Der zweite Andreas geht ins Rennen

CSU kürt Gemeinderat Nutz zum Bürgermeisterkandidaten

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Bei der Nominierungsversammlung von links: der amtierende Bürgermeister und Landratskandidat Bernhard Kern, der Bewerber um seine Nachfolge, Andreas Nutz, CSU-Ortsvorsitzender Markus Wallner und Altbürgermeister Ludwig Nutz, der die geheime Wahl leitete.

Saaldorf-Surheim - Der CSU-Ortsverband schickt bei der nächsten Kommunalwahl am 15. März 2020 den 42-jährigen Lokfahrer und dreifachen Familienvater Andreas Nutz aus Sillersdorf als Bürgermeisterkandidaten ins Rennen.

Der amtierende CSU-Bürgermeister Bernhard Kern tritt nach seiner ersten Amtsperiode nicht mehr an, weil ihn die Kreis-CSU Anfang Juli zum Landratsbewerber kürte (wir berichteten).

Die Nominierung war allgemein mit Spannung erwartet worden. Allerhand Spekulationen machten in der Gemeinde die Runde, vor allem da der jetzige 2. Bürgermeister Andreas Buchwinkler (Junge Liste) schon früh aus der Deckung kam und seinen Hut in den Ring geworden hatte. Seit Donnerstagabend ist es nun auch bei der CSU amtlich: Gemeinderat Andreas Nutz, der nach dem Tod von Christine Prechtl-Jahn vor ziemlich genau zwei Jahren nachgerückt war, bewirbt sich für seine Partei um das Amt des Bürgermeisters von Saaldorf-Surheim. In geheimer Wahl und im Beisein des neuen Kreisgeschäftsführers Florian Podehl sprachen sich im Saal des Gasthauses Lederer bei einer Enthaltung und einer Gegenstimme 26 von 28 Mitgliedern für Nutz aus.

Am 11. Mai beim Tag der Vereine habe ihn Bürgermeister Kern das erste Mal auf eine Kandidatur angesprochen, schilderte Nutz, als er sich vorstellte. Wichtig sei ihm bei dieser Entscheidung die Unterstützung seiner Familie gewesen. „Alleine kann man so ein Amt nicht bewältigen.” In der Familie alles aufs Spiel zu setzen, das wäre ihm die Sache nicht wert gewesen. Außerdem werde man als Bürgermeisterfamilie öffentlich stärker wahrgenommen, Nutz nannte es „beäugt”. „Wir haben mit unseren Kindern drüber geredet”, so Nutz. Wer seine Familie kenne, wisse, dass weder seine Frau noch seine Kinder Scheu in der Öffentlichkeit hätten. Das half ihm bei seiner Entscheidung. „Die Entwicklung der Kinder ist eines der größten Güter das man hat”, betonte Nutz seinen Familiensinn.

Nutz wuchs mit zwei jüngeren Schwestern in Sillersdorf auf, erwarb in Freilassing den Qualifzierten Abschluss als Klassenbester. „Ich war immer schon eher der Macher und wollte etwas bewegen, Schule war nicht so mein Ding.” Sein Traum, als Industriemechaniker in der ganzen Welt Maschinen aufzubauen, zerplatzte nach der Lehre aufgrund einer größeren Kündigungswelle wegen schlechter Auftragslage. Er wechselte zur Bahn, wo er aktuell bei der Südostbayernbahn die Strecke nach Mühldorf fahre und deshalb täglich mehrmals sechs Kilometer Gemeindegebiet durchquert. Als sehr lehrreich habe er seine Zeit als Zivildienstleistender bei der Diakonie in Freilassing in der Alten- und Krankenpflege empfunden. „Das prägt einen fürs Leben.”

Seit 2006 sei er mit seiner Frau Gitti verheiratet, die beiden haben drei Kinder im Alter von 12, 11 und drei Jahren. Sein großes Hobby sei die Musik. Seit 30 Jahren spielt er bei der Musikkapelle Steinbrünning Klarinette, gehört seit über 20 Jahren der Vorstandschaft und dem Festausschuss an und ist seit drei Jahren 1. Vereinsvorstand. In den vergangenen Jahrzehnten habe er in allerhand Nebentätigkeiten viele Erfahrungen gesammelt, auch das habe ihn weitergebracht.

