Oberstes Ziel: Energieeinsparung

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Von links: Bezirksrat Georg Wetzelsperger, Moderator Dr. Wolfgang Krämer, Landrat Georg Grabner, CSU-Kreisvorsitzende Michaela Kaniber, Umweltminister Dr. Marcel Huber, MdL Roland Richter, CSU-Ortsvorsitzender Bernhard Kern und Bürgermeister Ludwig Nutz.

Surheim - Eine vielbeachtete Rede zur schnellen Umsetzung der Energiewende hielt der Bayerische Umweltminister Dr. Marcel Huber im vollbesetzten Saal des Gasthauses Lederer in Surheim.

Sein Fazit war, den Umstieg auf regenerative Energien so schnell wie es technisch, wirtschaftlich und finanziell machbar ist zu vollziehen. Gleichzeitig forderte Huber jedoch ein Umdenken beim Energieverbrauch ein. Es ist gerade auch in Bayern wie auch im Berchtesgadener Land ein riesiges Potential zur Energieeinsparung vorhanden, welches man nutzen muss, denn die Energie muss bezahlbar bleiben, das ist für den Privatmann genauso wichtig wie für die Wirtschaft.

Die CSU-Kreisvorsitzende Michaela Kaniber begrüßte Dr. Marcel Huber und dankte ihm, dem „Herrn der Wasserkraftwerke“ wie er von der Welt am Sonntag bezeichnet wurde, dass er in Surheim im Landkreis Berchtesgadener Land Stellung bezieht zur Energiewende, wie sie umgesetzt werden soll und welche Ziele im Hinblick auf die Wasserkraftnutzung sich die Bayerische Staatsregierung gesetzt hat.  

Der Gruß der Kreisvorsitzenden galt auch Landrat Georg Grabner, dem Stimmkreisabgeordneten MdL Roland Richter, den vielen Bürgermeistern aus der Region, dem JU-Kreisvorsitzenden Maximilian Lederer, Bezirksrat Georg Wetzelsperger und dem Hausherrn Bürgermeister Ludwig Nutz von der Gemeinde Saaldorf-Surheim, sowie ‚Robert Wührer von der Österreichisch-Bayerischen Kraftwerksunion. Kaniber führte aus, dass die Energiewende nur zusammen mit den Bürgern und nicht gegen sie umgesetzt werden kann. Deshalb hat sie zu der Veranstaltung auch die Naturschutzverbände und ihre Vertreter eingeladen. Es gibt bei jedem größeren Projekt Kritiker, sagte Kaniber, die CSU ist offen für alle Gedanken und konstruktiven Verbesserungen. Michaela Kaniber wird jedoch das Gefühl nicht los, dass genau die, die jahrzehntelang den Atomausstieg herbeisehnten sich jetzt auf die Seite derer stellen, die aus ideologischen Gründen gegen jede Projektierung und Möglichkeiten zur Gewinnung regenerativer Energien sind. Ein „Zurück“ gibt es jedoch nicht, so Kaniber, jede Art von regenerativer Energie ist besser als die Atomkraft. Mit der hier an der Salzach vorhandenen gottgegebenen Wasserkraft kann man die stärkste Ressource regenerativer Energien nutzen und zugleich die Salzach und den Auwald sanieren. Bereits im Jahr 2001 wurde der Beschluss gefasst, den Landkreis bis 2030 energieautark aufzustellen. Der Gedanke ist also nicht neu, sondern lediglich das Tempo des Umstieges auf regenerative Energien wurde erhöht. Schaffen wir den Energiemix ohne unsere Landschaft zu belasten, reicht der Strom für die Bürger, die Industrie, den Mittelstand und bleibt dieser Strom bezahlbar, stellte Kaniber in den Raum. Genau deshalb ist man sehr gespannt auf die Ausführungen des Umweltministers Dr. Marcel Huber.

Die Moderation des Abends übernahm dann der stellvertretende Kreisvorsitzende der CSU Dr. Wolfgang Krämer aus Freilassing. MdL Roland Richter sagte in seinem Grußwort, die Energiewende ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit, die wir gemeinsam meistern müssen.

