Das sagen die Teisendorfer

Die Ruhe nach dem Lockdown: Ein Stimmungsbild aus Teisendorf

Bild der Teisendorfer Marktstraße
+
Novembermorgen fast menschenleer.

Teisendorf - Es ist ruhig geworden in Teisendorf, der Lockdown hat auch die Marktgemeinde fest im Griff. Reporterin Monika Konnert hat sich vor Ort bei Bürgerinnen und Bürgern umgehört, wie die Stimmung ist.

Es ist ruhig geworden in Teisendorfs Marktstrasse. Dort wo sich an einem normalen Vormittag die Menschen zum Einkaufen tummeln, sieht man jetzt kaum jemanden. Nur vor den Metzgereien und der Apotheke gibt es kurze Schlangen. Der Lockdown hat auch die Marktgemeinde fest im Griff. Und dies bereits seit dem 20. Oktober, als nach dramatisch steigenden Corona-Neuinfektionen das öffentliche Leben im Landkreis heruntergefahren wurde. Dass die Kindergärten wieder geöffnet haben und die Schulen ab nächster Woche auch, wurde mit Erleichterung aufgenommen. Dennoch bleiben bei den Bürgerinnen und Bürgern Unsicherheit, Sorgen und Zweifel. „Hoffentlich geht das mit der Schule gut, sonst haben wir ein Problem“, meinte zum Beispiel Agnes Gahn. Sie muss den Spagat zwischen Kinderbetreuung, Arbeit und Pflege der kranken Mutter täglich bewältigen und kann dazu nichts weniger gebrauchen, als Unsicherheit und dauernd neue Bestimmungen. Dazu kommt, dass ihr Mann als Inhaber eines Party-Service stark von den Einschränkungen betroffen ist. „Kann sein, dass wir die Firma aufgeben müssen, hier gehts an die Existenz“, meint sie.


Kinder, Arbeit und Pflege unter einen Hut zu bringen ist in Corona-Zeiten noch schwerer als sonst, meinte Agnes Gahn.

Verständnis für Situation der Gastronomie


Auch Claudia, Mutter schulpflichtiger Kinder, empfindet die Einschränkungen durch den Lockdown nicht so schlimm, wenn die Kinder in die Schule gehen dürfen. Gleichzeitig kann sie aber gut verstehen, dass die Schließung der Betriebe für die Gastronomie ein Riesenproblem darstellt. „Ich find es sehr schrecklich“, sagt auch Maria Roitner , die in einem Teisendorfer Gastronomiebetrieb arbeitet. „Bei uns im Betrieb war alles in Ordnung, wir hatten ein Hygienekonzept, an das sich alle gehalten haben und trotzdem mussten wir schließen. Jetzt sind die Mitarbeiter arbeitslos, der Betrieb hält sich mit Mitnahmeangeboten über Wasser. Das ist nicht lustig!“ Die Arbeit fehle ihr, auch als Ausgleich zur Pflege ihres kranken Mannes. Sie könne nur hoffen, dass es im Dezember besser wird. 

Ganz anders die Meinung der 15jährigen Schülerin Verena. „Ich finde die Maßnahmen schon richtig“, meint sie. Zwar seien die Schulschließungen schwierig gewesen, aber die Lehrer hätten sich bemüht den Unterricht auf Distanz bestmöglich zu bewältigen, was ganz gut gelungen sei.  

So geht es den Teisendorfer Vereinen

Teisendorf ist bekannt für sein lebendiges Vereinsleben. Corona hat es bereits im Frühjahr zum Erliegen gebracht. Veranstaltungen wurden abgesagt, Feste auf kommendes Jahr verschoben, Proben eingestellt. Dann ein kurzes Erholen und ein Hoffnungschimmer während des Sommers und vor allem nach den Ferien, als man langsam versuchte, die Aktivitäten wieder hochzufahren. Dem hat der allgemeine Lockdown im Landkreis am 20. Oktober ein jähes Ende bereitet. „Turnhalle bis zum 30.11.2020 gesperrt“ heißt es auf der Homepage des TSV Teisendorf. Ende September erst hatte man mit den Übungstunden wieder begonnen, unter Einhaltung eines strengen Hygienekonzeptes, das, so Abteilungsleiter Helmut Thanbichler, „in sehr guter Zusammenarbeit mit der Gemeinde erarbeitet worden war“. Nun trotzdem wieder einen „Stop“ einzulegen, sei nicht schön, aber notwendig, denn es gäbe kaum Sportarten, bei denen nur 2-3 Personen dabei sind. Davon gar nicht begeistert ist unter vielen anderen auch Loni Aschauer, die seit vielen Jahren in einer Turngruppe des TSV mitmacht. „Was mir richtig fehlt, ist der Sport in der Turnhalle“ meint sie im Gespräch mit der Heimatzeitung, „Wir hatten so ein tolles Hygienekonzept und haben uns auch streng daran gehalten, und nun wieder das aus“. Was sie jetzt auch vermisst, ist die Stubnmusi, mit der sie sich einmal wöchentlich zur Probe getroffen hat. Da sich nur Personen aus zwei Haushalten treffen dürfen, sind die Proben erstmal ausgesetzt. Und natürlich würde man auch gern ab und zu mal wieder schön essen gehen, meint sie noch zum Schluß.  

