest aus - am Schluss sind es über drei Jahre Organisationsarbeit für zehn Tage feiern. Gastager ist 2. Vorstand des GTEV "D'Schwarzenberger" und Festleiter: "Seit März verbringe ich inzwischen jede freie Minute mit dem Fest." 

Wie schwer eine solche Organisation ist, zeigte sich gleich bei den ersten Schritten. Schon vor drei Jahren, im Sommer 2016, erkundigten sich Trachtler und Burschen nach einem Bierzelt für den Wunschtermin im August 2019 - "bis ins Salzburger Land war kein Zelt mehr zu bekommen, das einem nicht die Brauerei vorschreibt", erzählt Gastager. Ein halbes Jahr Beraten, Telefonieren und Organisieren später stand zumindest die Basis: Catering, Schankmeister, Brauerei und Bierzelt.

"Wir brauchen sogar einen Betriebsarzt"

Zehn Leute sind es, die im Neukirchner Festausschuss regelmäßig zusammenkommen. Ganze 35 Mal hat man sich inzwischen getroffen. An alles muss gedacht werden. Es lauern Hürden und Fallen: "Unsere zwei Vereine haben dann eine eigene GbR gegründet, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, damit uns keine steuerlichen Nachteile entstehen", so Gastager. Der Nachteil: Viele neue Versicherungen mussten deswegen abgeschlossen werden. "Und wir brauchen sogar einen Betriebsarzt", schmunzelt der Trachtlervorstand.

Mit bis zu 13.000 Besuchern rechnen die Neukirchner Vereine während der ganzen Festwoche, allein 3000 Personen haben sich jetzt schon fürs Trachtenfest am 11. August angemeldet. Wo gehen all die Leute aufs Klo? Wie viele Ordner braucht es? "Wir haben jetzt 30 Urinale und zehn Sitzklosetts nur für die Männer", so Gastager - hier gibt es Vorschriften vom Landratsamt, genauso wie für die Anzahl von Ordnern und Securitys.

Vorschriften und Auflagen der Behörden

"Allein vom Freistaat kam ein Katalog mit 45 Seiten Vorschriften zu Sicherheit, Jugendschutz und Verkehr", so der Festleiter. Besonders kompliziert war eine Einigung auf Umleitungsstrecken, wenn am Festzug-Sonntag die Straßen in Neukirchen gesperrt sind. Die nächste Vorschrift: Zwei Wochen vor dem Termin muss die Umleitung schon angekündigt werden. "Nur wegen den Verkehrsfragen hatten wir zuletzt fast täglich mit dem Landratsamt zu tun", erzählt Gastager. 

Und wie viele Parkplätze braucht man? Auch die Suche nach einem Bauern, der die Fläche hergibt, war nicht so einfach. Ein Ingenieurbüro entwarf dann den Plan für die richtige Anordnung. 321 Parkplätze kamen dabei heraus, aber natürlich hofft man, dass viele der befreundeten Trachten- und Burschenvereine mit großen Bussen kommen. Auch die 2,7 Kilometer lange Route des Festzugs durchs Dorf muss durchdacht sein, allein wegen der Pferdefuhrwerke. 

Buntes Programm: "Wir müssen fast jeden Tag das Zelt umbauen"

"Gut und einfach hat es dagegen mit unserem Programm-Highlight geklappt", freut sich Gastager und greift zum zweiten Ordner mit Unterlagen: Die Kabarettistin Martina Schwarzmann kommt am 6. August. "Die Karten sind reißend weggegangen. Schon zum Jahresbeginn war es ausverkauft." Aber auch hier viel zu beachten: Während des Programms darf nicht ausgeschenkt werden. Und wegen der Größe des Zelts hat Schwarzmanns Management Bildschirme vorgeschrieben. "Überhaupt müssen wir wegen den verschiedenen Veranstaltungen fast jeden Tag das Zelt umbauen", so Gastager. 

