Grüne kritisieren Landesgartenschau-Konzept in Bad Reichenhall

"Alles dreht sich nur um Max Aicher"

+
Sprecher des Kreisverbandes Sprecher der Grünen im Ortsverband Piding
  • schließen

Piding - Bad Reichenhall hat beschlossen, sich um die Ausrichtung der Landesgartenschau 2022 zu bewerben. Nicht zuletzt wegen einer Finanzierungszusage von Max Aicher. Die Grünen kritisieren die Vorgehensweise:

"Es ist einfach nur grotesk", so Bernhard Zimmer im Gespräch mit BGLand24.de und fährt fort: "Kaum ist die finanzielle Zusage von Max Aicher an die Laga 2022 veröffentlicht, wird nur noch positiv über dieses Engagement geschrieben. Hier ein Porträt in der Süddeutschen Zeitung, dort eine Seite im Tagblatt. Max Aicher möchte die Landesgartenschau 2022 nach Bad Reichenhall holen. Aber neben allem finanziellen Engagement - wo bleibt die inhaltliche Diskussion?"

Wie kommt es zu dieser Kritik?

Ende 2016 diskutierte der Stadtrat Bad Reichenhall, ob sie für Traunstein in die Bresche springen sollen, wo ein Bürgerentscheid die Ausrichtung der Landesgartenschau 2022 gekippt hat. Nach zahlreichen Diskussionen entschied sich der Stadtrat im Januar 2017 für die Bewerbung, nicht zuletzt aufgrund einer spontanen finanziellen Unterstützung, die seitens Max Aicher dem Stadtrat angeboten wurde. 

Mittlerweile ist die Planung für den Auftrag an ein, in punkto Landesgartenschau, erfahrenes Planungsbüro in Berlin vergeben. Plancontext hat in der Vergangenheit sowohl in Neu-Ulm, in Bayreuth und in Bamberg erfolgreiche Ausstellungskonzepte entwickelt

Knapper Zeitplan

Bernhard Zimmer von den Grünen (Sprecher des Kreisverbandes Sprecher im Ortsverband Piding, Gemeinderat sowie 3. Bürgermeister in Piding) kritisiert die Vorgehensweise und die Darstellung des Engagements von Max Aicher. 

BGland24.de hat den Grünen Politiker zu seiner Kritik befragt, der zunächst die Vorgeschichte ein wenig zusammenfaßt:

"Die Zeit ein tragfähiges Bewerbungskonzept zu entwickeln war knapp, weil die Landesgartenschau 2022 ja bereits zum zweiten Mal ausgeschrieben werden musste. Traunstein hat nach verlorenem Bürgerentscheid zurückziehen müssen. Aufgrund der drängenden Zeit war klar, dass nur wenige Kommunen das Wagnis eingehen und eine Bewerbung abgeben würden. Der Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen mbH war auch klar, dass die Zeit zur Planung und Vorbereitung einer Landesgartenschau sehr knapp bemessen ist und man sich entschlossen ausnahmsweise für 2022 auch Bewerbungen für eine sogenannte „kleine Gartenschau“ zuzulassen. Diese gibt es eigentlich immer nur in ungeraden Jahren. 2017 übrigens in Pfaffenhofen an der Ilm", so Zimmer im Gespräch mit BGLand24.de. Und ergänzt:

Kleine oder große Gartenschau?

"Ideengeber und Motor der LaGa in Bad Reichenhall, der Aicher Max hält davon nichts, denn 'warum soll ich mich um eine kleine Schau bewerben, wenn eine Große möglich ist' war seine Antwort auf meine Frage an ihn. Das von den Planern dem Stadtrat vorgelegte und letztlich eingereichte Bewerbungskonzept orientiert sich auch deutlich mehr an den Zielen des Aicher Max (Auentunnel, Predigtstuhl) als an den Zielen einer Landesgartenschau, wie sie von der Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen mbH vorgegeben sind", kritisiert Zimmer. Und fährt ergänzend fort:

"Im Stadtrat war man sich nicht einig, ob eine Landesgartenschau 2022 zu schaffen sei. Am Ende gab es sogar einen fraktionsübergreifenden Antrag, die Stadt solle sich für 2026 bewerben. Das wollte Max Aicher nicht und weil es am Ende immer auch um viel Geld und finanzielles Risiko für die Kommune geht, warf er den Köder 'Ausfallbürgschaft' aus. Das brachte die Wende mit dem Ergebnis: Sondersitzung des Stadtrates am Samstag, den 14.01.2017, Mehrheitsbeschluss mit vier Gegenstimmen und am Sonntag ging die Bewerbung per Bote nach München, weil die Bewerbungsfrist am 15.01.2017 endete. 