Weg vom Atom, hin zu regenerativen Energien, das ist die Lösung, denn es kann nicht sein, dass wir in Spitzenzeiten Atomstrom aus Frankreich und der Tschechei importieren müssen. Ein wichtiger Lösungsansatz in unserer Region ist deshalb die Nutzung der Wasserkraft. Er dankte dem Umweltministerium mit Minister Dr. Huber, die ein Hin zu regenerativen Energien vorantreiben. Landrat Georg Grabner sagte, dass mit Umweltminister Huber heute ein Mann unter uns ist, der glaubwürdig ist und nicht auf einem Auge blind und der alle Möglichkeiten der Energiewende genau unter die Lupe nimmt. Marcel Huber ist auch der erste „ganz oben“, der zur Nutzung der Wasserkraft steht. Der Landkreis hat bereits vor vielen Jahren damit begonnen, die eigenen Gebäude energetisch zu sanieren und er hat auch jetzt ein Klimaschutzkonzept zur Energiewende in Auftrag gegeben, in das alle mit einbezogen werden sollen. Es ist eine riesige Aufgabe alle Möglichkeiten auszuloten und zu nutzen, auch die zur Energieeinsparung und heute ist die Auftaktveranstaltung in der Region, mit welcher der Energiewende Schwung gegeben werden soll. Bürgermeister Ludwig Nutz sagte, dass der Versammlungsort Surheim nicht zufällig gewählt wurde. An der Salzach im Bereich der Gemeinde Saaldorf-Surheim brennt es. Die Energiewende wird die Landschaft verändern. Sie muss Vorurteile, Tabus und starres ideologisches Denken überwinden so Nutz. Die Bevölkerung ist sich einig darüber, dass man aus der Atomenergie aussteigen muss, über das „Wie“ herrscht noch große Uneinigkeit. Die Kommunen gehen die Energiewende mit und was ökologische Projekte betrifft, so lassen wir uns gerne den Spiegel vorhalten, so Nutz. Wir sind keine Öko-Raudis, siehe Mittergrabenaktivierung, Umbau der Wehranlagen an der Sur mit Fischaufstiegshilfen und Sohlrampen, deshalb ist es nicht zu verstehen, dass das riesige Energiepotential der Salzach ungenutzt bleiben soll, sagte der Saaldorf-Surheimer Bürgermeister. Wenn der Bund Naturschutz sagt, es gibt keine ökologische Wasserkraft, dann sage ich, Wasserkraft ist die ökologischste aller Alternativenergien. Diese Aussage quittierten die meisten Zuhörer mit großem Beifall. Mit den Maßnahmen an der Unteren Salzach sollen viele Sanierungsziele erreicht werden. Die Eintiefung der Sohle soll verhindert werden, wichtig ist der Hochwasserschutz für die Anwohner, in den Auwäldern muss das Grundwasser angehoben werden um eine Austrocknung der Auen zu verhindern und die Altwässer sollen vernetzt werden, so Ludwig Nutz. Diese Ziele sind auch mit einer energetischen Nutzung der Salzach vereinbar und dabei wird weit weniger ins Ökosystem eingegriffen, als mit weichen Ufern und aufgelösten Sohlrampen. Bei einer solchen Lösung würden über 50 Hektar wertvoller Auwald vernichtet. Daher haben auch über 80 Landwirte gegen das Raumordnungsverfahren Einspruch erhoben. Ziel ist es, in das Raumordnungsverfahren eine Kraftwerklösung an der Salzach mit aufzunehmen. Mit der ÖBK ist auch ein potentieller Betreiber vorhanden, der bereits eine innovative und ökologische Lösung vorgestellt hat. Mit einer Sanierung der Salzach inklusive energetischer Nutzung wird eine Sohlstabilisierung erreicht, ein Hochwasserableitung wäre gewährleistet, der Fluss wird an Auen und Nebengewässer angebunden, die Wasserspiegellager Oberflächen- und Grundwasser werden angehoben, es wird Energie erzeugt und es könnte eine Radwegvernetzung Bayern-Salzburg erfolgen, so Ludwig Nutz. Dieses Projekt, verehrter Herr Staatsminister braucht ihre Unterstützung um die wir sie hier und jetzt bitten, so der Saaldorf-Surheimer Bürgermeister.