Beim Aufbau des Triumphbogens für den Umzug.

Beispiel: Die Welle1-Party am 8. August. Wegen der Tanzfläche müssen Tische und Bänke wieder raus. Und weil auch 16-Jährige schon hineindürfen, müssen die Neukirchner den Jugendschutz fest im Blick haben: verschiedenfarbige Armbänder, günstige alkoholfreie Getränke, mehr Securitys. "Wir müssen auch einen eigenen Jugendschutzbeauftragen stellen, der für Polizei und Ordner erster Ansprechpartner ist", so Gastager - und vom Lärm- und Brandschutz während der Festwoche war jetzt noch gar nicht die Rede.

Feste organisieren war schon mal einfacher: "Inzwischen grenzwertig"

"Vor 20 Jahren haben wir schon mal ein Trachtler- und Burschengaufest organisiert", erzählt Kurt Gastager, "damals war das noch viel einfacher": weniger Sicherheitsauflagen, weniger Vorschriften, weniger Verträge. "Inzwischen ist das schon grenzwertig. So wenn's weitergeht, werden es sich manche Vereine überlegen, ob sie künftig noch so groß feiern wollen." Froh ist Gastager dagegen um die große Hilfsbereitschaft der Mitglieder, der Bevölkerung und der anderen Vereine im Dorf: "Ich werde ständig gefragt, ob wir noch Hilfe brauchen." 

Und wieder läutet Gastagers Handy, Anruf aus dem Werdenfelser Land: Eine der sieben Volksmusikgruppen muss gesundheitsbedingt für den Hoagart am 10. August absagen. Gastager bleibt entspannt: "Da lässt sich schon noch ein Ersatz finden, da denk' ich mir nix." Nach all den Monaten und Jahren Organisation hatte er schon mit größeren Problemen zu kämpfen.

Festwoche in Neukirchen: Das Programm

  • Freitag, 2. August ab 19:30 Uhr: Bieranstich mit der Musikkapelle Neukirchen
  • Samstag, 3. August ab 19:30 Uhr: Gemeinsamer Festabend Auftritte der Trachtenkinder, Aktivengruppe, Goaßlschnalzer und der Blech-Bredl-Blos, Ehrungen von Vereinsmitglieder.
  • Sonntag, 4. August ab 8 Uhr: 55. Burschengaufest und 120-jähriges Gründungsfest des Burschenverein Neukirchen 
  • Dienstag, 6. August ab 20 Uhr: Kabarett mit Martina Schwarzmann. Freie Platzwahl. Ausverkauft, aber Kartenrückläufer eventuell an der Abendkasse.
  • Mittwoch, 7. August ab 20 Uhr: Milchbauernabend mit Hubert Aiwanger, Thema: Wie kann die mittelständische bayerische Milchviehwirtschaft als Garant für die Vitalität der ländlichen Räume erhalten werden?
  • Donnerstag, 8. August ab 20 Uhr: Welle1-Party, Einlass ab 19 Uhr und ab 16 Jahren (Ausweiskontrolle).
  • Freitag, 9. August ab 20 Uhr: Weinfest mit dem Chiemgau-Quintett.
  • Samstag, 10. August ab 20 Uhr: Volksmusik Hoagart mit Wengerboch Musi, Duo Hornsteiner-Kriner, Weiß'ngroana, Leit'n Toni und sei Bua, Rotofenmusi und da See-doi Musi, Eintritt 18 Euro, Einlass ab 18 Uhr.
  • Sonntag, 11. August ab 8 Uhr: Trachtenfest und 100-jähriges Gründungsfest des GTEV D'Schwarzenberger Neukirchen, Auftritte der Trachtenkinder, Aktivengruppe, Goaßlschnalzer. Zur Unterhaltung: Musikkapelle Neukirchen, Festausklang beim Trachtenfest mit den Hallgrafen Musikanten.

xe

Zurück zur Übersicht: Teisendorf

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT