"...dann kannst mit 15 Kühen Servus sagen"

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"Verdienen tut man heute doch auch mit 100 Kühen kein großes Geld mehr. Da sind mir die 15 lieber und ich hab' weniger Arbeit", so Johann Helminger, Landwirt in Pension.
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Teisendorf - Auch wenn der Milchpreis immer wieder schwankte: Die Milchquote hielt ihn halbwegs stabil. Mit dem Ende der Regelung ab April befürchten vor allem kleine Bauern einen rapiden Preisverfall.

Genau 31 Jahre wird es sie schließlich gegeben haben, die sogenannte Milchreferenzmenge - oder einfach: Milchquote. So sollte zum einen die Überproduktion eingebremst, und zum anderen ein Milchpreisverfall verhindert werden. Wer mehr produziert als festgelegt, wird sanktioniert. Doch zum 1. April wird Schluss sein. Die EU-weite Milchquote wird abgeschafft.

"Dann müssen wir aufhören"

Die 15 Milchkühe im Stall bei den Helmingers. Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.

In Oberndorf (Gemeinde Teisendorf) blickt man daher skeptisch in die Zukunft. Dort betreibt Albert Helminger mit Vater Johann auf dem Lohnerhof noch klassische Milchwirtschaft. Der typische bäuerliche Kleinbetrieb. 15 Milchkühe hat man im Stall, auch einige Kälber wachsen heran. "Wenn der Preis wieder fällt, dann wird's bei uns zum Aufhören", schüttelt Johann Helminger den Kopf: "Und der Preis wird fallen."

Für Helminger eine logische Angelegenheit, denn wer mehr liefern kann, könne schließlich auch mehr verdienen. Und wenn mehr Angebot am Markt ist, sinken in aller Regel die Preise. Fast 33 Cent pro Liter kriegen die Helmingers von der Molkerei nach den letzten Verhandlungen der Milcherzeugergemeinschaft: "Es kommt zwar auch auf andere Faktoren wie den Dieselpreis an, aber 33 Cent sind eigentlich auch schon nicht kostendeckend", so Johann Helminger. Sein Vater hielt den Betrieb noch im Vollerwerb, doch seit er übernahm, wird nur noch im Nebenerwerb gearbeitet. Johann war Viehhändler, sein Sohn Albert arbeitet in der Metallindustrie.

Maisanbau als Alternative?

"Für die Bauern rentiert sich dann halt die Milch nicht mehr, dann wird halt noch mehr Mais angebaut", so Johann Helmingers Fazit: "Wenn die wollen, dass jemand die Landschaft pflegt, genau das machen wir nämlich, und dabei nicht alles ,vermaist' wird, müssten wir preislich mehr unterstützt werden." 42 Cent pro Liter Milch wäre ein Preis, bei dem wirklich kostendeckend gewirtschaftet werden könnte. Aber nicht so. "Da kannst mit deinen 15 Kühen dann Servus sagen."

Eine Nummer größer als viele in der direkten Umgebung: Der Stall von Hias Wolfgruber in Offenwang. Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.

Wenige hundert Meter weiter, im Weiler Offenwang, gibt es noch einen, für den Weiden und Kühe ein Vollzeitjob sind. Hias Wolfgruber ist 50 Jahre alt und steht seit er 15 ist jeden Tag um 5 Uhr auf, wie er sagt. Er hat immerhin 45 Milchkühe - für die Region wohl einer der größeren Höfe. Doch er musste sich anpassen: "Vor 35 Jahren hatten eigentlich alle Bauern noch gleich viele Kühe, um die 25. Mit der Zeit sind es dann immer weniger Bauern geworden, die dafür tendenziell mehr Kühe hatten." Auch in Offenwang habe sich die Zahl der Bauern fast halbiert.

Die Bauern werden weniger, dafür größer

"Irgendwann braucht man dann vielleicht mal 100 Kühe, dass es sich rentiert", meint Wolfgruber. Ob der Milchpreis ab April fällt? Er traut sich noch kein Urteil zu. Der Markt sei sowieso kaum zu durchschauen. "Wenn man keine Schulden hat, wäre es zu verkraften, wenn der Preis wieder fällt." Aber auch für ihn ist ein Literpreis von etwa 33 Cent schon "eng". Aufstocken will er aber noch nicht: "Vielleicht kriegen die Kühe mehr Auslauf, dann geben sie mehr Milch", überlegt Wolfgruber.

Die Zukunft ist ungewiss für die Bauern, Optimismus sieht anders aus. Langfristig wird man sich nach dem Fall der Milchquote wohl von einem weiteren Idyll verabschieden müssen: Viele kleine Milchbauern, mit wenigen Kühen auf kleinen Höfen - auch in Landstrichen wie dem Rupertiwinkel.

Demnächst lesen Sie hier, wie das Ende der Milchquote von den heimischen Molkereibetrieben eingeschätzt wird.

xe

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