"Die Partei" gründet Kreisverband Berchtesgadener Land

"Wir wollen nicht die sein, die gegen alles sind"

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Florian Wehner ist neuer Kreisvorsitzender der Partei „Die Partei“. Der Kreisverband Berchtesgadener Land wurde kürzlich in Piding gegründet.

Piding - Die Vorbereitungen laufen seit Januar, nun hat Florian Wehner mit weiteren Mitstreitern aus Berchtesgaden, Ainring, Saaldorf-Surheim und Teisendorf im Staufeneck in Piding den Kreiverband Berchtesgadener Land der Partei "Die Partei" gegründet. 

Bei den Mitgliedern, der Großteil bestehend aus jungen Leuten, möchte man "auf sich aufmerksam machen." Gerne auch mal mit provokanten Themen. "Eine Gaudivorstellung soll es aber nicht werden", prophezeit er. 

Florian Wehner ist Mitte 30. Er steht fest im Leben, hat Frau und zwei Kinder. Wehner kommt aus Piding, er arbeitet für einen großen Industriebetrieb als Qualitätsmanager. Dort war er bereits im Betriebsrat. Er hat also Erfahrung damit, sich einzusetzen, wenn es brennt. Politisch interessiert ist Wehner zudem schon seit langem, politisch aktiv war er bis vor Kurzem aber noch nicht. „In den letzten Jahren stieg mein Interesse am politischen Geschehen“, sagt er. Denn eigentlich komme man gar nicht drum herum, wegzusehen. Kein Interesse zu zeigen, wertet er als Stillstand „Trump, GroKo, die Türkei – das sind alles wichtige Themen, über die man reden muss.“ 

Für Wehner war irgendwann also der Zeitpunkt gekommen, einer Partei beizutreten. Am Ende wurde es „Die Partei“. Die Anfangsbuchstaben stehen für „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative.“ Gegründet wurde die Kleinpartei 2004 von Mitgliedern der Titanic-Redaktion, deren bekanntestes Mitglied Parteivorsitzender und ehemaliger Titanic-Chefredakteur Martin Sonneborn ist. Bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr erreichte „Die Partei“ 1 Prozent der Zweitstimmen und ist damit, nach den Freien Wählern, zweitstärkste außerparlamentarische Kraft. „Wir haben also eine Rolle gespielt“, sagt Florian Wehner und lächelt. Das Erreichen eines guten Ergebnisses sei natürlich auch wichtig, weil es dadurch Parteienfinanzierung gegeben habe. 

Wehner unterstützt das Parteiprogramm der „Die Partei“, auch, wenn so manche These überspitzt sei oder provoziere. So ist das Parteiprogramm seit der Gründung 2004 unverändert und, wenn es nach Gründer Sonneborn geht, an das Grundsatzprogramm von Bündnis 90/Die Grünen angelehnt. Daneben existieren verschiedene regionale Thesen und Forderungen, die nur informell zwischen den Mitgliedern ausgetauscht oder im Wahlkampf eingesetzt werden, daher nicht immer aus dem Programm abgeleitet oder auch mit diesem vereinbar sind. 

Für Florian Wehner macht das „Die Partei“ gerade interessant. Und deshalb war der Entschluss, einen Kreisverband zu gründen, auch schnell besiegelt. „Ich habe mich in meinem Bekanntenkreis umgehört. Da gab es einige, die schnell Feuer und Flamme waren und mitmachen wollten“, sagt er. Die meisten der Kreisverband-Gründungsmitglieder sind Studenten, der Altersdurchschnitt bewegt sich bei unter 30 Jahren. Markus Gadenz ist zu Wehners Stellvertreter ernannt worden, der Schatzmeister im Kreisverband ist Andreas Huber. Wehner sagt, dass man als Team lokale Themen aufgreifen, sich ein bisschen einmischen wolle, auch im Hinblick auf die nächsten Wahlen. 

Volksentscheide als wichtiger Punkt

Um aus der Masse herauszustechen, bewegt man sich innerhalb der „Die Partei“ auf unüblichen Wegen, wenn man sich das letztjährige Regierungsprogramm vergegenwärtigt: der Tierschutz wird dort aufgeführt, die Eliteförderung, aber auch Punkte wie die Bierpreisbremse, der „Artenschutz für die Grünen“ oder „Der Russe ist an allem schuld“. „Man muss nicht mit allem übereinstimmen“, sagt Florian Wehner, „Die Partei“ wolle nun mal provozieren. Regelmäßig wolle man sich treffen, über „Themen beraten, die die Leute bewegen“, sagt er. Das Ziel sei, sich auch zu Wort zu melden, anders könne man keine Relevanz in der Öffentlichkeit erlangen. 

Wehner ist sich aber auch im Klaren, dass „wir nicht die sein wollen, die grundsätzlich gegen alles sind.“ Ganz im Gegenteil: Eine große Bedeutung nehmen seiner Ansicht nach Volksentscheide ein. „Das ist ein wichtiger Punkt, dem man viel Aufmerksamkeit schenken muss“, sagt er. Denn die Meinung der Bürger sei wichtig. 

Zweimonatlich wolle man sich mit den Kreismitgliedern nun treffen, der Hauptkontakt erfolgt über Threema, eine Plattform vergleichbar mit WhatsApp. „Dort kann jeder sein Anliegen reinschreiben, wir werfen uns Themen zu, beraten uns dann über das Smartphone.“ Das funktioniere einwandfrei. Auf eine eigene Homepage werde man in der nächsten Zeit erst einmal verzichten. „Dafür haben wir eine Facebook-Seite ins Leben gerufen.“ Über diese wolle man ebenfalls kommunizieren und sich zu bestimmten Themen äußern, so der Kreisvorsitzende. Das nächste Treffen findet in Berchtesgaden statt. „Da erscheinen wir dann auch in unserem parteitypischen Dresscode“, sagt Wehner und schmunzelt dabei. Mitglieder der Partei „Die Partei“ tragen in der Regel einen funktionellen dunkelgrauen Vollpolyesteranzug eines großen Kleidungshändlers. Dieser ist ausschließlich dort im Set mit Weste und zwei Hosen zu bekommen. Dazu wird ein blaues Businesshemd mit einer roten Krawatte getragen.

Kilian Pfeiffer

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