Als Stärken zählte Andreas Nutz seine große Lebenserfahrung auf, und, dass er mit beiden Beinen im Leben stehe. Er denke „praktisch, klar und vorausschauend”. Er komme aus ganz normalen bürgerlichen Verhältnissen und sei stolz darauf, was er sich geschaffen habe. „Mir geht‘s gut, ich kann meiner Familie ein relativ sorgenfreies Leben bieten.” Vom Charakter her beschrieb er sich als fleißig, bemüht, pünktlich („Ich 23 Jahren Wechselschicht hab ich nicht einmal verschlafen”), als offen und direkt, als jemand der Verantwortung übernimmt. „Wenn mir die Bevölkerung das Vertrauen schenkt, bin ich mir sicher, dass ich mich reinbeißen und das Amt bewältigen könnte.”

Beim „Ideenmanagement” seines Arbeitgebers zum Beispiel sei er vorne dabei. Mitarbeiter könnten zu verschiedenen Problemen Ideen erarbeiten. Wessen Idee zur Umsetzung kommt, der darf sich ein Jahr lang über 25 Prozent Anteil an den eingesparten Kosten freuen. Auf seine Anregung hin sei zum Beispiel eine Diesellok ersetzt und somit pro Jahr 150.000 Liter Diesel eingespart worden. „Nach vorne schauen, Gedanken machen und ein bissl ums Eck denken, das kann ich.”

Bei seinen politischen Zielen sprach er den bevorstehenden Ausbau der Bahnstrecke im Gemeindegebiet an. Dies bringe einige Jahre Großbaustelle und manche Veränderung mit sich, etwa Lärmschutzwände. Er habe sehr gute Kontakte bei der Bahn, um das Maximum für die Bürger herauszuholen und verband damit auch gleich die schon seit Jahren in der Gemeinde formulierte Forderung nach einem Bahnhaltepunkt in Surheim, den Nutz dann auch gleich noch ans S-Bahn-Netz angebunden sehen will. Bei den wichtigsten Zielen für die Gemeinde sehe er den ÖPNV ganz vorne. Bis auf zwei Buslinien unter der Woche existiere in der Gemeinde quasi keiner. Das will er ändern und fordert, dass das 365-Euro-Ticket „bei uns am Land” auch möglich sein müsse, um damit im ganzen Landkreis ohne Auto mobil sein zu können.

Weitere Themen waren bezahlbarer Wohnraum inklusive Innenverdichtung und Leerstandnutzung, Schulen/Kindergärten, altersgerechtes Wohnen und eine weiterhin großzügige Unterstützung der Vereine. In Anspielung auf den Altbürgermeister sagte er: „Nutz ist ein bekannter Name.” Den von ihm angestrebten Beruf als Bürgermeister nannte Andreas Nutz eine große Herausforderung, für die es sich mit Weiterbildung vorzubereiten gelte. „Alles wird keiner können, man muss fleißig und willig sein, dann wird man es auch packen.“

Der CSU-Ortsvorsitzende Markus Wallner hatte die außerordentliche Mitgliederversammlung eröffent. Er blickte auf die Reihe der CSU-Bürgermeister zurück und sagte, die Vorstandschaft stehe geschlossen hinter Andreas Nutz. Bürgermeister Bernhard Kern informierte, dass er selbst als Landratskandidat und ein kleines Team sich bereits in der Zielgeraden für die „ausgewogene” Kreistagsliste befänden. Trotz seiner Kandidatur „werde ich nicht müde werden in meiner Arbeit als Bürgermeister”, betonte Kern und sprach einige wichtige Projekte an, die die Gemeinde zu stemmen hat, zum Beispiel das Thema Abwasserbeseitigung wegen der in die Jahre gekommenen Kläranlagen, Kanalsanierung, Kindertageseinrichtungen und noch einiges mehr.

Altbürgermeister Ludwig Nutz, der die Wahl leitete, nannte die Nominierung des Bürgermeisterkandidaten eine der bedeutendsten Wahlen eines Ortsverbands. Die CSU habe die Gemeindepolitik jahrzehntelang maßgebend geprägt. Mit allen Parteien habe man hervorragend zusammengearbeitet, federführend sei aber die CSU gewesen. „Alles in allem ist die Welt bei uns noch in Ordnung. Bei uns macht Gemeindepolitik für die Bürger noch Freude.” In Saaldorf-Surheim werde problembewusst und nicht parteiideologisch gearbeitet. Er wünschte am Ende sowohl Bernhard Kern als Landratskandidat sowie dem Bürgermeisterkandidaten Andreas Nutz alles Gute und sagte die Unterstützung des Ortsverbands zu.

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