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„Jetzt red i“ (BR) mit Hochwasser-Betroffenen aus dem BGL und Innenminister

Über die Bobbahn wollte keiner reden: „Es gibt Menschen, die haben alles verloren“

Die Moderatoren Tilmann Schöberl und Franziska Eder.
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Die Moderatoren Tilmann Schöberl und Franziska Eder.
  • Xaver Eichstädter
    VonXaver Eichstädter
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Wie können schlimme Hochwasserschäden wie jüngst im Berchtesgadener Land verhindert werden? Der BR sendete am Donnerstag seine Diskussion dazu live („Jetzt red i“) - den Betroffenen sind konkrete Hilfen aber wesentlich wichtiger, als Symbole wie die zerstörte Bobbahn am Königssee.

Saaldorf-Surheim - Die Bilder der zerstörten Bob- und Rodelbahn am Königssee zogen nach dem katastrophalen Unwetter im Berchtesgadener Land am 17. Juli weite Kreise - doch dass dieses Symbol an der Lebensrealität der Menschen im südlichen Landkreis vorbeigeht, bewies auch die BR-Livesendung „Jetzt red i“ am Mittwoch (28. Juli). Ex-Rennrodler Georg Hackl aus Bischofswiesen saß wohl nicht zufällig unter den wenigen geladenen Gästen in der Mehrzweckhalle in Surheim. Nach dem BR-Einspieler zur kaputten Kunsteisbahn sagte er aber klar und deutlich: „Ich bin nicht hier, um über die Rodelbahn zu jammern, angesichts der direkt betroffenen Privatleute.“ Damit traf Hackl den Nerv vieler Menschen.

„Jetzt red i“ (BR) zum Hochwasser im Berchtesgadener Land

Wie hätte die Hochwasserkatastrophe im Berchtesgadener Talkessel womöglich verhindert werden können? Und wie kann man in Zukunft vorbeugen? Darum drehte sich die Diskussion in erster Linie. Die Moderatoren Tilmann Schöberl und Franziska Eder hatten Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Grünen-Landesvorsitzende Eva Lettenbauer als Ansprechpartner nach Surheim geladen. Aber auch die Frage nach konkreten Hilfen für die Hochwasser-Geschädigten wurde gestellt - und konnte kaum beantwortet werden.

Christina und Anton Brandner vom Opel-Autohaus in Berchtesgaden nach den Schäden durchs Hochwasser. Anton Brandner kam bei „Jetzt red i“ als erster zu Wort.

„Von der Stiftung ‚Berchtesgaden hilft‘ habe ich recht schnell 2000 Euro bekommen. Aber sonst hab‘ ich noch überhaupt nichts gehört, weder vom Landratsamt, noch von der Gemeinde oder irgendwas“, war Toni Brandner enttäuscht. Bei dem Berchtesgadener Autohaus-Besitzer zerstörte das Hochwasser Werkstatt, Ersatzteillager und Kundenautos. BGLand24.de schilderte er schon vorige Woche sein Schicksal. „Ich muss nächste Woche akut zehn Leuten die Löhne zahlen und die Pacht.“ Innenminister Herrmann verwies auf den Bund: „Das Hilfsprogramm ist noch nicht fertig.“ Außerdem müsse geklärt werden, bei wem auch Versicherungen einspringen. „Und laut Landrat wurden schon 78 Anträge beschieden.“

Georg Hackl macht sich für Klimaschutz stark: „Es kann keiner mehr abstreiten...“

Was kann, was muss in Zukunft getan werden? „Es braucht mehr Mittel, um Gewässer für Starkregenereignisse zu präparieren, zum Beispiel das Geschiebe ausbaggern“, schlug Hans Angerer vor. Bei ihm wurden drei Hektar Wiese in Berchtesgaden nahe der Ache verwüstet. Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber wünschte sich kürzere Genehmigungsverfahren beim Hochwasserschutz. Man kenne die gefährdeten Stellen ja, manche Bereiche seien aber auch nach über 60 Jahren noch nicht geschützt. Und Schorsch Hackl machte sich vehement für besseren Klimaschutz stark: „Es kann keiner mehr abstreiten, dass solche Ereignisse in größerer Dichte auf uns zukommen werden.“ Von der Politik forderte er ein konsequenteres Fördern und Vorantreiben erneuerbarer Energien.

Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.

Innenminister Joachim Herrmann verwies auf die 3,5 Milliarden Euro, die in den vergangenen 20 Jahren in Bayern in den Hochwasserschutz investiert worden seien. Flutpolder müssten gebaut, Retentionsräume von Bebauung freigehalten werden. „Und wir müssen den Flächenverbrauch reduzieren“, so Herrmann - wo er sich mit der Grünen Lettenbauer einig war. Sie forderte ein Unterstützungsprogramm für Kommunen, das wieder eingestellt worden sei. „Nur über 100 von 2000 Kommunen in Bayern haben hier konkrete Hilfen bekommen.“ Auch die schwer gebeutelte Schönau war mit 2. Bürgermeister Richard Lenz vertreten: „Große Reden schwingen hilft keinem, die Hilfe muss jetzt zu den Leuten kommen. Es gibt Menschen, die haben alles verloren.“

Innenminister Herrmann will mehr Warnsirenen

Für die Frage, wie die Bevölkerung am besten vorgewarnt werden kann, war Kreisbrandrat Anton Brandner der Ansprechpartner: „Für 100.000 Leute (im Landkreis, Anm.) die Sirene laufen lassen bringt keinen Mehrwert.“ Und eine Vorwarnung, dass bestimmte Menschen in zwei Stunden ihr Haus verlassen müssten, soweit sei man einfach noch nicht. Innenminister Herrmann sprach sich für eine Verdoppelung der Sirenen in Bayern aus. „Warn-Apps sind gut, aber nachts um 2 Uhr muss man Leute mit einer Sirene aus dem Schlaf schrecken, wenn akute Lebensgefahr besteht.“ Und eine klare Unwetterwarnung habe es schon am Freitag vor dem Hochwasser gegeben - aber eben für alle Landkreise am Alpenrand: „Es ist noch nicht möglich, messerscharf fünf Stunden davor zu sagen, welche Gemeinden dann betroffen sind.“

xe

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