Eltern protestieren gegen Schulschließung

Bürgerinitiative „Eltern stehen auf” ruft in Saaldorf rund 50 Mütter und Väter auf den Plan

Eltern am Donnerstagabend vor der Saaldorfer Schule
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Eltern aus dem ganzen Gemeindegebiet kamen erstmals am Donnerstagabend vor die Saaldorfer Schule zu einem „Stillen Protest”. Sie setzen sich dafür ein, dass die Kinder wieder die Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen besuchen dürfen und kündigten weitere tägliche Proteste an.

Saaldorf-Surheim - Corona macht möglich, was sich in diesem Land noch vor einem dreiviertel Jahr keiner hätte vorstellen könne: Eltern kämpfen für das Recht, dass die Kinder in die Schule gehen dürfen.

Zum Stillen Protest mit Laternen und Fackeln, Masken und bei Sicherheitsabstand versammelten sich am Donnerstag von 19.45 Uhr bis 20 Uhr rund 50 Eltern aus dem ganzen Gemeindegebiet vor der Schule in Saaldorf. Sie setzen sich für die Öffnung der Schulen und Kindertageseinrichtungen sowie gegen die dauerhafte Maskenpflicht dort für die Kinder ein. Sie kündigten an, dass dieser Protest täglich stattfindet um diese Zeit.


Der Anstoß geht auf die im Juli gegründete deutschland- und österreichweite Bürgerinitiative „Eltern stehen auf” zurück, über die sich im Internet eine Homepage findet unter https://elternstehenauf.de. Per Messengerdienst „Telegram” entstand eine Gruppe Berchtesgadener Land. Dort machte am Donnerstag ein Aufruf per digitalem Plakat die Runde, auf dem für die Kinder Masken- und Quarantänefreiheit, Abstandsfreiheit und freie Impfentscheidung gefordert wird. Den meisten Eltern vor der Saaldorfer Schule ging es aber vor allem darum, dass die Kinder wieder die Einrichtungen besuchen dürfen und sie wehren sich damit gegen die in der aktuellen Allgemeinverfügung des Landkreises erlassenen strengen Maßnahmen für die Kinder. Ein Mann nahm im Gespräch mit dem OVB Medienhaus gezielt Abstand von den Punkten, die auf dem Plakat stehen, ihm ging es ausschließlich darum, dass seine Kinder wieder in die Schule gehen können.

„Wir haben sonst keine Möglichkeit”, rechtfertigte eine Mutter gegenüber dem OVB Medienhaus den Protest. „Homeschooling überfordert mich und ich habe keine Betreuungsmöglichkeit”, ergänzte eine anderen Mutter, sie hat vier Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren. Ihr Mann arbeite Vollzeit und sei nicht in einem systemrelavanten Beruf, weshalb es für sie keinen Anspruch auf eine Notbetreuung gibt. Wenn die großen Kinder lernen, stören die Kleinen mit ihrem lautstarken Toben. „Die Kinder lernen in der Gruppe besser”, argumentiert die Frau weiter. „Meine Kinder wollen in die Schule und Freunde treffen und gemeinsam lernen.” In der Schule seien immer die gleichen Personen beieinander, deshalb kann sie die strengen Maßnahmen nicht nachvollziehen.


Der feste Rahmen im Alltag fehlt

„Daheim wird nix gelernt”, bestätigen andere Eltern. „Viele sind berufstätig und können es nicht leisten, die Kinder daheim rund um die Uhr zu betreuen.” Eine andere Frau schilderte, dass sie sich schwer tue, ihre Kinder zum Lernen zu motivieren, dass sie daheim abgelenkt seien und später ins Bett gingen – kurzum, der feste Rahmen im Alltag fehlt. Erstklässler gar seien nach den ersten vier Wochen Schule nun wieder zuhause und die Klassengemeinschaft damit wieder auseinandergerissen worden, sagt eine andere Frau. „Die Einrichtungen haben super Hygienekonzepte vorgelegt und es ist alles gut gelaufen.”

Nicht nur Eltern von Grundschul- und Kindergartenkindern waren gekommen, auch welche von ganz kleinen und größeren Kindern solidarisierten sich. „Die Kinder in den Abschlussklassen haben in diesem Schuljahr Prüfung”, so eine betroffene Mutter. Fleißige Kinder mit guten Noten könnten sich auch in dieser Situation gut behelfen. Auf der Strecke blieben jene, deren Eltern weder über die notwendige digitale gute Anbindung noch Computerausstattung verfügen beziehungsweise, deren Kinder sich schwertun, sich zum Lernen zu motivieren. „Wollen und können wir uns diesen Bildungsabfall leisten?” Eltern könnten Lehrer nicht ersetzen.

„Wir wollen keinen Ärger machen“

Den Eltern ist nach eigener Aussage wichtig, dass ihr spontan organisierter, stiller Protest eine friedliche und zivilisierte Aktion sei, mit der sie auf die Nöte der Kinder aufmerksam machen wollten. Von Ideologien egal welcher Art distanzierten sie sich ausdrücklich. „Wir wollen, dass es unseren Kinder gutgeht”, so die Stimmen. „Jeder der mithilft ist gut”, so die Aussage im Hinblick auf die angekündigten weiteren Proteste in den kommenden Tagen immer von 19.45 Uhr bis 20 Uhr mit dem ausdrücklichen Hinweis auf dem Plakat, zwei Meter Sicherheitsabstand einzuhalten und Masken zu tragen. „Wir wollen keinen Ärger machen.” Die strengen aktuellen Maßnahmen sehen sie in keiner Relation. „An die Kinder wird wieder zuletzt gedacht. Wir sperren Schulen und Kindertageseinrichtungen zu und die Geschäfte lassen wir auf”, so eine Frau. Sie fordert Normalität für die Kinder und sieht „alle Eltern in einem Boot”. 

Pünktlich zum Glockenschlag der Kirche um 20 Uhr löste sich durch den lauten Hinweis einer Mutter die Protestversammlung auf. Beschleunigt wurde dies durch das Heranfahren eines Polizeiautos. Zwei Beamte stiegen aus und erkundigten sich nach dem Grund der Zusammenkunft. Sie gaben sich angesichts der in allen Richtungen davongehenden Eltern mit der Erklärung zufrieden, dass es ein stiller Protest gewesen war.

tw

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