Salzburg: Mehr Flugbewegungen, weniger Überschreitungen

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Im ersten Halbjahr 2011 gab es 1,4 Prozent mehr Flubewegungen am Flughafen Salzburg.

Freilassing - Die Flugbewegungen am Salzburger Flughafen nehmen zu, die Betriebsüberschreitungen aber ab, so ein Bericht der Verantwortlichen.

Zu ihrer zweiten Sitzung in diesem Jahr ist vergangene Woche die „Kommission zum Schutz gegen Fluglärm und gegen Luftverunreinigung durch Flugzeuge für den Flughafen Salzburg“ zusammengekommen. Bei der Neuwahl des Kommissionsvorsitzenden und des Schriftführers wurden die bisherigen „Amtsinhaber“ Bürgermeister Josef Flatscher als Kommissionsvorsitzender und Ainrings Bürgermeister Hans Eschlberger als sein Stellvertreter sowie Bürgermeister Ludwig Nutz aus Saaldorf-Surheim als Schriftführer und Freilassings zweiter Bürgermeister Karlheinz Knott als Stellvertreter bestätigt.

Mehr Flugbewegungen 2011

Der Flughafen legte seinen Bericht über die Entwicklung im Flugverkehr vor, wonach im Zeitraum Januar bis August 2011 etwas mehr Flugbewegungen (1,4 %) stattfanden als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres, wobei die Flüge im Linien- und Charterverkehr etwas zurückgingen, dafür aber die Flugbewegungen in der Allgemeinen Luftfahrt (privater Flugverkehr) zunahmen. Die Passagierzahlen (1,2 Mio.) stiegen im Zeitraum Januar-August um mehr als 5 % gegenüber dem Vorjahr; die Zunahme war nur im Linienverkehr zu verzeichnen, im Charterverkehr waren die Passagierzahlen rückläufig.

Betriebszeitüberschreitungen gehen zurück

Bis Ende August dieses Jahres waren 16 Betriebszeitenüberschreitungen zu verzeichnen, deutlich weniger als bis Ende August 2010 mit 37 Überschreitungen. Bürgermeister Josef Flatscher sieht hierin eine positiv zu bewertende Tendenz, diese Überschreitungen müssten aber noch weiter zurückgehen. Ein Problem sehe er vor allem im Flugplan, der Landungen um 22.50 Uhr oder 22.55 Uhr aufweise. Hier seien Betriebszeitenüberschreitungen schon „vorprogrammiert“, wie es auch die sechs Überschreitungen im September und Oktober belegen.

Ist ein Süd-An- und Abflug möglich?

Die Flugsicherung Austro Control informierte über die vorgesehenen Anflugverfahren von Süden her, wobei ein Anflug direkt von Süden erfolgen soll. Hierzu müssen technische Vorrichtungen vom Flughafen geschaffen werden, die Flugzeuge müssen entsprechend technisch aufgerüstet und die Piloten intensiv geschult werden. Auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt nicht genau gesagt werden kann, wann und vor allem wie viele Flugzeuge diese Verfahren fliegen können, so fordert die Kommission eine schnellstmögliche Umsetzung der Maßnahmen ein, denn die Richtungsverteilung der An- und Abflüge von Nord zu Süd stehen immer noch in einem schlechten Verhältnis. Der Vorsitzende und der Schutzverband bestätigten zwar, dass inzwischen mehr Starts nach Süden festzustellen seien, dies aber immer noch nicht eine ausreichende Entlastung für die Bevölkerung im Westen und Norden des Flughafens darstelle. „Vor allem die Starts zwischen 6 und 7 Uhr sollten deutlich mehr nach Süden erfolgen. Dies wäre ein Zeichen für ernsthafte Bemühungen“, so Bürgermeister Flatscher.

"Zeichen für ernsthafte Bemühungen", fordert Josef Flatscher vom Salzburger Flughafen.

Seit einiger Zeit wird auch beobachtet, dass Flugzeuge über Stadt- und Ortsteile von Freilassing, Ainring und Saaldorf-Surheim fliegen, die früher so gut wie nicht überflogen wurden. Hier handelt es sich nicht um neue Flugrouten, sondern um Sichtanflüge, wie die Flugsicherung erläuterte.

