Protest in Teisendorf - Landrat Bernhard Kern vor Ort

Demo gegen Kita- und Schulschließungen: Eltern berichten von der verzweifelten Situation ihrer Kinder

Bild von der Demo in Teisendorf
+
Stiller Protest der Eltern gegen Kita- und Schulschließungen

Teisendorf - Dutzende Eltern haben sich am Samstag zu einer Demo auf dem Teisendorfer Rathausplatz versammelt, um gegen die Schließungen von Schulen und Kitas zu protestieren. Dabei machten sie auch auf die Situation ihrer Kinder aufmerksam. Auch Landrat Bernhard Kern war gekommen, und zeigte großes Verständnis für die Situation.

Etwa fünfzig Erwachsene und Kinder hatten sich bei strahlendem Wetter am späten Samstag morgen auf dem Rathausplatz versammelt, um ihren Protest gegen die neuerliche Schließung von Kinderbetreuungseinrichtungen im Berchtesgadener Land wegen der Überschreitung der Inzidenz von 100 Luft zu machen. Gekommen war auch Landrat Bernhard Kern, der den Unmut der versammelten Mütter, Väter und Großeltern verstehen konnte, dem aber aufgrund der geltenden Verordnungen die Hände gebunden sind. Zumindest sei die neuerliche Öffnung ab Montag wieder ein Lichtblick, so Kern, ob das aber anhalten werde, bleibt ungewiss. Mit seinem Verhalten könne jeder dazu beitragen, dass sich die Situation verbessert, er könne nur an die Vernunft aller appellieren, sonst wird die Situation unbefriedigend bleiben. 

Etwas 50 Kinder und Erwachsene hatten sich zu Demonstration eingefunden.

Situation kaum verkraftbar

Dieses Hin und Her, öffnen und schließen, ist für Eltern und Kinder kaum verkraftbar. „Die Kinder akzeptieren alles, was wir Eltern sagen, sie vertrauen uns. Sie können es aber nicht verstehen und sind dadurch schrecklich verunsichert, das macht mir große Sorgen“ so Maria Sickinger, Mutter von drei Kindern, die den stillen Protest am Rathausplatz zusammen mit ihrer Freundin Maria Kern über WhatsApp organisiert hat. Auch Maria Kern hat ein Kind im Kindergarten, das unter dem Hin und Her leidet. Im Herbst soll es in die Schule. „Wir haben schon jetzt Angst, wie das mit dem Schulanfang sein wird“, ergänzt sie. „Kinder brauchen Kinder“ steht auf dem Plakat, dass Shaara Mae G. in die Höhe hält. Sie ist mit ihrer Schwiegermutter gekommen. Die Sorgen der „besorgten Oma“ gelten ihrer Enkelin, einem lieben Mädchen, dass gerne in den Kindergarten geht, jetzt aber zunehmend in ihrem Verhalten auffällig wird, weil sie mit der Situation nicht klar kommt. Die Beispiele könnten fortgesetzt werden, die Sorgen sind ähnlich. Verunsicherte Kinder, Eltern die nicht planen können und sich immer schwerer tun, ihren Kindern, zu erklären warum das so ist, das man heute daheimbleiben und morgen wieder in den Kindergarten soll. Das kann auch die stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende vom Kindergarten St. Andreas Stephanie Lankes bestätigen, die auch zu der Protestaktion gekommen ist und erklärt, dass der Teisendorfer Kindergarten voll hinter dieser Aktion steht. Für die Organisatorin Maria Sickinger war es auch wichtig zu betonen, dass niemand ein schlechtes Gewissen zu haben braucht, wenn er sein Kind in die Notbetreuung bringt. Auch in diesem Punkt seien die Eltern verunsichert, ob sie überhaupt dazu berechtigt seien.  

„Grundschulen müssen geöffnet bleiben“

Der Protestaktion haben sich auch die Elternbeiratsvorsitzenden der Grundschulen Teisendorf und Weildorf, Nadine Diener-Eglseer, sowie Neukirchen, Sabine Di Sciullo, angeschlossen, denn auch die Grundschüler kommen mit dem ganzen Hin und Her nicht klar. „Die Grundschulen müssen geöffnet bleiben. Viele Eltern kontaktieren uns und sind verzweifelt wegen dieser Situation. Heute auf, morgen zu, das geht einfach nicht“, so die beiden Elternvertreterinnen. Einen anderen Aspekt brachten zwei Mütter ins Spiel, deren Kinder in Traunstein zur Schule gehen. Sie fürchten, dass wieder eine Situation eintritt wie im Oktober vorigen Jahres, als Schüler aus dem Landkreis Berchtesgadener Land wegen zu hoher Inzidenzen nicht nach Traunstein zum Unterricht durften. „Das war für unseren Sohn das Schlimmste, weil nicht alle Schüler einer Klassen gleich behandelt wurden“ so Monika M. , „das darf nicht wieder passieren“. 

Das sagt Landrat Kern

„Was können wir als Elternbeiräte unternehmen, um die Situation zu ändern und wieder zu einem Regelunterricht ohne Unterbrechungen zurückzukehren?“, wollte Nadine Diener-Eglseer von Landrat Kern wissen. „Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation“, so dessen Antwort. Man müsse den Menschen erklären, dass noch immer Abstand halten das Gebot der Stunde sei, um die Viruskette zu unterbrechen. „Natürlich ists lauschig, wenn man irgendwo zusammen feiern kann, das möchten wir alle, aber zuletzt leiden alle darunter, wenn die Infektionszahlen wieder steigen. Betroffen ist dann nicht nur Teisendorf, sondern der ganze Landkreis“, so Kern. Denn nur wenn die Inzidenzen landkreisweit stabil unter 100 liegen, gäbe es eine Chance auf eine Rückkehr zur Normalität. Deshalb würde man im Landkreis auch soviel testen, und bemühe sich für die Schulen und Kindergärten ein Testsystem zu etablieren, das von den Eltern akzeptiert wird, um einer Verbreitung des Virus vorzubeugen. 

Dramatischer Appell

Auch wenn ab nächste Woche die Kinderbetreuungseinrichtungen und Grundschulen im Landkreis wieder öffnen dürfen, weil der Wert mittlerweile wieder unter hundert ist, bleibt doch die Sorge, wie lange das anhält. „Wir appellieren an alle, sich vernünftig zu verhalten, damit nicht unsere Kinder die Leidtragenden sind“, so die eindringliche Botschaft der anwesenden Elternbeiratsvorsitzenden. Er baue weiterhin fest auf die Eigenverantwortung jedes Einzelnen, ergänzte der Landrat. Auf eine Prognose, wie es weitergehen werde in seinem Landkreis, ließ er sich nicht ein. Das könne niemand wissen.  

Kon

Kommentare