Dramatisch erhöhtes Flüchtlingsaufkommen in der Region

Dramatische Schilderungen eines Flüchtlings

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Samson Barnebas aus Eritrea strahlt - er ist in Teisendorf „angekommen“

Teisendorf - Als Fahnenflüchtiger aus Eritrea, durch Krisengebiete wie den Sudan und über das Mittelmeer: Ein Flüchtling schildert seinen langen Weg in die Freiheit nach Teisendorf.

Eritrea - ein Land, in dem der Mensch als ein willenloses Stück Fleisch betrachtet wird. Aus diesem Land wollen sie weg und nehmen unmenschliche Strapazen auf sich, der Willkür des Diktators Isayas Afewerki, der keinen Widerspruch duldet - seit dem 24. Mai 1993 ist er Staatspräsident und Chef der Übergangsregierung - zu entfliehen. Samson Barnebas, 28 Jahre alt, ist einer der jungen Männer aus diesem Land, der eine Flucht, wie sie täglich über die Fernsehschirme flimmert, am eigenen Leib erleben musste.

Flucht vor menschenverachtenden Zuständen

Flucht aus der Heimat, die man liebt und die man aber verlassen muss, will man nicht einer unmenschlichen Diktatur ausgeliefert sein. Nicht Hunger, Krieg und Zerstörung treiben an, sondern das menschenverachtende System. Um die fünf Prozent der Bevölkerung und ungesicherten Angaben zu Folge wahrscheinlich noch mehr sind inzwischen außer Landes. Das Land schottet sich nach außen hin ab. Das wenige, was man weiß, stammt von Flüchtlingen. Die Zugehörigkeit zur „falschen“ Religion und „falsche“ politische Ansicht endet im Gefängnis und dann meist mit dem Tod.

Nach seiner Schulausbildung - Samson Barnebas besuchte die Highschool und spricht ein gutes Englisch - musste er zum Militär. Diese in Eritrea gängige Praxis handelt in absoluter Willkür und belässt die jungen Männer solange im Militärdienst, wie der Vorgesetzte es will. Das können Jahre, ja sogar Jahrzehnte sein. Eritrea befindet sich in einem dauernden Grenzkrieg mit Äthiopien und braucht diese Männer. Der Militärdienst von Samson dauerte schon von 2003 bis 2011, als er beschloss, zu fliehen. Die mit ihm jetzt in Teisendorf angekommenen jungen Männer haben unabhängig voneinander eine ähnliche Vorgeschichte hinter sich.

Eritrea - das "Nordkorea von Afrika"

Um sich ein Bild über die Zustände in diesem Land zu machen: Eritrea wird gerne als das "Nordkorea" Afrikas bezeichnet, in dem die politischen Zustände das Leben beinahe unerträglich gestalten. Im Mai 2013 stellte die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen - Sheila Keetharuth – in ihrem Bericht schwerwiegende, andauernde Menschrechtsverletzungen wie willkürliche Tötungen und Verhaftungen, erzwungenes Verschwinden-Lassen, Folter, sowie fehlende Meinungs-, Religions- und Versammlungsfreiheit fest. In der von der Pressefreiheitsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ aufgestellten Rangliste nimmt das Land im Jahre 2013 den 179. und damit wiederholt den letzten Platz ein.

Als Fahnenflüchtiger aufgegriffen zu werden bedeutet in Eritrea den sicheren Tod. Es hieß also für die Männer, so schnell wie möglich außer Landes zu kommen. Nach einem 16-stündigen Marsch erreichte Samson Barnebas die Grenze zum Sudan. Im Sudan hielt er sich ein Jahr lang im Grenzgebiet zu Libyen versteckt. Im Sudan entdeckt zu werden, bedeutet meist ein Kidnapping mit Folter, um Daten von Verwandten in Eritrea herauszugeben und diese Verwandten dann um Geld für die Freilassung zu erpressen.

In Libyen hielten ihn Soldaten über ein Jahr fest. Mit 1 200 Dollar erkaufte er sich die Freiheit und gelangte für den Preis von weiteren 3300 Dollar auf ein nicht „seetüchtiges“ Boot, das den Hafen aber deshalb nicht verlassen konnte. Das Geld dafür war verloren. Immer wieder half die in Norwegen lebende Familie seines Vaters finanziell. Mit einem anderen Boot, das er erneut bezahlen musste, ging es über das Mittelmeer und die italienische Marine griff ihn und weitere 310 Flüchtlinge auf ihrer 15 Stunden dauernden Überfahrt über das Mittelmeer auf. Inzwischen verschlang die Flucht bereits 7300 Dollar.

Endlich in Teisendorf angekommen

Das immer wieder benötigte Geld kam mit Hilfe von sogenannten Geldhändlern von Norwegen nach Libyen, eine nicht gerade vertrauenserweckende Abwicklung. Bankgeschäfte, wie Überweisungen nach europäischem Standard, sind nicht möglich. Nach zehntägigem Aufenthalt in Italien ging es mit dem Zug nach München und dort erhielten die jungen Männer und eine nigerianische Familie mit drei kleinen Kindern die Zuweisung in das Haus an der Laufener Straße in Teisendorf.

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