Die FWG Piding bei den Milchwerken

FWG: Von der Wiese bis zum Tetrapack

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Die FWG Piding bei den Milchwerken

Piding - Die FWG Piding bei den Milchwerken - Die FWG Piding hat sich auf dem Unterinneberger Hof in Piding über die Milchproduktion der Bauern in Piding erkundigt.

Kürzlich informierte sich die FWG Piding auf dem Unterinneberger Hof in Piding über die Milchproduktion der Pidinger Bauern. Um den Weg der Milch nun konsequent weiter zu verfolgen, nahm die FWG Piding das Angebot der Molkerei gerne an, auch die Verarbeitung näher zu beleuchten. So empfing Geschäftsführer Bernhard Pointner persönlich die FWG-ler zu einer Führung durch den Betrieb, der sich gerade einmal wieder im Aufbruch befindet.

Die Besichtigung startete in der 2013 fertig gestellten Kfz-Werkstatt- und Waschhalle für die betriebseigenen Fahrzeuge, führte dann in das neue Logistikzentrum. Die Bautätigkeit konnten die Pidinger ja im vergangenen Jahr live beobachten. Nun ist der Bau fertig gestellt und befindet sich zusammen mit dem angrenzenden neuen Hochregallager im Testlauf. Im Mai soll dort der Betrieb aufgenommen werden. Die Bauprojekte waren dringend nötig geworden, nachdem aufgrund von Platzmangel im Lager zeitweise sogar die Produktion eingestellt werden musste. „Unsere Frischprodukte können wir halt nicht einfach auf den Hof stellen“, erklärte Pointner.

Die Erweiterung war eigentlich von langer Hand geplant. Bernhard Pointner erläuterte den Besuchern den Investitionsplan des Betriebes, der 2009 mit dem Bau des neuen Labors und Verwaltungsgebäudes begann und bis 2020 abgeschlossen sein soll. Im gesamten Zeitraum sind Investitionen in Höhe von 75 Millionen Euro geplant. In den letzten vier Jahren wurden bereits 100 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Mit der neuen Kfz-Werkstatt- und Waschhalle wurde bereits der erste Schritt zur räumlichen Entzerrung des Betriebsgeländes getan. Der Bau der neuen Verladehalle kam jedoch für die Molkerei letztlich zwei Jahre zu spät. Bei der Baugenehmigung kam es trotz Erfüllung aller Auflangen durch Proteste eines Anwohners zu einer langen Verzögerung. Doch schließlich fand sich ein Weg zur Einigung und der Bau ist nun kurz vor der endgültigen Inbetriebnahme.

Pointner führte die Besucher durch die neue Verladehalle, die nun mit einer Kapazitätsverdopplung für die Zukunft gerüstet ist. Da eine Erweiterung des Baus voraussichtlich nicht mehr möglich sein wird, musste hier höchst vorausschauend geplant werden. Die ganze Halle ist zur Verwunderung der Anwesenden mit kleinflächigen Fliesen ausgelegt. Dies erklärt Pointner so: „Wir benötigen hier spezielle, säureresistente Fliesen. 10.000 Quadratmeter wurden deshalb von einem Betrieb aus Münster verlegt. Alle Arbeiten, die von ortsansässigen Firmen geleistet werden konnten, wurden auch an Betriebe aus dem Landkreis vergeben. Trotzdem bescherte die Molkerei den Pidinger Tourismusbetrieben etwa 4000 Übernachtungen von auswärtigen Arbeitern. Sollte also Piding für 2013 einen überraschenden Anstieg im Tourismus verzeichnen“, so Pointner schmunzelnd, „sind wahrscheinlich wir dafür verantwortlich.“

Noch mutet der Neubau von außen riesig an. Die Molkerei kam der Gemeinde bei der Planung der Höhe jedoch entgegen. Und auf die Außenwand wird, darauf legt Pointner besonderen Wert, abschließend noch eine Spezialbeklebung mit Landschaft und Himmel aufgebracht, um das Gebäude mit der Umgebung verschmelzen zu lassen. Schließlich ist auch der Einfahrtsbereich der Molkerei mit der Natursteinmauer und der urigen Almhütte durchaus ansehnlich gestaltet und wird sogar von manchem gerne als Fotomotiv genutzt.

