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Mit Abstimmung: Weiter Konflikt um neuen Standort von Firma Obst Maier in Urwies in Piding

Maier: „Wollen weder einen Schandfleck errichten, noch soll das die Lachnummer von Piding werden!“

Das für das Gewerbegebiet angedachte Areal im Ortsteil Urwies von Piding.
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Das für das Gewerbegebiet angedachte Areal im Ortsteil Urwies von Piding.

Der Konflikt um den geplanten neuen Standort für die Firma Obst Maier im Pidinger Ortsteil Urwies hält an. In einer kürzlichen Sondersitzung des Gemeinderats kam es zu überraschenden Entwicklungen. Gleichzeitig meldet sich einer der Geschäftsführer des Unternehmens umfangreich zu Wort.

Piding - Eigentlich sollte am Dienstagabend in einer Sondersitzung des Gemeinderats von Piding das Ergebnis der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden in Sachen der Änderung des Flächennutzungsplanes und Aufstellung eines Bebauungsplanes zur Ansiedlung der Firma Obst Maier in Urwies behandelt werden. Doch die Sitzung nahm einen ungewöhnlichen Lauf, wie Bürgermeister Hannes Holzner (CSU) gegenüber BGland24.de berichtet. „Der Gemeinderat beschloss mehrheitlich, dass er auf Grund unvollständiger oder nicht vorliegender Gutachten nicht abstimmungsbereit sei“, so Holzner. „In der Folge wurde die Sitzung vorzeitig beendet und die Gemeinde erhielt quasi eine Art ‚Freibrief‘, die notwendigen Gutachten und Ergänzungsgutachten in Auftrag zu geben beziehungsweise die Vorgaben dafür entsprechend der Ergebnisse aus der Öffentlichkeitsbeteiligung anzupassen.“

„Warum derart vom üblichen Prozedere abgewichen wird, erschließt sich uns nicht“, fährt Holzner fort. „Es scheint fast, als wollten einige Gemeinderäte damit die Verantwortung auf die Gemeindeverwaltung abwälzen.“ Dies habe auch bedeutet, dass die zahlreich erschienen Besucher der Sitzung nicht erfahren hätten, was konkret die angehörten Anwohner, Behörden und Träger öffentlicher Belange zu dem Projekt zu sagen hatten.

Konflikt um Gewerbegebiet Urwies und Umzug von Obst Maier schwelt schon lange - Unternehmen bezieht Stellung

Schon seit längerem schwelt der Konflikt um die Ansiedlung der Firma Maier im geplanten Gewerbegebiet Urwies in Piding. Es soll auf dem Bereich zwischen Zenzenbach und Wiesbachweg soll an der Teisendorfer Straße entstehen. Kernstück dabei ist eine Umsiedlung der Firma Obst Maier von der Lattenbergstraße dorthin. So soll eine Vergrößerung des Betriebs möglich werden. Der Gemeinderat hatte im März des vergangenen Jahres das Projekt mit dem Beschluss der Änderung des Flächennutzungsplanes und Aufstellung eines Bebauungsplanes auf den Weg gebracht. „Es gibt von Anwohnern eine ganze Reihe von Bedenken, die auf einer digitalen Bürgerversammlung Ende Juni vorgebracht wurden“, so Bürgermeister Holzner, „Darunter, dass das Projekt zu unnötiger Flächenversiegelung führen und auch der Hochwasserschutz verschlechtert würde, sowie dass die Verkehrsbelastung unzumutbar steigen würde.“

Anwohner machten in der Vergangenheit bereits mit Protest-Plakaten ihrem Unmut Luft:

Für Richard Maier, der gemeinsam mit seinem Bruder Hans die Geschäftsführung bei Obst Maier inne hat, gibt es nun „Klärungsbedarf“. Er wolle die Anschuldigungen einiger Teilnehmer nicht einfach so stehen lassen. „Das hat nichts mehr mit einer sachlichen Diskussion zu tun.“ In einer ausführlichen Stellungnahme in E-Mail-Form, die er der Redaktion von BGLand24.de vorlegte, wendet er sich an alle Gemeinderäte und schildert seine Sicht der Dinge. „Die Standortauswahl ist nicht aktiv von uns ausgegangen, sondern die Gemeinde hat uns diesen Standort als einzige Option angeboten.“ Auch ihm sei daran gelegen, nur zu bauen, wenn die Regularien der Gutachten eingehalten würden.

Maier: Stehe für Versammlung zur Verfügung

Er stelle er sich auch gerne für eine Versammlung zur Verfügung, wie sie einige Teilnehmer der Bürgerversammlung forderten. „Ich spiele auch vor den Bürgern mit offenen Karten. Ich verstehe die Debatte um das Gewerbegebiet, aber würde mir wünschen, die Unwahrheiten wegzulassen.“ So weise er die Behauptung, er würde seine Mitarbeiter mit nur einem Euro in der Stunde entlohnen, die bei der digitalen Versammlung laut geworden war, „aufs Schärfste“ zurück. „Alle Mitarbeiter werden gesetzeskonform richtig bezahlt. Sollten solche Falschaussagen nochmals auftreten, werden wir rechtliche Schritte einleiten.“ Die Firma kaufe zudem kein billiges Obst, sondern ausschließlich von zertifizierten Betrieben und Erzeugern, welche hohe Qualitätsstandards einhalten müssen, reagiert er auf eine Spitze aus der Bürgerversammlung.

