Umwelt und Verkehr: Kritik an Gesteinsabbruch

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Für den rot markierten Bereich plant die Firma Aicher die kommenden Abbrucharbeiten. Direkt südwestlich davon wird auch jetzt schon Gestein abgebaut.
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Schneizlreuth - Fast fünf Millionen Kubikmeter Gestein will die Firma Aicher in den nächsten 50 Jahren am Poschberg abbauen. Kritiker befürchten weit mehr als "nur" ein Verkehrschaos.

Die Pläne von Max Aicher klingen außerordentlich: Am Poschberg, entlang der B21, zwischen Unterjettenberg bei Schneizlreuth und Bad Reichenhall soll ein Pumpspeicherkraftwerk entstehen. Für das dazugehörige Unterbecken muss jede Menge Gestein aus dem Poschberg heraus: Geschätzte 4,7 Millionen Kubikmeter in den kommenden 50 Jahren. Zuerst sogenanntes Lockergestein, dann die Sprengung von Ramsaudolomit. Das Raumordnungsverfahren wurde bei der Regierung von Oberbayern dafür im März bereits eingeleitet.

Thema bei Räten in Bad Reichenhall und Piding

Doch die Pläne treiben Bürger und Gemeinden um: Der Stadtrat in Bad Reichenhall wird sich am Dienstag mit dem Thema beschäftigen, der Gemeinderat in Piding am Mittwoch. Für mögliche Einsprüche drängt die Zeit: Noch bis zum 17. April kann bei der Regierung von Oberbayern eine "Stellungnahme" zu den Bauarbeiten abgegeben werden. Nun werden auch Bedenken laut, die ein Verkehrschaos in der Region befürchten.

"Bei der angestrebten Jahresabbaumenge von über 94.000 Kubikmeter stellt sich die Frage über welche Route dies abtransportiert und an welcher Stelle dies (weiter-)verarbeitet und verladen wird. Die bisherigen Überlegungen mit einer Verladung in Piding auf die Schiene stehen damit noch immer im Raum", so die "Interessengemeinschaft Chance für Piding". Und es geht um mehr, als "nur" um den Verkehr: "Die erforderlichen Sprengungen, Transporte und die Stromtrasse würde nicht allein im Staatsbad Bad Reichenhall zu weiteren Belastungen für Anwohner und Feriengäste führen. Nicht nur das Orts- und Landschaftsbild würde beeinträchtigt, sondern auch die Gesundheit der Anwohner gefährdet."

Abgebrochen wird auch in Biotopflächen

Doch prinzipiell ist auch der Regierung von Oberbayern das Problem wohl bewusst. Die Fläche läge in einem "ökologisch äußerst empfindlichen Landschaftsraum und ist bewaldet. Der Großteil der Fläche ist als Biotopfläche kartiert." Doch Abbrucharbeiten durch die Firma Aicher werden auch momentan dort schon durchgeführt: Direkt neben dem geplanten Abbruchgebiet liegt ein jetzt schon betriebenes Abbaugelände in der "Rotofenrinne", in dem nach bis 2022 nach Lockergestein gegraben wird.

Gefahr für Trinkwasserquellen?

Bedenken gibt es nicht nur in Piding und Bad Reichenhall, sondern auch im Schneizlreuth: Anwohner aus dem Gemeindeteil Baumgarten, nur wenige hundert Meter von den Abbruchgebieten entfernt, befürchteten bereits ein Versiegen ihrer Trinkwasserquellen am Poschberg oder dass der Lauf der Quelle durch die Sprengungen verändert werden könnte. Ohne Zuleitung können die Anwohner dort nicht von der Gemeinde versorgt werden, daher sind die Betroffenen auf die Poschberg-Quelle angewiesen.

xe

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