Neuer Platz für die Lebenshilfe

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Werkstätten-Geschäftsführer Herman Seeböck in Anger: Hier wird die neue Zweigstelle im Bereich Montage, Schwerpunkt Lebensmittelverpackung, gebaut.

Anger/Piding - Erst 2012 haben die Pidinger Werkstätten der Lebenshilfe ihren Firmensitz ausgebaut. Mittlerweile platzt die Einrichtung aber schon wieder aus allen Nähten.

Mit einem Erweiterungsbau werden nun in Anger 50 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung geschaffen. Sie sind vor allem auf den Bereich Lebensmittelverpackung spezialisiert.

„Wir brauchen zusätzliche Plätze. Wir sind schon wieder überbelegt und die Bedarfsprognosen für die nächsten Jahre zeigen, dass noch weitere Arbeitsplätze im Landkreis nötig sein werden“, sagt Werkstätten-Geschäftsführer Hermann Seeböck. Derzeit liegt das Durchschnittsalter seiner Mitarbeiter bei 39 Jahren.

Werkstatträume reichen nicht mehr aus

Da erst in zehn Jahren größere Jahrgänge das Rentenalter erreichen, wird das Gesamtkontingent die Marke von 250 belegten Plätzen voraussichtlich spätestens 2014 erreichen. „Das ist in unseren bestehenden Werkstatträumen nicht mehr unterzubringen“, so Seeböck.

Das „Zentrum Bayern für Familie und Soziales“ (ZBFS) und der Bezirk Oberbayern teilen diese regionale Bedarfseinschätzung für den Landkreis und geben deshalb grünes Licht für eine weitere Expansion. Auch der Angerer Gemeinderat hat das Projekt bereits befürwortet. Dort soll die neue Zweigstelle mit 50 Arbeitsplätzen im Montage- und Lebensmittelverpackungsbereich gebaut werden. Es handelt sich um 30 neue Plätze und 20, die aus Mitterfelden umsiedeln. Dort läuft der Pachtvertrag aus.

Die Grundsteinlegung in Anger ist für den 4. Juli angesetzt, im ersten Halbjahr 2014 soll der Erweiterungsbau bezugsfertig sein.

Der neue Standort: Anger

Das Areal in der Salzstraße in Anger ist rund 2.800 Quadratmeter groß und befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Tagesstätte für schwermehrfach behinderte Menschen der Lebenshilfe. Das Gewerbegrundstück stellt die Privatbrauerei Wieninger über einen Erbpachtvertrag zur Verfügung. „Für uns ist das hier ein idealer Standort, die Zentrale in Piding ist nur acht Kilometer entfernt und wir sind über die Staatsstraße und die Autobahn sehr gut angebunden“, freut sich der Geschäftsführer.

Die Angerer Zweigstelle fällt in den Bereich Montage, die Hauptarbeitsaufgaben werden das Konfektionieren und das Verpacken sein und dabei liegt der Schwerpunkt auf Lebensmittelverpackung. „Die Hauptstelle in Piding stößt da bereits seit einiger Zeit an ihre Kapazitätsgrenzen. Das hängt auch damit zusammen, dass die Verpackung von offenen Lebensmitteln von anderen Bereichen weitestgehend getrennt sein muss und Schleusen zum Umkleiden nötig sind“, erklärt Herman Seeböck. Dafür entstünden bei der Verpackung von Lebensmitteln spezialisierte und damit auch besser vergütete Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. „Hier können wir leistungsstärkere Mitarbeiter, aber auch Kollegen mit einer stärkeren Behinderung einsetzen.“

Finanzierung dank Spenden gesichert

Die Pidinger Werkstätten sind ein Sozialbetrieb, der zum einen öffentliche Unterstützung erfährt, sich zum anderen aber durch die eigene Produktivität tragen muss. Öffentliche Gelder gibt es vor allem durch Personalkostenzuschüsse für das Betreuungspersonal. Die Entlohnung der Mitarbeiter mit Behinderung wird selbst erwirtschaftet. Bei baulichen Erweiterungsmaßnahmen zur Erhöhung der Platzzahlen zahlt der Staat Zuschüsse.

Laut Schätzung wird der Erweiterungsbau in Anger rund 1,8 Millionen Euro kosten. Dem steht die zu erwartende offizielle Bauförderung des Landes Bayern in Höhe von 636.000 Euro gegenüber. Die Kosten für das Erbpachtgrundstück müssen von der Werkstätte selbst aufgebracht werden. „Zu rund zwei Dritteln finanzieren wir das Gebäude aus eigenen Mitteln und durch Spenden. Erfreulicherweise hat Joachim Althammer als Organisator der Benefiz-Oldtimerrallye Edelweiß Classic bereits fest zugesagt, dass er dieses Projekt auch heuer unterstützen wird. Und die regionale Berchtesgadener Landesstiftung hat schon einen Zuschuss in Aussicht gestellt“, freut sich Herman Seeböck.

Mehr als ein Arbeitsplatz

Für derzeit 242 Menschen mit Behinderung stellen die Pidinger Werkstätten der Lebenshilfe nicht nur deren Arbeitsplatz, sondern einen zweiten Lebensraum dar. Hier finden sie Gemeinschaft und Anerkennung. Rund 50 Prozent der Beschäftigten sind nicht von Geburt an, sondern aufgrund eines Unfalls gehandicapt. Je nach Art und Schwere ihrer Behinderung übernehmen sie Aufgaben, etwa im Bereich Montage, Verpackung, Schreinerei oder Metallverarbeitung.

„Sogar schwermehrfach behinderte Menschen bekommen bei uns einen Dauerarbeitsplatz, auf dem sie einen Teil ihres Lebensunterhaltes selbst verdienen können und auf dem sie kranken- und rentenversichert sind“, sagt Herman Seeböck, dem vielfältige arbeitsbegleitende Maßnahmen zur Steigerung der Lebensqualität seiner Mitarbeiter sehr wichtig sind. So werden Bewegungstherapie und Wirbelsäulengymnastik, Musik- und Sportkurse aber auch Mobilitätshilfen im Alltag und Ausflüge angeboten. „Dieser Bereich unserer Arbeit wird in erster Linie durch Spenden ermöglicht.“

kb

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