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„Haben aus dem Hochwasser im Vorjahr gelernt“

Bilanz nach Starkregen für den Hochwasserschutz in Teisendorf

Die Sandsäcke, die den Feldweg abgesperrt hatten, wurden von freiwillligen Helfern am aufgeräumt.
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Die Sandsäcke, die den Feldweg abgesperrt hatten, wurden von freiwillligen Helfern am aufgeräumt.

Die Flut aus dem Vorjahr liegt knapp ein Jahr zurück. Am 4. August 2020 hatte ein Jahrhundertstarkregen über Nacht kleine Bäche und die Sur in reißende Flüsse verwandelt, Teile von Teisendorf überschwemmt, die Gemeinde vorübergehend von der Außenwelt abgeschnitten und große Schäden angerichtet. Nach dem kürzlichen Starkregen zieht die Gemeinde Bilanz.

Teisendorf - Dass es bei dem Starkregen am vergangenen Wochenende für Teisendorf recht glimpflich abgegangen ist, lag nicht nur an der Wetterlage, sondern vor allem auch daran, dass Gemeinde und Feuerwehr besser vorbereitet waren und punktgenau reagieren konnten. Im Gespräch mit der Heimatzeitung haben Bürgermeister Thomas Gasser und der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Teisendorf Peter Hofhammer eine erste Analyse des Einsatzes und der Situation im Gemeindegebiet vorgenommen und über weitere Verbesserungen im Hochwasserschutz der Marktgemeinde nachgedacht. 

Da wäre zum einen das Organisatorische. Als sich am Freitag die Vorhersagen auf massiven Starkregen am Alpenrand verdichteten, wurde der Bauhof in Bereitschaft versetzt und Bauhofleiter Franz Dumberger beauftragt, dass sich seine Einrichtung mit der Feuerwehr n ihrem Vorgehen eng abstimmen und zusammenarbeiten sollen. So wollte man Doppelaktionen vermeiden und die Effizienz der Einsätze erhöhen. Die Fahrzeuge des Bauhofs, wie Lader oder Kipper, kamen an neuralgischen Punkten zum Einsatz, die die Feuerwehr ausgemacht hatte. Eine große Hilfe in der Lenkung der Einsatzkräfte war das erst vor Kurzem beschaffte Einsatzleiterfahrzeug der Feuerwehr, mit dem die Orte von der Einsatzleitung angefahren werden konnten, ohne das Rettungsfahrzeuge oder schweres Gerät blockiert werden mussten.

Neben dem Kommandanten ist auch Bürgermeister Thomas Gasser, der seinen Urlaub unterbrochen hat, mitgefahren. Ein Vertreter des Ordnungsamtes der Gemeinde war im Feuerwehrhaus als Ansprechpartner vor Ort. Bereits am Freitag hatte 2. Bürgermeisterin Sabrina Stutz, als Stellvertreterin des in Urlaub weilenden 1. Bürgermeisters, bei der Feuerwehr nachgefragt, ob sie Unterstützung von der Gemeinde brauche. Besonders kritisch sei die Situation am Sonntagabend geworden, so Bürgermeister Gasser, als der Freidlinger Mühlbach, im weiteren Verlauf als Rattenbach bekannt, zwischen Freidlinger Strasse und Kreisverkehr fast zum Überlaufen kam.

„Ohne die schnelle Reaktion der Einsatzkräfte, die das Ufer an einer passenden Stelle mit einem Bagger geöffnet haben, so dass sich das Wasser in die Wiese entleeren konnte, wäre es wieder zur Überschwemmung der Häuser im Stettener Weg gekommen“, so Bürgermeister Gasser. Auch der dreißig Meter lange Wall aus Sandsäcken, der von der Feuerwehr auf dem Feldweg errichtet worden war, hat verhindert, dass das Wasser Richtung Ortschaft gelaufen ist und dort Häuser überflutete. 

„Aus der Katastrophe des Vorjahres gelernt“

„Wir haben aus der Katastrophe des Vorjahres gelernt“, so Feuerwehrkommandant Peter Hofhammer. „bei mehreren Besprechungen nach August 2020 haben wir uns darauf eingestellt, wie wir bei Hochwasser handeln müssen. Wir kannten die neuralgischen Stellen im Gemeindegebiet, hatten sie von Beginn an durch Feuerwehrmänner vor Ort im Blick und konnten schnell handeln, wenn es kritisch wurde.“ Neben dem bereits erwähnten Rattenbach, nennt Hofhammer noch das Wehr an der Sur beim Schnappinger, das verklaust war und wo man unterstützt durch einen einheimischen Betrieb mit dem Bagger Stämme entfernt hat, damit das Wasser der Sur sich nicht staut. Oder in Punschern, wo man nach der Meldung „Sur steigt an“ eine mobile Hochwasserschutzwand montiert hat, so dass alle Häuser trocken blieben.