Der ehemalige Flugkapitän Gebhard Götzinger berichtete aus der Sicht eines Piloten über An- und Abflüge am Flughafen Salzburg: Salzburg sei aufgrund seiner topographischen Lage ein für Piloten „anspruchsvoller“ Flughafen. Starts nach Norden und Landungen von Norden seien generell die für die Piloten der einfachere Weg, aber An-/Abflüge von und nach Süden sind auch Verfahren, die geflogen werden können und dürfen. Der Südanflug kann von Piloten geflogen werden, die eine entsprechende Schulung nachweisen müssen. Zur immer wieder diskutierten Frage, wer bestimmt, in welche Richtung gestartet bzw. gelandet wird, führt Götzinger aus, dass die Flugsicherung dies vorgebe, die letzte Entscheidung aber beim Piloten liege, der dann möglicherweise längere Wartezeiten in Kauf nehmen muss.

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Die auch von der Fluglärmkommission befürwortete Machbarkeitsstudie für neue An- und Abflugverfahren mittels neuester Satellitennavigation ist als Euregio Kleinprojekt genehmigt worden. Partner bei dieser Studie sind die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berchtesgadener Land, der Flughafen Salzburg sowie die Kommunen Freilassing, Ainring und Saaldorf-Surheim. Die Machbarkeitsstudie hat das Ziel,  neutral aufzuzeigen, wie mittel- und langfristig die belastenden An- und Abflugverfahren durch neue Satelliten-Technologien lärmreduzierend und umweltschonend verbessert werden können.

"Es bewegt sich was"

Bürgermeister Flatscher zog als Resümee aus der Kommissionssitzung: „Es ist vieles in Bewegung gekommen. Manch einem geht es vielleicht nicht schnell genug, aber manche Dinge lassen sich nicht so schnell regeln, wie es sich der einzelne wünscht oder vorstellt. Nur - so weit wie jetzt, waren wir noch nie: Das deutsche und das österreichische Verkehrsministerium verhandeln miteinander konkret über Entlastungen der bayerischen Kommunen vom Flugverkehr. Hier spielt sicherlich Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer eine wichtige Rolle. Aber auch die kontinuierliche Arbeit der Fluglärmkommission, der Kommunen Freilassing, Ainring und Saaldorf-Surheim sowie des Schutzverbandes Rupertiwinkel haben das ihre dazu beigetragen. Und ich betone immer wieder: Es geht nicht darum, den Süden von Salzburg zu belasten, sondern den Norden und Westen von Salzburg und damit die bayerischen Kommunen zu entlasten. Der Flughafenbetreiber hat es selbst in der Hand, die gesamte Bevölkerung durch entsprechende Regelungen wie Deckelungen vom Flugverkehr zu entlasten.“

Die Kommission zum Schutz gegen Fluglärm und gegen Luftverunreinigung durch Flugzeuge für den Flughafen Salzburg wird vom Bayerischen Verkehrsministerium berufen und berät das Ministerium in Sachen Fluglärm. In der Kommission sind unter anderem die drei bayerischen Anliegergemeinden Freilassing, Ainring und Saaldorf-Surheim vertreten, die bayerischen Ministerien für Umwelt bzw. für Verkehr, die Regierung von Oberbayern, die Deutsche Flugsicherung und die Bundesvereinigung gegen Fluglärm, letztere vertreten durch den Schutzverband Rupertiwinkel. Von österreichischer Seite sind das österreichische Verkehrsministerium, der Flughafen und eine Fluggesellschaft in der Kommission. Die Stadt Freilassing ist in der Kommission vertreten durch Bürgermeister Josef Flatscher, der auch den Kommissionsvorsitz führt, und seinen Stellvertreter Karlheinz Knott; ihre Stellvertreter sind Elisabeth Hagenauer und Helmut Fürle. Vom Schutzverband Rupertiwinkel nehmen Bettina Oestreich-Grau und Prof. Horst Clausen an den Sitzungen teil.

Pressemitteilung Stadt Freilassing

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