Mit Spannung warteten die Besucher dann auf die Rede von Umweltminister Dr. Marcel Huber. Er ist Tierarzt, kommt aus dem Landkreis Mühldorf, war Leiter der Staatskanzlei und ist seit 2011 neuer Umweltminister, stellte ihn der Moderator vor.

Marcel Huber hieß auch die willkommen, die nicht bei der CSU sind. In einer Rückblende sagte er, dass vor 50 Jahren Bayern noch ein armes Land war, von Laptop und Lederhose konnte damals noch keine Rede sein. Im Gegenteil, damals hat man einen Finanzausgleich erhalten, z.B. von Nordrhein-Westfalen. Bayern hat das Geld richtig eingesetzt, man förderte die Bildung, Wissenschaft Forschung, Energie die Industrie und das Gewerbe. Heute ist es umgekehrt. Bayern zahlt Milliarden an andere Bundesländer als Finanzausgleich und die verbraten das Geld, siehe NRW. In der Vergangenheit resultierte die Energieversorgung hauptsächlich aus der Atom- und Wasserkraft, es gab noch keine Solar- und Windenergie. 1986, beim Reaktorunglück in Tschernobyl hat man noch gesagt, das kann bei uns nicht passieren, wir haben kein solches „Graffel“ an AKW`s wie die Ukraine. 2011 hat uns Fukushima eingeholt und uns ist bewusst geworden, dass es Situationen geben kann, die der Mensch nicht mehr im Griff hat. Ein solches Desaster darf es nicht mehr geben, so Huber, deshalb ist die Energiewende mehr als begründet. Der Ausstieg aus der Atomenergie muss schneller erfolgen als ursprünglich geplant, nämlich so schnell wie es wirtschaftlich, technisch und finanziell machbar ist. Drei Ziele nannte der Umweltminister, der Strom muss bezahlbar bleiben, für Privatverbraucher genauso wie für die Wirtschaft. Wegen des Klimawandels muss der CO2-Ausstoss auf unter 6 Tonnen pro Jahr und Bürger gesenkt werden und den Strom müssen wir selbst produzieren, nicht vom Ausland zukaufen, wobei es das Wichtigste überhaupt ist, Energie konsequent einzusparen. Möglichkeiten hierzu gibt es genug , zum Beispiel zum Beispiel im Wohnungsbau (Wärmedämmung usw.), bei den elektrischen Geräten (Standby muss nicht sein) und die Beleuchtungen bei den Geschäften müssen auch nicht Tag und Nacht aktiviert sein. Um zu einer konsequenten Energiewende zu kommen, bedarf es jedoch vieler Voraussetzungen, so der Umweltminister. Beim Netzausbau ist es wichtig, dass diese auf die neue Art der Energiegewinnung eingestellt werden (Photovoltaik, Biomasse, Windenergie), denn unser Netz ist derzeit nicht für eine dezentrale Stromerzeugung ausgelegt. Die Sonne scheint nicht Tag und Nacht und der Wind weht auch nicht immer, deshalb braucht man um die Energielasten aufeinander abstimmen zu können, intelligente Netze, die den Stromüberschuss oder die Unterversorgung ausgleichen können. Marcel Huber sagte, dass hier besonders Gaskraftwerke geeignet sind, sie können schnell herunter und auch wieder hochgefahren werden und der CO2-Ausstoss ist niedriger als bei allen anderen Arten der Energiegewinnung. Biogas muss nicht 24 Stunden gefahren werden, es kann gespeichert werden und nur zu Spitzlastzeiten gefahren werden, was jedoch derzeit aufgrund der momentanen Fördersituation für Betreiber nicht rentabel ist. Deshalb sollte es vom Gesetzgeber her Anreize geben, dies auszugleichen. Als Beispiel nannte Huber die Schönwetterperiode vor mehreren Wochen. Wir haben zuviel Strom produziert und ihn nach Österreich verkauft und nachdem diese Periode vorbei war und wir wieder vermehrt Strom benötigten haben wir ihn wieder zurückgekauft. Das sollte verhindert werden. In Bayern werden derzeit die benötigten Energiekapazitäten geprüft. Zukunftsträchtig ist auch die chemische Energiegewinnung so Marcel Huber. Eine Stromüberschuss kann man elektrolysieren und lange speichern sowie bei Bedarf wieder in Energie umwandeln. Ein Problem dabei ist, dass so etwas großtechnisch noch nicht machbar ist, weil die Infrastruktur hierfür nicht vorhanden ist. Bestens aufgestellt ist man jedoch beim Methan. Es lässt sich wunderbar zwischenlagern und in einer Gasturbine wieder in Strom umwandeln. Huber kann sich durchaus Autos mit Solar- oder Windmethan vorstellen.

