"Lieber einen Schritt vorwärts...."

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Sie sind die führenden Köpfe der BRK-Wasserwacht Tengling-Törring: Sepp Huber (links) als Ortsgruppenleiter und Tom Hilscher, der seit vielen Jahren technischer Leiter ist. Das Rettungsboot „Rudi“ der Wasserwacht ist optimal für den See geeignet, denn es besitzt neben einem Sonargerät eine hydraulische Bugklappe, die zur Bergung von Personen ausgefahren wird.

Taching - Der ruhige Sommer bietet viel Zeit für die Retter der Wasserwacht. Mit intensiven Trainingseinheiten halten sich Alteingesessene und Nachwuchs fit.

Das Gras ist noch feucht und nur wenige Schwimmer sind an diesem frühen Morgen schon im Wasser. Der Mann im Wasser­wachts-Shirt lässt seinen Blick über das leere Tenglinger Strandbad schweifen und macht sich auf den Weg zur Wasserwachtshütte. Für Tom Hilscher beginnt einer der vielen Wachdienste, die er zusammen mit seinen Kollegen den Sommer über am Tachinger See leistet, um ein wachsames Auge auf die Badegäste zu haben. Seit über 50 Jahren ist die Wasserwacht Tengling-Törring des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) eine der wichtigen Rettungsstationen am Tachinger See.

Schon nach kurzer Zeit strömen die Badegäste ins Tenglinger Strandbad und die Wiesen ver­wandeln sich in einen bunten Teppich voller Handtücher, Sonnenliegen und Schirmen. Am Sandstrand spielen kleine Kinder, während die Schwimmer draußen im See ihre Bahnen ziehen und das warme Wasser des Tachinger Sees genießen.

Neben Tom Hilscher, der seit vielen Jahren auch technischer Leiter der Wasserwacht Tengling-Törring ist, haben inzwischen mehrere Wasser­wachtler ihren Dienst aufgenommen. Neben dem Wachleiter gibt es einen Bootsführer, mehrere Helfer und Jugendliche, die zur Wachgruppe an diesem Tag gehören.

Während der ersten Stunde sind viele Routinearbeiten zu erledigen: die Wasserwachts­fahne vor der Hütte wird gehisst, der Wachleiter meldet sich bei der Integrierten Leitstelle in Traunstein an und signalisiert damit, dass er mit seinen Kollegen ab sofort einsatzbereit ist. Anhand einer Checkliste werden unter anderem Wachhütte, Rettungsboot und Notfallkoffer genau inspiziert. Ab jetzt gilt es, den regen Bade­betrieb im Auge zu behalten. „Vor allem die kleineren Kinder beobachten wir sehr genau“, betont Tom Hilscher, „denn da kann schnell was passieren.“

Ein ruhiger Sommer

Bis jetzt war es für die Aktiven der Wasserwacht Tengling-Törring ein ruhiger Sommer. „Das lag vor allem am gemischten Wetter“, berichtet Tom Hilscher, „denn wir haben heuer nur etwa zwei Drittel der Wachdienste geleistet.“ In Absprache mit der Gemeinde bleibt die Wasserwachshütte unbesetzt, wenn kein Badebetrieb herrscht. Vor wenigen Tagen hatte Tom Hilscher mit seiner Wachgruppe den letzten Einsatz: Zwei Schwimmer auf Surfbrettern baten darum, an Land gezogen zu werden, da ein Gewitter aufzog.

Den letzten großen Einsatz gab es vor zwei Jahren, als ein vermisster Badegast nach vielen Stunden Suche nur noch tot aus dem Wasser geborgen werden konnte. „Es war ein heißer Sommertag“, erinnert sich Hilscher, „mit etwa 3000 Badegästen hier im Strandbad. Es war ein Großaufgebot von über 150 Rettungskräften.“ Mit dabei waren Taucher und Spezialboote mit Sonargeräten.

Glücklicherweise sind solche Notfälle für die Wasserwachtler selten. An die 200 Mal leisten die Aktiven Erste Hilfe bei Badegästen oder verletzten Radfahrern am Ufer des Tachinger Sees innerhalb einer Saison. Ein fester Termin im Kalender ist Anfang August das jährliche Volksschwimmen von Tengling nach Taching, das die Wasserwacht mit vielen Begleitbooten der umliegenden Stationen überwacht – in diesem Jahr waren 155 Schwimmer am Start.

