Finanzbeamter wird Priester

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Surheim - Über 1.500 Besucher kamen zur Primiz von Toni Unden. Vor zehn Jahren hatte er beschlossen, seine bisherige Existenz als Beamter aufzugeben.

„Besonders freut es mich, dass auch meine ehemaligen Arbeitskollegen da sind“, begrüßt Primiziant Toni Unden eine Abordnung des Finanzamtes, die sich unter den Gästen in der vollbesetzten Sur-Arena befindet. Vor zehn Jahren hat der Toni seine sichere Existenzgrundlage als Finanzbeamter aufgegeben und ist seinem Ruf gefolgt, Priester zu werden.

Der lange Weg dorthin hat mit der Priesterweihe am Samstag und der Primiz am Sonntag seinen vorläufigen Höhepunkt erfahren. Für die Pfarrfamilie seines Heimatortes Surheim und für die gesamte Gemeinde wurde die Primiz zum großen Festtag mit über 1.500 Besuchern.

Verabschiedung von seinen Eltern

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Würdiger Empfang für Primiziant Unden am Samstag

Schon ab 6 Uhr morgens ist die Surheimer Musi auf einem Traktorgespann in der Gemeinde unterwegs, um die Bevölkerung mit einem Ständchen zu wecken und auf den Festtag einzustimmen. Im Geleitzug befindet sich eine Böllerkanone samt Schützen. Beim Pfarrer in Saaldorf, beim Festleiter in Haberland und beim Bürgermeister in Muckham werden Stationen eingelegt, ehe die mobile Weckgesellschaft am Elternhaus des Primizianten ihre Aufwartung macht. Am frühen Vormittag formiert sich dann der lange und farbenprächtige Kirchenzug. Angeführt von der Surheimer Musikkapelle reihen sich Ortsvereine, Feuerwehren, die hohe Geistlichkeit, eine große Ministrantenschar, Abordnungen der Kirchengemeinde und der Bürgermeister mit seinem Gemeinderat in den Zug ein. Ein Blickfang ist das Pferdegespann, auf dem die Surheimer Kirche St. Stephan als eindrucksvolles Modell mitgeführt wird. Am Ende des Zuges hat sich die Blaskapelle Steinbrünning aufgestellt.

Dem Ritual folgend wird der Neupriester von seinen Eltern mit einem Segen verabschiedet und von Pfarrer Roman Majchar aus dem Elternhaus geleitet. Seinen Platz im Festzug findet Toni Unden zwischen Kindern, die mit langen Fichtengirlanden einen dekorativen Rahmen bilden.

Eigens errichteter Primiz-Altar

Viele Menschen säumen den Weg des Zuges durch den fein herausgeputzten und vornehmlich in den Kirchenfarben gelb-weiß geschmückten Ort. Und freilich freuen sich alle über das Wetter, das es im Gegensatz zum weltlichen Empfang am Vortag, ausgesprochen gut mit den Festbesuchern meint. Am Dorfplatz wird der Festzug schon von vielen Besuchern erwartet. Der Primiziant und die Geistlichkeit steigen hinauf zum Pavillon, der von vielen fleißigen Helfern zu einem dekorativen Altarraum hergerichtete worden ist. Besonders der eigens zu diesem Anlass gebaute Primiz-Altar sticht ins Auge. Ein kleines Meisterwerk, das von Andreas Buchwinkler in Schreinerarbeit angefertigt wurde und von Kirchenmaler Franz Nefzger sein „Marmor-Design“ bekam. Überhaupt hört man immer wieder Besucher, die voll des Lobes sind, über das was hier von den ungezählten freiwilligen Helfern an Vorbereitungsarbeiten geleistet worden ist.

Hoch über dem Altar schwebt der Primizspruch von Toni Unden „Jesus Christus ist das Ja zu allem, was Gott verheißen hat.“ Es ist zu spüren, dass der Geist dieses Wortes auch den Primizianten erfüllt, als er seine erste Eucharistie feiert. Es ist wohl eine Mischung aus Anspannung, Freude und tiefer innerer Ergriffenheit, die ihn in dieser feierlichen Stunde erfüllt. Die festliche Stimmung, das Besondere dieses Ereignisses überträgt sich schnell auch auf die Besucher und wird durch die musikalische Umrahmung der Musikkapelle und des Kirchenchors verstärkt. Unter die Haut geht es, wenn Regina Zehentner mit ihrer schönen Gesangstimme den Platz erfüllt. „Lieber Toni, du hast sicheren Boden verlassen und dich auf schwankende Planken begeben“, wendet sich Pfarrer Bernhard Bielasik in seiner Predigt an den Primizianten. Toni Unden hatte sich den Bischofswiesener Geistlichen als „seinen“ Primizprediger ausgesucht, „weil er enger Vertrauter und geistlicher Beistand in den Jahren meiner Entscheidungsfindung war“.

"Ich werde diesen Tag nie vergessen"

In der erfrischend vorgetragenen Predigt stellt Pfarrer Bielasik immer wieder Bezug zu Johannes Maria Vianney, dem „Pfarrer von Ars“ und Schutzheiligen aller Priester her. „Wenn ich deinen Werdegang, lieber Toni, zurückverfolge, dann hast du gemeinsam mit dem Pfarrer von Ars auch einen mühsamen Bildungsweg hinter dir. Dein Wunsch, Priester zu werden, entspringt dem Herzen Jesu, springt über in dein offenes Herz und entfaltet eine Fülle der Freude und Sicherheit, die dir alles abzuverlangen in der Lage ist.“

Primiziant Toni Unden in Surheim empfangen

„Ich werde diesen Tag nie vergessen und ich werde auch die Worte meines Primizpredigers nie vergessen. Er hat es genau getroffen, so ist es“, sagt Toni Unden gerührt, ehe er am Ende der Messfeier den Primizsegen erteilt. Der Festzug formiert sich wieder, um zur Sur-Arena zu marschieren, wo der „weltliche Teil“ des Primiztages gefeiert wird. Auch hier wurde der sonst eher triste Zweckbau zu einer schönen Festhalle mit über 800 Sitzplätzen hergerichtet. Im Nu sind auch alle hungrigen und durstigen Festbesucher versorgt, lädt doch nach altem Primiz-Brauch der „Veranstalter“ zu Speis und Trank ein. „Das sollte man aber nicht so wörtlich nehmen“, erklärt der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Simon Maier und bittet um einen freiwilligen Obolus. Pfarrer Augustinus Bauer von der Pfarrei München-Nymphenburg stellt die zukünftige „Dienststelle“ von Toni Unden vor.

Bodenhaftung soll nicht verloren gehen

Im Namen der Gemeinde bedankt sich Bürgermeister Ludwig Nutz bei allen, die zum Gelingen des großen Festtages beigetragen haben und überreicht ein Geschenk.

Das Schlusswort im offiziellen Teil hat Simon Maier: „Lieber Toni, wir wünschen dir eine Pfarrgemeinde, die dich recht herzlich aufnimmt, wir wünschen dir, dass dir immer was G’scheids für deine Predigten einfällt und wir wünschen, dass dir bei den höheren Weihen, die du jetzt hast, die Bodenhaftung nicht verloren geht.“ Die geht dem Unden Toni ganz sicherlich nicht verloren, das hat er mit seiner freundlichen und geselligen Art gerade an seinem Primiztag bewiesen.

nh

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