Loni Aschauer fehlt ihre Turngruppe und die Stubnmusi.

Hart getroffen hat es auch die Musikanten. Sie hatten bereits vor dem zweiten Lockdown alle größeren Veranstaltungen, darunter ihr Adventskonzert abgesagt. Jetzt müssen sie auch ihren Jahrtag am kommenden Sonntag „still und leise“ begehen. „Ein Jahramt der Musi ohne Musi ist traurig und hoffentlich einmalig!“ so Vorstand Andreas Huber. Ausdrücklich bedanken möchte er sich bei der Brauerei Wieninger, die angesichts fehlender Einnahmen bei der Teisendorfer Musi die laufenden Unterhaltskosten für die Probenräume in der Alten Post übernimmt. Der Trachtenverein hat bereits beim ersten Lockdown im Frühjahr seine gesamten Aktivitäten eingestellt. Die Anzahl der Teilnehmer und der zu erwartenden Zuschauer hat keine andere Wahl gelassen. Mit dem Lockdown im Oktober sei auch die letzte Hoffnung, das einstudierte Theaterstück doch noch aufführen zu können, zerstoben, so Vorstand Hans Diener. „Wir hätten es uns auch anders gewünscht, aber das Virus macht auch vor Brauchtum und Theater nicht halt.“ Ähnlich ergeht es den allermeisten Vereinen in der Marktgemeinde. Mit dem neuerlichen Lockdown wurden auch die letzten Hoffnungen auf einen besinnlichen Jahresausklang mit den sonst üblichen Adventsfeiern wenn auch in kleinerem Kreise zunichte gemacht.  

Geschäftsinhaber berichten von Umsatzrückgängen

Nicht schließen mussten die Teisendorfer Geschäfte. Allerdings berichten viele Geschäftsinhaber von deutlichen Umsatzrückgängen. Der zweite Lockdown hat das noch verschärft, was mit dem ersten Herunterfahren im Frühjahr begonnen hat. Ein gutes Beispiel dafür ist „Blumen Blattlaus“. „Viele Hochzeiten wurden vom Frühjahr in den Herbst verschoben und jetzt im Herbst wieder abgesagt. Das heißt nicht nur, dass der Blumenabsatz sehr stark zurückgegangen ist, sondern auch, dass hunderte Beratungsstunden im Frühjahr und jetzt auch im Herbst umsonst waren und uns nicht bezahlt werden“, so Inhaberin Sabine Schmelz. „Der Lockdown im Berchtesgadener Land war sehr schlecht kommuniziert, weil die Leute nicht wußten, ob sie überhaupt einkaufen gehen dürfen“, so die Meinung von Birgit Bendner von Spielwaren Bendner oder Annemarie Metzler von Blumen Metzler. „Die Verunsicherung haben wir als Geschäftsleute zu spüren bekommen“.  

„Gott sei Dank dürfen wir diesmal weiter machen“

 „Gott sei Dank dürfen wir diesmal weiter machen“, freut sich dagegen Heidi Schuhbeck, Inhaberin des gleichnamigen Friseursalons. „Die Leute sind froh, dass wir für sie da sind“. Habe am Anfang des Lockdowns im Landkreis noch viel Unsicherheit und Angst geherrscht, zum Beispiel weil Kunden aus dem Landkreis Traunstein nicht wußten, ob sie nach Teisendorf kommen dürfen, so ist inzwischen seit letzter Woche der Terminkalender wieder voll. Natürlich werden die Hygienevorschriften und Dokumentationen strikt eingehalten. 

Abgesagt wurde in Teisendorf der Andreasmarkt. „Wir hätten gerne mit diesem Markt, der seit Jahren ein fester Punkt im voradventlichen Gemeindeleben ist, wieder etwas Normalität einkehren lassen. Wegen der großen Anzahl an Fieranten und der zu erwartendn Besucher hat sich der Marktausschuss zusammen mit dem Wirtschaftskreis schon im September zu einer Absage durchgerungen“, so Bürgermeister Thomas Gasser auf Nachfrage der Heimatzeitung. Das diese Entscheidung richtig war, bezweifelt jetzt niemand mehr. Auch einen Christkindlmarkt wird es in diesem Jahr in Teisendorf nicht geben. Turnusgemäß hätte er diesmal im Pfarrheim von der Bereitschaft Teisendorf des Bayerischen Roten Kreuzes ausgerichtet werden sollen. Wir haben lange überlegt, wie wir es machen sollen, nachdem wir uns schon lange darauf vorbereitet haben“, erzählt Helga Mayer, die für die Organisation verantwortlich ist. „Auch ein Hygienekonzept war festgelegt, die Ausrichtung im Freien wurde auch in Erwägung gezogen“. Mit inKraft treten der neuen Beschränkungen hat man sich dann aber entschlossen, auf die Ausrichtung ganz zu verzichten. 

Monika Konnert

Kommentare