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Spielen große Rolle

Jetzt auch auf Freiflächen? Gemeinderat Teisendorf befasst sich mit neuen Fotovoltaikanlagen

Blick auf die Fläche bei Gemachmühle
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Blick auf die Fläche bei Gemachmühle

Bei der Erzeugung von Strom aus regenerativen Energien spielen Fotovoltaikanlagen in der Marktgemeinde eine große Rolle. Bislang wurden sie vor allem auf Dächern angebracht.

Teisendorf - Bei der Erzeugung von Strom aus regenerativen Energien spielen Fotovoltaikanlagen in der Marktgemeinde eine große Rolle. Bislang wurden sie vor allem auf Dächern angebracht. Nun liegen der Gemeinde zwei schriftliche Anträge für Freiflächenanlagen in Schnaitt und Gemachmühle vor. Zwei weitere Anträge in Helming und Holzhausen wurden bereits mündlich angekündigt. Grund genug für den Gemeinderat, sich mit der Thematik näher zu beschäftigen. Neben der Vorstellung der bereits geplanten Anlagen ging es um grundsätzliche Fragen bei der Genehmigung und Umsetzung solcher Anlagen wie das Planungsrecht oder die Festlegung von Entscheidungskriterien für den Rat. 

Im Vorfeld hatte sich bereits der Bau- und Umweltausschuss mit den in Schnaitt und Gemachmühle geplanten Anlagen befasst. Zusammenfassend hatte der Ausschuss festgestellt, dass landwirtschaftlich hochwertige Flächen nicht der Landwirtschaft entzogen und der Stromgewinnung zugeführt werden sollen, ohne damit die Notwendigkeit der Stromerzeugung aus regenerativen Energien in Fragen zu stellen. Die bereits vorhandene Anlage in Neukirchen plus die beiden neu beantragten Anlagen in Schnaitt und Gemachmühle beanspruchen zusammen eine Fläche von circa 23,4 Hektar. 

Die in Schnaitt, Gemarkung Rückstetten geplante Freiflächenfotovoltaikanlage wurde vom Planer Martin Ribesmeier vom Planungsbüro GeoPlan aus Burgkirchen vorgestellt. Der Grundeigentümer Rainer Schnellinger, der die Anlage selbst betreiben will, war ebenfalls in der Sitzung anwesend.  Die circa 3,2 Hektar große Fläche liegt an einem leichten Südhang mit acht Metern Höhenunterschied. Derzeit wird sie teilweise als Grünland und teilweise als Ackerfläche genutzt, der dort angebaute Mais geht seit einigen Jahren in die Biogasanlage in Rückstetten. 

Eine angrenzende Streuobstwiese soll erhalten bleiben. Am nördlichen Grundstücksrand führt eine 20 kV Hochspannungserdleitung vorbei, weitere Grabungen zur Einspeisung werden daher nicht notwendig sein. Im südlichen Teil der Fläche liegt ein großes Waldstück, sodass sie von der viel befahrenen B304 nicht einsehbar ist. Durch die Anpflanzung einer sieben Meter breiten Hecke im Norden der Fläche wird der Sichtschutz auch von der Gemeindeverbindungsstraße her gewährleistet werden. Die untere Naturschutzbehörde hat nach einer ersten Begutachtung die Fläche als grundsätzlich geeignet für eine solche Maßnahme beurteilt, auch weil sie aus einem intensiv genutzten Zustand in einen extensiv genutzten Zustand überführt wird, was der Biodiversität zugutekommt. Die Unterschriften von allen Nachbarn liegen vor. Als Gesamtleistung wurden circa 3.600 KWp angegeben.  