Auch der Lärmentwicklung wird im Konzept der Molkerei Rechnung getragen. Alle geräuschintensiven Betriebsteile liegen im Inneren des Geländes, Lager, Labor und Sozialräume dagegen außen. So könne die Geräuschbelastung der Nachbarschaft gut unterhalb der erlaubten Grenzwerte gehalten werden.

Im Anschluss an die Verladung konnten die FWG-ler einen Blick in eine der drei Produktionshallen werfen. Auch diese sollen, sobald die LKW-Rampen umgezogen sind, noch einmal ausgebaut werden. Denn auch hier läuft der Betrieb bereits am Limit. Wie Molkereimeister Bernhard Staller erklärt, würden derzeit von den 351 Mitarbeitern jährlich bereits 253 Millionen Kilogramm Milch verarbeitet. Die so erzeugten 260 Millionen Verpackungseinheiten würden aneinander gereiht fast einmal um die ganze Welt reichen.

Obwohl diese Zahlen für den Zuhörer immens erscheinen, erreiche die Molkerei Piding dennoch bei voller Auslastung lediglich einen deutschlandweiten Marktanteil von 0,8%. Umso wichtiger ist für die Berchtesgadener Molkereiprodukte die strenge Orientierung an bester Qualität. Nur so könne man sich am Markt behaupten.

Die strikten Vorgaben, die von den 1700 Bauern der Genossenschaft mitgetragen werden, machen sich bezahlt. So wird bei der Fütterung auf gentechnikfreiem Futter bestanden und hauptsächlich Gras, Silage und Heu gefüttert. Die Bauern werden in Homöopathie geschult, um den Einsatz von Antibiotika auf ein Minimum zu reduzieren und es gibt eine neue Kooperation mit dem Salzbergwerk, deren Salz die aluminiumhaltigen Industriesalze ablöst. Zusammen mit anspruchsvollen Verarbeitungstechniken und ausgewählten Zusätzen (z. B. Fruchtzubereitungen von Darbo) ergeben sich so Produkte, die inzwischen europaweit von ernährungsbewussten Konsumenten geschätzt werden.

Ziel sei, so Pointner, keine Gewinnmaximierung zu betreiben, sondern durch die effiziente Vermarktung hochwertigster Produkte eine möglichst hohe Marge an die Landwirte weiterzureichen, um deren Existenz auch für die Zukunft zu sichern. Denn ohne die Einführung der hochpreisigen Marke „Bergbauernmilch“ vor einigen Jahren könnten für die Bauern in den abgelegeneren Teilen des Landkreises nicht die derzeitigen Milchpreise erzielt werden. Die Milchwirtschaft wäre dort längst unrentabel geworden.

Viele weitere Informationen ließen die Besucher staunen, die hier den Rahmen sprengen würden. Abschließend fand man sich im Seminarraum ein, wo bei einer zünftigen Brotzeit noch Zeit für eine kleine Diskussionsrunde blieb.

Hier sprach Georg Dufter die angespannte Finanzsituation der Gemeinde an und bat Pointner, die Heimatgemeinde der Molkerei z.B. durch Sponsoring der Vereine mehr zu unterstützen. Wolfgang Koch warb ebenfalls für das Anliegen. Pointner nutzte die Gelegenheit den Anwesenden darzulegen, dass die Molkerei bereits seit einiger Zeit zunehmend Mittel zur Unterstützung der Vereine zur Verfügung stelle. Bisher hätten es die Empfänger jedoch versäumt, dies der Öffentlichkeit publik zu machen. „Unsere guten Taten sind im Geschäftszimmer des Bürgermeister geblieben“, so Pointner.

