Pressemitteilung Ortsverband Teisendorf Bündnis 90/Die Grünen

Kritisch gegenüber Managementglaubenssätzen

Der stellvertretender Grünen-Ortsvorsitzender Hans Eisenbichler, Grünen-Landratskandidat Dr. Bartl Wimmer, und die Vertreterin im Beirat der Vorstandschaft des Wirtschaftskreis für den Bereich Handel, Lisa Uxa (von links nach rechts) beim Unternehmerstammtisch der Teisendorfer Grünen.

Teisendorf - Grünen-Landratskandidat Dr. Bartl Wimmer sieht klassische Lehrsätze aus Handbüchern für erfolgreiches Managementhandeln kritisch.

Bei einem Unternehmerstammtisch mit dem Wirtschaftskreis Teisendorf erläuterte er diesbezüglich seine Sicht der Dinge. So werde Spitzenmanagern gemeinhin gerne geraten, nach Möglichkeit rund um die Uhr für das jeweilige Unternehmen zu arbeiten und keine familiären Bindungen einzugehen. Er habe dagegen in seinem nunmehr 30-jährigen Berufsleben genau anders herum gehandelt. Er sei fest davon überzeugt, dass erfolgreiche Unternehmensführung auch darauf beruhe, immer wieder abzuschalten und anderen Dingen im Leben Raum zu geben. So ziehe er viel Kraft aus seiner Familie, der Bergsteigerei und auch der Kommunalpolitik. 


Wimmer ist seit 30 Jahren verheiratet, hat vier Kinder und sechs Enkelkinder. Beruflich hatte er nach dem Erlangen des Abiturs nicht vor, Medizin zu studieren. Die Ableistung des Zivildienstes im Rettungsdienst und die Möglichkeit, Menschen in Not zu helfen, habe ihm dann aber diesen Beruf als sehr erstrebenswert erscheinen lassen. Ebenso habe er nicht vorgehabt, Laborarzt zu werden. Diese Richtung habe ihm dann die Politik "diktiert". Nach dem Medizinstudium wollte Wimmer eigentlich Assistenzarzt am Kreiskrankenhaus Berchtesgaden werden. Doch sein erfolgreiches Engagement als Sprecher der Bürgerinitiative gegen Olympische Winterspiele im Berchtesgadener Land verhinderte dies. So wechselte Wimmer ins Laborfach zum Reichenhaller Laborarzt Dr. Rudolf Ende, ebenfalls grünes Mitglied und als Stadt und Kreisrat kommunalpolitisch aktiv. Nach einem Jahr am Klinikum Traunstein wechselte er 1990 nach Augsburg, in ein mittelständisches Labor mit damals ca 70 Mitarbeiter und einem Jahresumsatz von ca 10 Millionen DM . Weil der damalige Chef dieses Labors aber wegen einer Erkrankung den Betrieb nicht mehr führen konnte, wurde er quasi über Nacht Chef dieses Unternehmens. Was vor allem deshalb eine riesige Herausforderung darstellte, weil in unmittelbarer Nähe mit dem bekannten Laborunternehmer Schottdorf Deutschlands damals größtes Laborunternehmen mit rund 260 Millionen Mark Jahresumsatz seinen Sitz hatte.Heute sei sein Unternehmen mit rund 20.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von rund 2 Milliarden Euro und Niederlassungen in 42 Ländern Europas größtes Laborunternehmen. Er habe sich vor eineinhalb Jahren von der Geschäftsführung verabschiedet und könne sich nun neuen Aufgaben widmen, meinte Wimmer augenzwinkernd im Hinblick auf seine Bewerbung als Landratskandidat. 

Aus diesen seinen unternehmerischen Erfahrungen heraus traue er sich das Amt eines Landrates zu. Er glaube, dass es vor allem darum gehe, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Vertrauen entgegenzubringen und ihnen Entscheidungsspielräume zu eröffnen. Diese müssten die Möglichkeit haben, Fehler zu machen. Nur so gebe man ihnen den Mut dazu, Entscheidungen zu treffen. Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Teamfähigkeit. Wimmer ging mit einem weiteren "Managementstandartsatz" kritisch ins Gericht. Er bestritt, dass es beim Teamwork nur "Win-Win"-Situationen oder gar "Triple-Win"-Situationen gebe. In einem Team gebe es immer auch sowohl "Gewinner" als auch "Verlierer". Entscheidend sei aber, ob die Teamleistung unterm Strich positiv sei.Er setze daher statt auf "Kooperation" auf "Kollaboration". Für die Arbeit im Landratsamt bedeute das seiner Ansicht nach, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter klare Vorgaben für die Ziele zu machen, bei der Umsetzung aber größtmögliche Freiheiten einzuräumen. Auch gehe es darum, das Landratsamt in den Köpfen und Herzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Dienstleister für die Bürgerinnen und Bürger zu verankern. "Wie kann ich als einzelner Mitarbeiter unseren Landkreisbürgern weiterhelfen", müsse oberste Maxime sein. Er wurde künftige auch nicht mehr allzu viele neue Konzepte erstellen lassen, die zu oft ohnehin in irgendwelchen Schubladen verschwänden. Machen und Tun wären für ihn wichtige Grundsätze. Den Landkreis sieht Wimmer im großen und ganzen gut aufgestellt. Allerdings wurde er in einigen Bereichen andere Akzente setzen.So fehle beim Tourismus seiner Ansicht nach immer noch die klare Vorgabe der Politik, in welche Richtung sich dieser vor allem für den inneren Landkreis wichtige Bereich weiterentwickeln solle. In der Wirtschaftsförderung würde er versuchen, einen Cluster im Bereich Holz zu bilden. Für die überörtliche Zusammenarbeit hält Wimmer die Euregio für zu unverbindlich. Hier würde er eine Art regionalen Planungsverband mit mehr Verbindlichkeit anstreben. 


Nachdem die Anwesenden Unternehmer mit zahlreichen Fragen und Anregungen ihren Beitrag zu dieser Veranstaltung gegeben hatten, beendete der stellvertretende Grünen-Ortsvorsitzende Hans Eisenbichler die Veranstaltung mit einem Spruch, der zu Gründerzeiten der Grünen gerne von politischen Mitbewerbern verwendet worden war: "Die Grünen bestreiten alles, nur ihren eigenen Lebensunterhalt nicht". Dieser Spruch habe schon zu Gründerzeiten der Grünen nicht gestimmt. Angesichts der vielen erfolgreichen Unternehmer, die sich bei den Grünen engagierten, stimme dieser Spruch heutzutage aber schon gar nicht mehr.

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