In der anschließenden Diskussion sahen die Gemeinderäte die Anlage positiv, Rat Johann Helminger (CSU) bezeichnete sie als „kommunale Musteranlage“, vor allem auch weil die Fläche im Eigentum des bisherigen Eigentümers und der Firmensitz in der Gemeinde bleibt. Neben anderen Details wollte Gemeinderat Alois Stadler (CSU) wissen, was passiert, wenn die Anlage in 30-40 Jahren nicht mehr genutzt werden kann. Dazu werde im städtbaulichen Vertrag eine Rückbauverpflichtung eingebaut, so Bauamtsleiter Theo Steinbacher. Rätin Ute Hogger (Grüne) wies darauf hin, dass man rechtzeitig den Kontakt zum Regionalwerk Chiemgau-Rupertigau herstellen sollte wegen der Vermarktung. Die Frage nach einem Energeispeicher stellte Rätin Gitti Leitenbacher (CSU). Die Fläche würde es hergeben, allerdings wären die Kosten dafür erheblich, so der Planer. Man werde den Vorschlag aber prüfen. 

Etwas kritischer sahen die Gemeinderäte die Pläne für die Freiflächenfotovoltaikanlage in Gemachmühle. Dort möchte die Firma Greenovative aus Nürnberg einen Solarpark mit Bürgerbeteiligung umsetzen, so Projektplaner Johannes Voll, der aus Nürnberg angereist war. Die Einlagen der einzelnen Teilnehmer sollen zwischen 1.000 und 25.000 Euro. Bei einer Laufzeit von 5 bis 15 Jahren wird ein Zinssatz von drei bis vier Prozent versprochen. Die geplante Fläche bei Gemachmühle, Gemarkung Oberteisendorf ist größtenteils ein landwirtschaftlich wenig nutzbarer Südhang. Er liegt innerhalb benachteiligter Gebiete und außerhalb von Schutzgebieten, so dass eine EEG Förderung möglich ist.

An die circa 5 Hektar große Fläche grenzen landwirtschaftliche Gebäude an, von den circa 300 Meter entfernten Wohngebäuden her ist die Fläche laut Planer Voll nicht einsehbar. Der Netzanschluss ist geklärt und unkompliziert umsetzbar. Es werde keine Flächenversiegelung geben, durch die extensive Nutzung würde die Fläche ökologisch aufgewertet. Als Nennleistung wurden 5.150 kWp genannt. Der dort erzeugte Strom wurde mit rund 5,9 Millionen kWh jährlich angegeben, die CO₂ Einsparung mit 3.713 Tonnen pro Jahr. Die Firma Greenovative würde die Fläche vom Grundstückseigentümer pachten und für das Projekt eine eigene Betreibergesellschaft gründen.

Circa 20 Prozent der Fläche würde als Ausgleichsfläche genutzt. Auf Nachfrage von Gemeinderätin Ute Hogger bestätigte Voll, dass die Nachbarn noch nicht kontaktiert und über das Projekt informiert worden seien. Dies stieß bei allen Gemeinderäten auf Kritik. Gemeinderat Johann Rauscher (SPD) wies darauf hin, dass der Hang, an dem die Anlage installiert werden soll, rutschgefährdet ist. Ohne geologisches Gutachten würde dort nichts gehen. „Wir sind offen für alles“ so die Antwort von Planer Voll. Rat Alois Stadtler wies darauf hin, dass auch hier eine Speicherlösung angestrebt werden muss, damit die produzierte Energie möglichst in der Gemeinde verwendet werden kann. 

Für jede der beiden Anlagen sollen bis zur nächsten Gemeinderatssitzung der Vorhabens- und Erschließungsplan, der Bebauungsplan sowie ein Entwurf zum städtebaulichen Vertrag vorgelegt werden, um den Aufstellungsbeschluß zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan zu erwirken. Noch nicht einig waren sich die Gemeinderäte hinsichtlich Entscheidungskriterien bei Anträgen zu solchen Anlagen. Klar war, dass man jede Anlage im Einzelfall bewerten müsse, immer nach dem Grundsatz: Planungshoheit hat die Gemeinde.  

kon

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