Einer Anfrage von Birgit Hoffmann, ob die Molkerei nicht wieder die Versorgung der Schule mit Schulmilch übernehmen könne, musste von Pointner leider abschlägig beschieden werden. Aufgrund des Scheiterns eines von der Schule geforderten Mehrwegsystems habe sich die Molkerei bereits vor Jahren aus dem Geschäftszweig zurückgezogen und habe derzeit keine geeigneten Produkte im Angebot. Während die konventionellen 400 Milliliter Packungen zu groß und damit nicht förderfähig seien, seien die 250 Milliliter Biomilch-Packungen für den Schulbetrieb zu teuer.

Josef Dendl erkundigte sich nach der Situation in der Wasserversorgung. Schließlich ist die Molkerei derzeit der größte Abnehmer und sichert mit der hohen Wasserabnahme den Wasserpreis in der Gemeinde. Laut Pointner funktioniere die Versorgung seit dem Einbau der neuen Filtration sehr gut. Es gäbe bisher keinerlei Engpässe.

Franz Geigl regte an, den Vorstand der Molkerei auch in die Abwasserentsorgung besser einzubinden. Er werde einen entsprechenden Vorschlag erneut beim Abwasserzweckverband einbringen.

Bürgermeisterkandidat Walter Pfannerstill regte einen intensiveren Austausch mit der Gemeinde an. Ihm liegen die Bedürfnisse der Pidinger Betriebe sehr am Herzen. Deshalb erkundigte er sich nach dem derzeitigen „Draht“ zum Bürgermeister. Gespräche fänden, so Pointner durchaus immer wieder einmal statt. Die Informationen würden jedoch oft nicht bis in die Entscheidungsgremien weitergetragen.

Auch Vorstand Andreas Argstatter wünschte sich eine bessere Information der Gemeinderäte vor Entscheidungen, die die Molkerei betreffen. Er selbst dürfe nicht mit Abstimmen, könne jedoch wertvolle Entscheidungshilfe geben. Bisher erhielte er jedoch dazu keine Gelegenheit.

Auf Nachfrage von Susanne Scholze zum Thema Energieversorgung bestätigte Pointner Überlegungen zum Aufbau einer eigenen Energieversorgung. Dies sei in Planung. Endgültige Entscheidungen gebe es derzeit jedoch noch nicht. Hier wird die FWG Piding in Zukunft vermehrt das Gespräch suchen. Seines ihrer Ziele ist schließlich die Energieversorgung im Piding durch umweltgerechte und nachhaltige Projekte zu sichern. Dazu ist die Einbindung des größten Pidinger Betriebes unerlässlich.

Auf die Frage von Sandra Fraaz zu Einkaufsmöglichkeiten im Molkereivertrieb, verwies Pointner auf die Fertigstellung der neuen Anlagen. Sobald hier der Betrieb aufgenommen sei, werde die Molkerei vermehrt Führungen für Privatpersonen anbieten. Denn durch Print- oder Fernsehwerbung sei der Qualitätsgedanke der BGL-Milch nicht zu transportieren. Hier wolle man vermehrt auf den persönlichen Kontakt setzen. Im Anschluss an Führungen wolle man den Gästen dann auch die Möglichkeit zum Einkauf geben. Dies werde in den neuen Räumen des Frischdienstes möglich sein. Diese Einrichtung komme dann auch den Pidingern zugute. Sie könnten die heimische Milch dann auch vor Ort erstehen. Christian Kleinert regte daraufhin noch eine Zusammenarbeit mit der BGL Tourismus GmbH an, die Gäste für die Führungen werben könne.

Josef Dendl bedankte sich beim Vorstand für die gelungene und informative Führung und wünschte für die Zukunft viel Erfolg.

Bernhard Pointner bedankte sich im Gegenzug für das Interesse und hoffte, dass durch die offenen Gespräche so mancher Argwohn aus der Welt geschafft sei. Man werde für Anliegen der Pidinger Bürger immer ein offenes Ohr haben.

Pressemeldung FWG Piding

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