Dem Einen oder Anderen mag an diesem Wochenende ein Lied von Fredl Fesl in den Sinn gekommen sein, das Fussballlied in dem es am Ende heißt: 'für Geld das kann man Vieles kaufen, auch Leute, die dem Ball nach laufen'. Natürlich, am Ende geht es immer auch ums Geld, aber wo war eigentlich der Anfang? Wo und wann hat denn die inhaltliche Diskussion um das Ausstellungskonzept von „plancontext“ stattgefunden? Was steht denn drin im Bewerbungskonzept? Ist der Auentunnel nun Bestandteil der Bewerbung oder nicht? Was ist denn geplant am Predigtstuhl? Wie sieht denn das Verkehrskonzept aus? „Egal wo wir waren, überall haben die Jurymitglieder viele Fragen gestellt und waren sehr interessiert“ wird der OB Dr. Lackner im Bericht zum Besuch der Gartenbau-Jury zitiert. Das ist klar, denn es sind noch so wahnsinnig viele Fragen offen. Wer sie stellt, der ist derzeit allerdings ein 'Neinsager'".

Im Interview mit BGland24.de

Herr Zimmer, Sie kritisieren, dass immer nur über den "Macher Max Aicher" berichtet wird, warum? 

Das hört sich fast an, als wollte ich die Berichterstattung kritisieren. Nein das tue ich nicht.

Ich stelle fest, dass wo immer über die Landesgartenschau 2022 in Bad Reichenhall berichtet wird ein Name unweigerlich auftaucht: Max Aicher. Ich stelle ferner fest, dass es in der heißen Phase der Bewerbung, kurz vor dem Besuch der Jury vor Ort, eine intensive Berichterstattung über den Initiator der Gartenschau in Bad Reichenhall gab. 

Kernaussage: der Promotor Max Aicher ist Garant für wirtschaftlichen Erfolg der Landesgartenschau auch der Entwicklung der Stadt Bad Reichenhall, wenn man ihn denn nur machen lässt. 

Max Aicher hat sich ins Zentrum der Diskussion um die Gartenschau gestellt, formuliert klar seine Visionen und Projekte in Bad Reichenhall: gegenüber der Süddeutschen Zeitung eben auch Dolomitabbau und Pumpspeicherwerk. Eine inhaltliche Diskussion um wesentliche Kernpunkte im Bewerbungskonzept Landesgartenschau 2022 findet dadurch nicht statt. 

Ein Beispiel? Am Predigtstuhl sind alle durch die Landesgartenschau überplanten Flächen als überegional bedeutende Biotope kartiert. Das wäre in der Tat einmalig in der Geschichte der Landesgartenschauen, widerspricht vollständig den Zielen einer Landesgartenschau, wird aber überhaupt nicht diskutiert. Was hat sich ein renommiertes Planungsbüro dabei gedacht? Wie soll ein Umweltministerium hier einen Zuschlag geben ohne hausinterne Konflikte zu generieren? 

Sie sehen, alles dreht sich um Max Aicher, aber wo bleibt die inhaltliche Auseinandersetzung? Wer mitten in der Biosphärenregion Berchtesgadener Land der Diskussion um wertvolle Biotope Raum geben will, ist kein „Neinsager“, sondern hat den Blick auf das „Große Ganze“ noch nicht verloren. 

Lesen Sie in einem weiteren Artikel auf BGLand24.de, die Fortsetzung unseres Interviews und welche konkreten offene Fragen seitens der Grünen noch immer unbeantwortet sind.

Zurück zur Übersicht: Piding

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser