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„Während der Pandemie wurde vieles unter den Teppich gekehrt“

Internationaler Tag der Mediation: Saaldorfer Diplom-Psychologin Gertrud Wölke im Gespräch

Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Gertrud Wölke
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Anlässlich des „Tags der Mediation“ am 18. Juni trafen wir Gertrud Wölke in Surheim, wo die Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin ehrenamtlich im Secondhandladen „Gwand&mehr“ arbeitet und nach „Dienstschluss“ Zeit fand, über das Thema Mediation zu informieren.

Die Corona-Pandemie hat vor allem Familien stark gefordert und fordert sie nach wie vor: sei es während des Lockdowns mit Homeoffice und gleichzeitigem Distanz- oder Wechselunterricht, sei es weil Jugendtreffs geschlossen waren, Vereinssport ausgefallen ist, etc. – die Liste mit Situationen, die Konfliktpotential in sich bergen, ist lang.

Saaldorf-Surheim - „Während der Pandemie wurde vieles unter den Teppich gekehrt, jetzt, wo wir unseren Blick wieder weiten können, da kommt einiges zum Vorschein“, beschreibt Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Gertrud Wölke die Lage. Anlässlich des „Internationalen Tags der Mediation“ am Freitag, 18. Juni, der online stattfindet, treffen wir Wölke zum Interview. Die Saaldorferin ist die hiesige Regionalkoordinatorin und Fachgruppenleiterin der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e. V. (BAFM) und erklärt, wie man mit Hilfe eines Mediationsgespräches Konflikte regeln und die Streitkultur verbessern kann.

Hallo Frau Wölke, einer der Online-Vorträge hat den bezeichnenden Titel „Gestorben wird immer, gestritten auch“. Warum ist das so?

Gertrud Wölke: Konflikte sind etwas ganz Normales, die entstehen einfach, weil wir unterschiedlich sind. Werden sie allerdings nicht besprochen, können sogar Feindschaften entstehen. Letztendlich enden Konflikte dann vor Gericht.

Und wie kann da eine Mediation helfen?

Wölke: Eine Mediation bietet die Möglichkeit, mit einer, und das ist sehr wichtig, neutralen und qualifizierten Person zu besprechen, um was es eigentlich geht. Danach sucht man in einem strukturierten und vertraulichen Gespräch, das ergebnisoffen ist, gemeinsam nach einer Lösung.

Funktioniert das nur bei Konflikten in der Familie oder auch in größeren Zusammenhängen?

Wölke: Die Mediation ist vielfältig einsetzbar, beim Nachbarschaftsstreit, in der Schule, bei Mobbing in Unternehmen, Vereinen, Organisationen. Es gibt auch die sogenannte Friedensmediation, die fester Bestandteil deutscher Außenpolitik ist.

Wie bekannt ist denn die Mediation in der breiten Bevölkerung?

Wölke: Mediation ist mittlerweile bei vielen Bevölkerungsgruppen bekannt, der „Roland Rechtsreport 2021“ spricht von 86 Prozent der Deutschen. Sehr wichtig ist auch, dass Lehrer, Jugendämter, Ärzte etc. Bescheid wissen und als Multiplikatoren wirken.

Der „Internationale Tag der Mediation“, den Mediationsvereine und Mediationsverbände in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit 2013 immer am 18. Juni veranstalten, ist ja quasi auch ein Multiplikator. Was bietet diese Informationsplattform?

Wölke: Das Programm ist breit gefächert und bietet Diskussionen, Workshops, Informationen und Sprechstunden. Die Veranstaltungen sind wegen der Pandemie online, die Zugangsdaten für die ZOOM-Meetings findet man unter www.tag-der-mediation.international. Unter www.bafm-mediation.de/blog/tag-der-mediation/ kann man sich durch das vielfältige Angebot, darunter Medizinrecht, Erbrecht, medialer Alltag von Kindern und Jugendlichen und vieles mehr klicken. In Sprechstunden werden auch individuelle Fragen beantwortet.

Wenn jemand nach dem „Tag der Mediation“ Konflikte mittels Mediation klären möchte, welche Möglichkeiten gibt es in unserer Region?

Wölke: Große Berufsverbände wie der Bundesverband Mediation (BM e. V.) oder die BAFM e. V. listen auf ihren Websites über 3000 Mitglieder. Außerdem gibt es freiberufliche juristische und nicht juristische regionale Mediatoren, die zum Beispiel unter www.konfliktklaerung-bayern.de und unter www.mediator-finden.de aufgelistet sind und unter der entsprechenden Postleitzahl zu finden sind.

Gibt es neben diesen kostenpflichtigen Beratungsleistungen bei uns auch kostenfreie Angebote auf Vereinsbasis? Ich denke an die Salzburger „Nachbarschaftsmediation“, die teils von der Stadt finanziert und teils ehrenamtlich geleistet wird?

Wölke: So ein gemeinnütziges Projekt für kostenfreie Mediation gibt es bei uns in den Landkreisen nicht. Menschen, die sich eine kostenpflichtige Konfliktberatung etwa in Mietangelegenheiten nicht leisten können, erhalten im ersten, meist telefonischen Kontakt Anregungen, was sie in ihrer spezifischen Situation tun können. Manche Mediatorinnen bieten auch kostenfreie Erstinformationen.

Das Gespräch führte Karin Kleinert.

„Tag der Mediation“ am 18. Juni

Auf der Seite www.tag-der-mediation.international steht das gesamte Programm rund um den 18. Juni. Unter www.bafm-mediation.de/blog/tag-der-mediation/ findet man alle Online-Veranstaltungen der BAFM sowie die Einwahldaten für die ZOOM-Links.

Zur Person

Die Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Gertrud Wölke, die sich Anfang der 1990er Jahre zur Mediatorin ausbilden ließ, ist eine der ersten Mediatorinnen Deutschlands. Sie war viele Jahrzehnte die Leiterin der Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Landkreises Berchtesgadener Land. Inzwischen ist sie ausschließlich freiberuflich tätig. 2015 übernahm sie die Koordination des Helferkreises „Integration“ in der Gemeinde Saaldorf-Surheim als Ehrenamt. Außerdem engagiert sie sich ehrenamtlich im Caritas Secondhandladen „Gwand&mehr“ in Surheim und im Projekt „Nachbarschaftsmediation“ der Stadt Salzburg.

Kleinert

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