Gründung vor 54 Jahren

Vor 54 Jahren gründete sich die Wasserwacht Tengling-Törring mit Max Poschner als Orts­gruppenleiter – damals war es die 100. Wasser­wachts-Ortsgruppe in Oberbayern. Stolze 85 Mitglieder und ein kleines Motorboot waren die Anfänge der heutigen Wasserwacht. Schon damals legten die Verantwortlichen viel Wert auf verschiedene Ausbildungen, wie Schwimm­abzeichen, Rettungsschwimmer und Sanitäts­kurse. Die erste Wasserwachtshütte war ein ehe­maliges Badehaus, in der die Wasserwachtler ihre Wachstation einrichteten und das Rettungs­boot unterbrachten. 1975 entstand mit Hilfe vieler Mitglieder die heutige Wachhütte mit Boots­haus, dessen Holz mehrere Tenglinger Bauern spendeten.

Sepp Huber ist mittlerweile der fünfte Ortsgruppenleiter der Wasserwacht. Er löste vor vier Jahren Markus Danzl ab, der die Führung nach 15 Jahren in andere Hände legen wollte. „Mir war es wichtig, unsere Wasserwacht weiterzuentwickeln“, erzählt Huber, der bereits seit über 25 Jahren Wasserwachtsmitglied ist, „deshalb stellte ich mich zur Wahl.“ Mit Tom Hilscher verbindet ihn eine Jugendfreundschaft und mit ihm hat er einen führenden Kopf an seiner Seite. Tom Hilscher ist seit 19 Jahren technischer Leiter, „weil mich alles interessiert was Technik ist und ich gerne bastel und baue.“

Beide legen viel Wert auf Ausbildung, was verschiedene Zahlen belegen: Allein über 25 ausgebildete Wasserretter verfügt die Tenglinger Ortsgruppe. Zudem haben unter anderem 17 Bootsführer, vier „Leiter für die Schnelle Einsatz­gruppe“ und ein „Einsatzleiter Wasserrettung“ erfolgreich ihre Prüfungen bestanden und können im Notfall bei größeren Einsätzen Ver­ant­wortung übernehmen. Zwar ist für Sepp Huber eine ernsthafte Ausbildung seiner Mann­schaft wichtig, „aber bei allem darf die Kamerad­schaft nicht zu kurz kommen.“

Intensive Nachwuchsarbeit

Dies gilt auch für den Nachwuchs: 46 Mitglieder zählt die Wasserwachts-Jugend zwischen 10 und 27 Jahren. „Sie werden von Anfang an Schritt für Schritt in alle Ausbildungsbereiche der Wasserwacht herangeführt“, schildert Sepp Huber die Nachwuchsarbeit. „Es funktioniert gut, auch wenn alle zunächst vor allem Boot fahren wollen,“ schmunzelt er. Auch bei den sieben Wachgruppen, die sich den Dienst zwischen Mai und September teilen, sind immer zwei Jugendliche dabei. Für Sepp Huber ist die Nach­wuchsarbeit sehr wichtig, denn „wir brauchen viele Aktive, um wirklich einsatzbereit zu sein. Mit zwei Mann können wir keine Wasserwacht betreiben.“ Tom Hilscher ergänzt diesen Gedanken: „Lieber hier immer einen Schritt vorwärts gehen, als einen zurück.“

Auch die Zukunftspläne sind von diesem Grund­satz geprägt: Demnächst soll eine mobile Schnelle Einsatzgruppe – kurz SEG - am Tachinger und Waginger See gegründet werden. Diese Sondereinheit hält sich für größere Einsatze oder Katastrophen bereit und ist unter anderem mit Tauchern und Schnellboot ausgerüstet. Diese Einsatzgruppe ergänzt dann die bereits bestehende SEG in Obing und steht für den nordöstlichen Bereich des Landkreises bereit. „Dies ist für uns eine Herausforderung“, so Huber, „denn die SEG erfordert mehr Einsatz von Aktiven, eine intensive Ausbildung und mehr Ausrüstung und Material, das gepflegt und gewartet werden muss.“ Außerdem ist der Bau einer Garage für das Einsatzfahrzeug geplant und viele Förderanträge sind auszufüllen. Doch wer Sepp Huber und Tom Hilscher kennt, weiß, dass die beiden auch diese Aufgabe erfolgreich in Angriff nehmen werden....

Pressemitteilung Bayerisches Rotes Kreuz/Kreisverband Traunstein

Quelle: chiemgau24.de

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