In Sachen Windenergie ist Bayern schon auf Grund der Topographie nicht Spitze. Derzeit wird 1 Prozent der Energie durch Windkraftwerke produziert, ein Potential von 10 Prozent wäre vorhanden, so Huber. Dazu benötigt man circa 1500 Windräder. Um herauszufinden, wo solche „Growiane“ (Großwindanlagen) aufgestellt werden können, wurde für ganz Bayern eine Gebietskulisse erstellt und mögliche Standorte auch den Kommunen mitgeteilt. Nur zwei Prozent der Landesfläche in Bayern wären dafür geeignet, für 1500 Anlagen braucht man jedoch nur 0,2 Prozent der Fläche. Interessant sind hier auch Anlagen mit Bürgerbeteiligung. Die Windräder wurden von der Bevölkerung auch besser akzeptiert, wenn man sagen kann, da schau her, das ist mein Strom der hier für mich produziert wird. Das ist Daseinsvorsorge für jeden selbst, was auch für die Solarenergie gilt so Huber. Viele sagen jedoch, Solarenergie ist die teuerste Form der Energiegewinnung, obwohl die Förderung teilweise unter 20 Cent pro Kilowattstunde liegt. Trotzdem ist die Solarenergie ein wesentlicher Teil des Energiemixes. 10 bis 15 Prozent der benötigten Energie im Landkreis BGL könnten durch die Solarenergie abgedeckt werden.

Bei der Biomasse bzw. beim Biogas sind uns Österreich und Südtirol voraus. In Bayern wäre jedoch Potential vorhanden, auch als Zubrot für die Landwirt und das Verfahren ist technologisch gut entwickelt. Großanlagen bei den der Mais z.B. aus 70 bis 100 Kilometern angeliefert wird führen in der Bevölkerung zu wenig Begeisterung, deshalb soll ein Mittelweg gefunden werden und kleine und mittelgroße Anlagen gefördert werden. Eine tolle Sache ist die Tiefengeothermie wie z.B. in Kirchweidach, sagte der Umweltminister. Das Wasser ist so heiß, dass man daraus sogar Strom gewinnen kann. Jedoch ist die Technologie mit Risiken behaftet, da in einer zweiten Röhre das Wasser wieder rückgeführt werden muss und die Kosten für eine solche Anlage mit circa 50 Millionen Euro sehr hoch sind.

Das Thema Wasserkraft auf das alle warteten hatte sich Marcel Huber geschickter weise bis zum Schluss aufgespart. Wasserkraft ist eine Energieform die grundlastfähig und CO2-frei ist, sagte der Minister. Jedoch sind damit auch Eingriffe in die Natur verbunden. Naturschutz und Fischerei haben eine Aversion gegen die Querbauwerke, weil damit nach ihrer Meinung die Fischbestände reduziert werden auch weil sie in die Triebwerke gelangen. Mittlerweile gibt es jedoch ökologisch verträgliche Wasserkraftwerke mit Umgehungsgewässern, Fischtreppen und Aufstiegshilfen und das funktioniert hervorragend, davon hat sich Huber in Regensburg persönlich überzeugen können. Wenn Wasserkraftwerke eine fischverträgliche Ausstattung haben, dann versteht er es nicht, so Huber, dass man gegen die Art der Energieerzeugung sein kann. Die zur Zeit 6000 Querbauwerke in Bayern werden momentan dahingehend überprüft, eine bessere Durchgängigkeit für die Fische zu erhalten. Ökologie ist wichtig, sagte Huber, jedoch ist die Sicherheit für die Menschen die dort leben noch wichtiger. Ein Wasserkraftwerk ist ein sehr guter Hochwasserschutz, ein Sohldurchschlag wird verhindert, was auch für die Festigkeit der ufernahen Bauwerke sehr wichtig ist und man kann gleichzeitig Energie gewinnen. Deshalb geht die Staatsregierung das Thema Wasserkraftwerke jetzt ernsthaft an, es müssen jedoch alle Dinge bewertet und aufeinander abgestimmt werden, was derzeit noch ergebnisoffen ist. Die Salzach könnte ein Musterfluss werden für eine Win-Win-Situation, ökologisch verträglich mit der Möglichkeit zur Energiegewinnung, daran wird gearbeitet sagte der Minister. Viele Menschen auf der Welt leben nicht in einem Wohlstand wie wir, fossile Energien sind endlich und teuer und erhöhen den CO2-Ausstoss, deshalb steigt die Nachfrage nach regenerativen Energie auf der ganzen Welt. Wenn Deutschland mit seiner Hochtechnologie hier einen Durchbruch schafft, ist das eine gewaltige Chance für die gesamte Wirtschaft, deshalb packen wir es an sagte Marcel Huber zum Schluss seiner Rede, die mit großem Beifall aufgenommen wurde. Moderator Dr. Wolfgang Krämer dankte dem Minister für sein mitreißendes, informatives und sachlich fundiertes Referat und er eröffnete die Diskussionsrunde.

Johann Hafner, Nebenerwerbslandwirt aus Reit und Anlieger an der Salzach sagte, es ist fünf vor Zwölf, wenn nichts gemacht wird trocknet die Au aus, das Grundwasser geht verloren und die Salzach hat sich bereits um 8 bis 9 Meter eingetieft. Er plädiert vehement für ein Wasserkraftwerk, denn eine Sohlrampe ist höchstens bis 2,50 Meter hoch, das ist viel zu wenig Wasser für die Au. Zudem gingen bei weichen Ufern und aufgelösten Sohlrampen circa 50 Hektar wertvoller Auwald verloren. Ilse Englmaier vom Aktionsbündnis Lebensraum Salzach dankte dem Minister für die differenzierte Darstellung. Sie monierte, dass es bei der Windenergie „Ausschlussgebiete“ gibt warum nicht auch bei der Nutzung der Wasserkraft. Außerdem ist ihrer Meinung nach die Salzach nicht grundlastfähig. Albert Aschauer aus Teisendorf wies darauf hin, dass in Deutschland 25 Prozent der Lebensmittel weggeworfen werden, das ist viel zu schade und das wäre viel Energie.

Marcel Huber erklärte, dass der Staat derzeit auch Ausschlussgebiete für Flussstrecken definiert, ob hier die Salzach dabei ist, weiß man noch nicht. Es geht jedoch nicht nur um aufstauen oder nicht aufstauen, durch die Austrocknung der Au gehen auch wertvolle FFH-Gebiete verloren, das muss verhindert werden, so der Minister. Bei der Windkraft müssen alle Einzelfaktoren berücksichtigt und alle Vorschläge einer fachlichen Prüfung unterzogen werden. Den Ausführungen von Johann Hafner stimmte der Minister voll zu und auch das von Albert Aschauer angesprochene Thema hat einen ethischen und Werteaspekt, dieses muss angepackt werden so der Minister. Otto Baur betreibt in Traunstein ein Wasserkraftwerk. Er sagte, wir brauchen nicht weniger sondern mehr Wasserkraftwerke, die Salzach hat Potential und sie ist auch grundlastfähig, widersprach Baur Ilse Englmaier. Christoph Thanbichler aus Teisendorf sagte, dass es bei der Windkraft Bürgerbeteiligungsmodelle gibt. Er wollte wissen wie die Risiken für die Bürger minimiert werden können. Horst Leinert aus Taching sagte, dass durch die Bundesgesetzgebung den Photovoltaikbetreibern ein Strich durch die Rechnung gemacht wird. Er wollte wissen, ob die Voraussetzung für solche Anlagen für die Landwirte erleichtern könnte.

Der Minister erklärte, dass derzeit 15 Prozent der Energie in Bayern aus der Wasserkraft gewonnen werden. Eine Potentialanalyse hat ergeben, dass die Wasserkraftnutzung auf 17 Prozent gesteigert werden könnte. Das wären 500 000 Haushalte. Geprüft werden derzeit auch Ertüchtigungsmaßnahmen für vorhandene Wasserkraftwerke und es ist in jedem Einzelfall abzuwägen, ob der ökologische Eingriff bei einem Neubau Sinn macht. Eine Diskussion hierüber sollte auf Augenhöhe mit den Naturschutzverbänden geführt werden. Zum Risiko bei Windkraftanlagen sagte Huber, dass dieses beim Betreiber liegt, der auch den Gewinn macht. Die derzeitige Regelung für Freiflächenphotovoltaikanlagen durch den Bund ist nicht im Sinne der Bayerischen Staatsregierung, sagte Marcel Huber. Derzeit ist jedoch keine Förderung möglich. Geeignete Freiflächen auch entlang der Autobahnen gibt es genug und hier könnte die Photovoltaik auch für die Landwirte bestens genutzt werden. Franz Gschwendner aus Surheim fragte den Minister, ob er wirklich Politiker ist, denn ein so tollen Vortrag hat er schon lange nicht mehr gehört. Er wollte wissen ob es belegbar ist, dass Strom aus dem Ausland nach Deutschland importiert wird. Anton Kettner aus Burghausen versteht es nicht, warum drei verschiedene Kraftwerkstypen die noch nicht ausprobiert wurden ausgerechnet an der Salzach im Gespräch sind, dem letzten auf 60 Kilometer frei fließenden Gebirgsfluss.

Georg Kroiss, Salzachanlieger aus Reit sagte, dass der Minister viel von der Materie versteht. Der Grundwasserspiegel muss gehoben werden, die Fließgeschwindigkeit verringert und der Flächenverbrauch minimiert werden, das geschieht am besten mit einem Kraftwerk an der Salzach, denn die Au kann nicht länger warten.

Bauernobmann Josef König aus Abtsdorf, selbst innovativer Unternehmer plädierte für ein „gscheits“ Kraftwerk an der Salzach mit einer Brücke „wo man auch drüberfahren kann“. Zum Stromimport sagte Marcel Huber, das ist eine schwierige Frage und nicht leicht zu beantworten. Im europäischen Strommarkt ist es jedoch so, dass von manchen Ländern in Spitzenlastzeiten Strom zugekauft werden muss, deshalb wären Pufferspeicher so wichtig um dafür gerüstet zu sein. Zu den Ausführungen von Alfons Kettner sagte der Minister, dass an der Salzach bei einem Kraftwerksbau nur eine bewährte Technik zum Einsatz käme, ausprobiert wird hier nichts. Georg Kroiss hat das Thema richtig erkannt, so der Minister und gerade den betroffenen Anliegern bescheinigte er hohen Sachverstand. Zum Thema einer Brücke konnte der Minister keine Stellung abgeben, da er hierfür nicht zuständig ist, er kennt jedoch den „Kameraden“ König von der Feuerwehr und meinte scherzhaft, er wollte mir schon eine Sandsackfüllanlage verkaufen.

CSU-Ortsvorsitzender Bernhard Kern dankte dem Minister, dass er sich soviel Zeit genommen hat, um auf das Thema Energiewende im Landkreis einzugehen. Mit seinen Ausführungen hat er große Akzeptanz erfahren und man merkte es während der gesamten Rede – dieser Minister will dieses sensible Thema ernsthaft anpacken und zwar mit einem gesunden Menschverstand. Nachdem sich Marcel Huber ins Goldene Buch der Gemeinde Saaldorf-Surheim eingetragen hatte, wurde er mit viel Beifall verabschiedet. Das Bayerische Fernsehen war gleich mit zwei Teams vor Ort. Für die Abendschau wurden Aufnahmen an der Salzach gedreht, wobei Bürgermeister Ludwig Nutz interviewt wurde. Die Veranstaltung mit Marcel Huber ist am 13. Mai um 21.15 Uhr in der Sendung „Faszination Wissen“ zu sehen im Bayerischen Fernsehen.

Pressemitteilung CSU-BGL

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