Auch im Streiblweg wurde eine solche Wand errichtet, auch hier hat sie gut gehalten. Hier hat auch das Öffnen des Gitters im Abflusskanal in die Verrohrung beim Eingang zum Schwimmbad geholfen, dass das Wasser aus dem Entwässerungskanal besser abgeflossen ist. Nach dem Wasser im letzten Jahr war dieses mobile Gitter eingebaut worden, jetzt hat es sich bewährt. In den beiden Kreisverkehren in Teisendorf West hatten die Mitarbeiter des Bauhofs, als die Regenwarnung stand, die Fangkörbe aus den Gullys entfernt, damit das Wasser besser ablaufen kann. Auch dies aufgrund der Erfahrungen aus dem letzten Jahr, ergänzt Hofhammer.

Vorsorge bewahrte die Gemeinde vor Schlimmerem

Vieles war nur möglich, weil die Gemeinde und die Feuerwehr vorgesorgt haben. Im vorigen Jahr sind 25 Paletten mit Sandsäcken beschafft worden, die sehr hilfreich waren. Damit sie schnell zur Stelle sind, werden sie von der Feuerwehr nahe besonders neuralgische Punkte eingelagert. Die Feuerwehr bittet um Verständnis, dass sie keine Sandsäcke an einzelne Bürger ausgeben kann. Sie müssen dort verwendet werden, wo für die Gemeinde die größte Gefahr besteht. Auch die neu angeschafften zusammensteckbaren mobilen Wasserschutzwände haben sich an mehreren Stellen bewährt und das Wasser gut abgehalten. Rund 27.000 Euro hat die Gemeinde dafür im letzten Jahr investiert. Auch die Stromaggregate, die für jede Feuerwehr in der Marktgemeinde beschafft wurden, sind in solchen Extremsituationen wichtig.

„Das ist alles gut angelegtes Geld für den Hochwasserschutz“ so Bürgermeister Thomas Gasser. Noch ist Kommandant Peter Hofhammer aber nicht ganz zufrieden. „Auch wenn vieles diesmal besser gelaufen ist, müssen wir die Ausrüstung für den Hochwasserschutz für alle Freiwilligen Feuerwehren im Gemeindegebiet weiter optimieren“ meint er, und denkt dabei unter anderem an leistungsfähigere Pumpen, die vor allem mit Schlamm besser umgehen können, an weitere Gitterboxen zum Lagern und Trocknen der Sandsäcke oder an Rollwägen zum leichteren Transport der Ausrüstung. 

Sorgvoller Blick auf Sturzflutmanagement: „Wir haben aber nicht so viel Zeit“

Wo es für den Bürgermeister nicht schnell genug weitergeht, ist das Sturzflutmanagement für die Gemeinde, das man nach dem Hochwasser im Vorjahr angegangen ist. „Es ist zu begrüßen, dass der Freistaat die Erstellung fördert und dass der Förderbescheid endlich vorliegt “, so Gasser. Die Ausschreibungsunterlagen, an denen die Gemeindeverwaltung jetzt arbeitet, sind aber extrem kompliziert und verlangen viel Zeit. „Wir haben aber nicht so viel Zeit“, meint das Gemeindeoberhaupt, „denn die Starkregenereignisse kommen immer häufiger. Man sieht an diesem Beispiel: Katastrophen und Bürokratie passen nicht zusammen, das muss alles einfacher und schneller gehen“, so Gasser. 

Auch bei der Umsetzung des Hochwasserschutzes in Karlsbach verzögert sich die Umsetzung. „Da ist die Planung unsererseits sehr weit fortgeschritten“, so Gasser,“allerdings wurden auf Wunsch der Anlieger noch weitere Varianten geprüft“. Diese Prüfung ist jetzt abgeschlossen, das Ergebnis soll in einer Anwohnerversammlung vorgestellt werden. Hoffentlich kann danach mit der Umsetzung endlich begonnen werden, denn das nächste Hochwasser kommt bestimmt wieder, hoffentlich nicht zu bald.

kon

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