Der Konflikt, der eigentlich zwischen Urwies und Gemeinde bestehe, werde auf dem Rücken seiner Firma ausgetragen. Grund hierfür sei auch ein mangelnder Informationsfluss zwischen Gemeinde und Bevölkerung: „Der aktuellste Plan beinhaltet nur noch eine Nettofläche von gut 26 000 Quadratmetern für das Gewerbe, der Rest sind Retentionsausgleichs- und Grünflächen. Auch die Abstandsflächen sind breiter. Wir wollen weder einen Schandfleck errichten, noch soll das die Lachnummer von Piding werden.“

„Es müsste eigentlich im mehrheitlichen Interesse der Gemeinderäte sein, dass das Vorhaben erfüllt wird, wenn wir die gesetzlichen Vorschriften einhalten, sonst hätten wir uns diese großen Investitionen sparen können“, so Maier. Er erinnere an ein Treffen mit allen Fraktionsvorsitzenden und den drei Bürgermeistern im vergangenen August, „bei dem der Fahrplan nochmals untermauert wurde“. 48 Mitarbeiter beschäftigt Maier aktuell, diese Zahl hatte Bürgermeister Hannes Holzner in der Bürgerversammlung genannt. In dem Neubau sollen zwischen 70 und 120 Angestellte unterkommen, so die Prognose der Firma. „Wir gehen von circa 70 versicherungspflichtigen Mitarbeitern aus, da wir Ausbildungsplätze dann auch wieder anbieten können. Der gesamte Neubau ist für eine Expansion auf die nächsten Jahre bis zu 120 Mitarbeiter ausgelegt, was natürlich eine Schätzung ist.“ Es sei für einen Betrieb schwierig in die Glaskugel zu schauen, seine Entwicklung hänge immer auch vom Geschäft ab.

Dass die Gewerbesteuerzahlungen infolge der Investitionen nach unten gehen werden, wie einige Bürger vermuteten, sei laut Richard Maier nicht richtig. „Gewerbesteuer werden wir auch in Zukunft bezahlen.“ Ein Teil davon gehe derzeit durch den zusätzlichen Standort in Marzoll nach Bad Reichenhall.  Beim Neubau von 2008 in Piding habe das Unternehmen ebenfalls Abschreibungen gehabt und trotzdem Steuern abgeführt. Auch zum Thema Flächenverbrauch wolle er etwas loswerden: „Wir haben das Vorhaben als ein Gemeinschaftskonzept mit den Milchwerken zusammen eingereicht. Sie wollen das Bestandsgebäude übernehmen, welches sie dringend für ihren Frischdienst benötigen. So wird, anders als wenn wir den Bestand an einen Dritten verkaufen würden, keine zusätzliche Fläche beansprucht.“

Maier: Brauchen Signal für Urwies

Die Angst der Anlieger, dass Lieferanten durchs Dorf fahren, hält Richard Maier für unbegründet: „Unsere Lkw fahren bisher nicht durch Urwies und werden das auch in Zukunft nicht tun – außer ein Wirt in Anger bestellt Ware, dann fahren wir wie seit Jahrzehnten durch Urwies, aber mit einem Fahrzeug am Tag.“ Derzeit würden etwa 45 Lkw täglich bei Obst Maier eintreffen und ebenso verlassen das Gelände an der Lattenbergstraße wieder verlassen. Weiterhin würden fünf Fahrzeuge über die B20 kommen und gehen, der Rest nehme den Weg über die A8. „Dadurch, dass die Kunden immer gleich bleiben, ändert sich das Liefergebiet so gut wie nie. Deswegen bietet sich Urwies auch extrem gut an, da der Weg zur Autobahn ein Katzensprung ist.“

Zu den unterschiedlichen Angaben zum Aufkommen der Lkw im künftigen Gewerbegebiet, die kursieren, führt Maier in seinem Schreiben aus: Vor der ersten Detailplanung waren circa 250 Bewegungen geschätzt. „Wir haben von Beginn an mit maximalen Werten kalkuliert, um auf der sicheren Seite zu sein, dass der Standort dem Verkehr standhält. Wir wollen nichts Grenzwertiges.“ Nach der  Verkleinerung der Planungen habe das Unternehmen exakte Anliefer- und Ausliefervolumen festgelegt, auf die das Immissionsgutachten aufbaut. Erst wenn letzteres final ist, will Maier etwas zu der genauen Höhe sagen. Was jetzt schon sicher sei: Die 250 Bewegungen bleiben voraussichtlich unterschritten  und   die Dezibelwerte  laut Lärmgutachten eingehalten.

„Wir wollen im Nachhinein keinen Riesenärger mit den Anrainern, oder dass uns das Projekt auf den Kopf fällt. Wenn wir bauen, bauen wir was Gscheids. Dazu brauche ich aber ein klares Signal, ob mit Urwies zu rechnen ist oder nicht“, so Maier, Vor allem das Hochwassergutachten sei für ihn ausschlaggebend. Wenn das negativ ausfalle, müsse man sich nach anderen Alternativen umschauen, „auch wenn wir in Piding unsere Wurzel haben und die nicht versetzen wollen.“

hs

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