"Kinder soin so redn, wia eana da Schnabe gwachsn is"

Marlis Garschhammer mit Dialektpreis 2019 ausgezeichnet

+
Da kann man nur den Hut ziehen. Der Dialektpreis 2019 ging an Marlis Garschhammer. Links Laudator Franz Schreiner, rechts FBSD-Vorsitzender Heinz Schober

Saaldorf-Surheim - "Mundart bedeit für mi Verbundenheit mit meiner schönen Heimat, der großartigen Natur und de Berg, de i so gern mog", schwärmte Marlis Garschhammer.

Gerade war sie im Rahmen der Hauptversammlung von Heinz Schober, dem Vorsitzenden des Landschaftsverbandes Rupertiwinkel im Förderverein Bairische Sprache und Dialekte (FBSD), mit dem Dialektpreis 2019 ausgezeichnet worden.

In seiner Laudatio ging Franz Schreiner zunächst auf den Lebensweg der Preisträgerin ein, mit der er als Saaldorfer Schulleiter lange Jahre dienstlich 'verbandelt' war. 1956 geboren, wuchs Marlis Garschhammer in der Hoan (Laufener Ortsteil Haiden) auf. Nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums Laufen legte sie 1975 das Abitur ab. Anschließend trat sie ihr Lehramts-Studium an der damaligen Pädagogischen Hochschule in München-Pasing an und schloss es mit dem Staatsexamen ab.Als Lehrerin unterrichtete Marlies Garschhammer 20 Jahre lang in Leobendorf und seit September 2000 an der Grundschule Saaldorf-Surheim. Zum Ende des vergangenen Schuljahres wurde sie in den Ruhestand verabschiedet. "In ihrem Beruf als Lehrerin konnte sie ihren bairischen Sprachtrieb immer ausleben", merkte Franz Schreiner an. Stets habe sie Kinder und Eltern zum Dialektsprechen ermuntert. Zudem habe sie sich über den Unterricht hinaus bei vielen Aktionen zur Brauchtums- und Dialektpflege engagiert. Als Beispiele nannte Schreiner die "boarische Schuistund" am Internationalen Tag der Muttersprache, das Aperschnoizn zur Faschingszeit oder Krippenspiele und Theateraufführungen in boarischer Sprache. Mit einigen Episoden aus der gemeinsamen "Schulzeit" unterstrich der Laudator die Dialektfreudigkeit der Preisträgerin. Bei der Vorbereitung eines Schikurses an der Saaldorfer Schule haben die Anweisungen beispielsweise so geklungen:"I bin de Marlis und gredt werd bei mia boarisch (…) Glei loss ma uns alle woach hifoin, so wia vielleicht a Bsuffana. Dann ziagts den untern Haxn auffa, nehmts an Schtegga und dann stehts wieda auf (…)." Schreiner verriet auch "einen kleinen Trick von Marlis": "Wenn ein Kind 'Hallo' beim Gruß gesagt hat, antwortete sie mit 'Hallöchen' und hat damit das Kind an das 'Grüß Gott' oder 'Guten Morgen' erinnert. Und beim Verabschieden wurden die Kinder stutzig, wenn die Lehrerin auf das 'Tschüss' mit 'na denn Tschüsschen' antwortete." Abschließend gratulierte Franz Schreiner: "Liebe Marlis, deine bairische Sprache und Lebensart sind Vorbild für Kinder und Eltern. Dafür möchte ich Danke sagen und dir zur Verleihung des Preises ganz herzlich gratulieren."

Marlis Garschhammer bedankte sich ihrerseits: "Jetzt wissn alle do herin, dass in da Schui ned imma bluadernst zuaganga is." In der Schule werde natürlich überwiegend 'Hochsprache' gesprochen, was auch wichtig sei. Aber: "Mir war in meinen langen Berufsjahren wichtig, dass de Kinder, besonders in den unteren Klassen so redn derfn, wia ses von dahoam gwohnt warn. Ich hab sie immer ermuntert, unbefangen zu sprechen und sich möglichst oft zu melden. Hauptsach war für mi, se ham se überhaupt traut, was zum sagn." Als 'sehr erfreulich' bezeichnete es Garschhammer, dass seit 2011 die Mundart fest im Lehrplan verankert ist. Das Vorurteil, Mundart behindere die Sprachfähigkeit der Kinder, sei mittlerweile längst abgebaut worden. Vielmehr herrsche in der Bildungsdiskussion Einigkeit darüber, dass das Erlernen von zwei Sprachen - Dialekt und Hochsprache - die Entwicklung der Kinder in jeder Beziehung positiv beeinflusse. So heiße es im Lehrplan für die Klassen 1 und 2 "Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Sprechabsichten in ihrer persönlichen Sprachvarietät umsetzen und sich hierbei auch des Dialekts bedienen". "Hoaßt auf guad Deitsch, se soin so redn, wia eana da Schnabe gwachsn is", übersetzte Marlis Garschhammer.

"Aba wos bedeit eigentlich Dialekt für mi?", fragte die Preisträgerin. Ihre Antwort: "Mundart ist meine Muttersprache und sie erinnert mi an de Leut, die sie mir beigebracht ham, meine Eltern, die Verwandtschaft und de Leut von da 'Hoan'. Mundart bewirkt Vertrautheit und Geborgenheit. Mundart schafft Gemeinsamkeit und sie hat mich schon immer begeistert, weil ma se sehr genau ausdrücken kann." Begeistert war sie auch über die Auszeichnung: "I gfrei mi narrisch über den Preis. Er is was ganz bsonders für mi."

Norbert Höhn

Zurück zur Übersicht: Saaldorf-Surheim

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT