Zwei Bauanträge erregen die Gemüter im Bau- und Umweltausschuss

Stefan Kanz (CSU): „So kann man mit dem Gemeinderat nicht umgehen“

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Großer Diskussionsbedarf: Das Geschäftsgebäude in der Surheimer Sägewerkstraße

Saaldorf-Surheim - Dass Baurecht und gesundes Volksempfinden nicht immer kompatibel sind, wurde in der kürzlichen Sitzung des Bau- und Umweltausschusses überdeutlich. In der Diskussion zu zwei Bauanträgen ließen Mitglieder des Gremiums keinen Zweifel daran, dass sie sich über den Tisch gezogen fühlen.

Antrag auf Neubau eines Mehrfamilienhauses mit Garagen in Surheim, Haunsbergweg (Fl.Nr. 1863/2 Gemarkung Surheim)“, war formal unter Punkt 2.3 auf der Tagesordnung der kürzlichen Sitzung des Bau- und Umweltausschusses zu lesen. Bei dem „Neubau“ handelt es sich allerdings um ein schon jahrelang im Rohbau fertiggestelltes Gebäude, mit dem das Gremium bereits wiederholt befasst war, zuletzt in der Sitzung vom 12. September 2017. Wurde dem entsprechenden Bauantrag damals zugestimmt, so wird aktuell eineBefreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplanes „Surheim-Südost 1“ beantragt. Grund: Die Maße der beiden vorhandenen Balkone überschreiten die festgelegte Breite von 1,50 Metern um 0,10 respektive 0,25 Meter.Bauamtsleiter Toni Eder sah die Grundzüge der Planung nicht berührt und plädierte für Zustimmung. 

Bauantrag gleich zweimal abgelehnt

Albert Gaugler (FÜW) war anderer Meinung: „Wie oft sollen wir uns mit dieser Angelegenheit noch befassen?Ich stimme nicht zu.“ Dem folgte auch Stefan Gruber (CSU): „Wir werden immer wieder mit neuen Situationen befasst.“ Etwas lockerer sah esDr. Notker Mallach (Grüne): „Seien wir doch großzügig“. Sein Vorschlag: Den Balkon bis zur erlaubten Größe absägen. Schließlichlehnte aber auch er, zusammen mit seinen Ratskollegen, den Bauantrag und damit den Gesamtkomplex ab. 

Im Dachgeschoss soll eine Betriebsleiterwohnung entstehen

Die unendliche Geschichte wird damit genauso ihre Fortsetzung finden, wie die des folgenden Tagesordnungspunktes. Hier wird eineNutzungsänderung für ein bestehendes Geschäftsgebäudein der Surheimer Sägewerkstraße beantragt. Ein Büro im Dachgeschoss soll zu einer Betriebsleiterwohnung umgenutzt werden. Toni Eder erläuterte, dass die Gemeinde dazu vom Landratsamt Berchtesgadener Land zu einer Stellungnahme aufgefordert worden sei. Bereits in der Sitzung vom 8. März 2016 und dann nochmals am 8. November des gleichen Jahres habe der Ausschuss sein Einvernehmen verweigert. Da nun der Antrag ergänzt worden sei, habe das Gremium erneut zu entscheiden. Eder verlas eine ausführliche Betriebsbeschreibung des Antragstellers. Demnach soll im Dachgeschoss eine Betriebsleiterwohnung entstehen, für das Obergeschoss sind Büroräume vorgesehen und im Untergeschoss soll ein Bistro eingerichtet werden. Der Baumamtsleiter wies darauf hin, dassBetriebsleiterwohnungen in Gewerbegebieten grundsätzlich genehmigungsfähig sind und plädierte für Zustimmung. 

"Hier wird nicht mit offenen Karten gespielt"

In der sehr emotional geführten Diskussion monierte Robert Eder (FÜW), dass erst jetzt eine Betriebsbeschreibung für einen eigenständigen Betrieb vorgelegt werde: „Mich wundert das gesamte Vorgehen.“ Albert Gaugler wies darauf hin, dass ursprünglich eigentlich ein Betrieb genehmigt worden sei und kein Bistro. „Wird das Bistro öffentlich? Der Antragsteller soll endlich sagen, was er vorhat.“ Noch drastischer wurde Stefan Kanz (CSU): „Die ganze Angelegenheit war von Anfang an auf Lug und Trug ausgelegt. Hier wird nicht mit offenen Karten gespielt. So geht man nicht mit dem Gemeinderat und der Öffentlichkeit um“, ließ Kanz seinen Unmut freien Lauf. Bürgermeister Bernhard Kern zeigte Verständnis für die Empörung, zumal wie er erwähnte, die Gemeinde in einem Wochenblatt arg verunglimpft worden sei. Auch Baumamtsleiter Toni Eder konnte die Aufregung nachvollziehen, schränkte allerdings ein: „Die Verwaltung hat die Angelegenheit ausschließlich nach baurechtlichen Kriterien zu beurteilen.“ Bei lediglich zwei Befürwortern wurde der Bauantrag erneut abgelehnt.

Pressebericht: Norbert Höhn 

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