FWG: Von der Wiese zum Tetra Pack

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v.l.: Patrick Goldbrunner, Hubert Diesbacher, Bürgermeisterkandidat Walter Pfannerstill, Manfred Beranek, Josef Dendl, Georg Dufter, Bärbel Schöndorfer, Bernhard Staller, Georg Schöndorfer, Sandra Fraaz, Cem Öztunc, Brigitte Kagleder und Josef Haiker, Franz Geigl und Christian Kleinert. Vorne: Linda und Tanja Fraaz.

Piding - Die Freie Wählergemeinschaft informiert sich über die Situation der Landwirte und besuchte den Unterinneberger Hof der amtierenden Gemeinderätin Bärbel Schöndorfer.

Als Lebensmittelerzeuger und Landschaftspfleger sind die Landwirte für Piding von zentraler Bedeutung. Daher finden sie auch einen angemessenen Platz im Wahlprogramm der FWG Piding. Um sich ein genaues Bild von der aktuellen Lage in der Landwirtschaft zu machen, besuchte eine Abordnung der FWG Piding den Unterinneberger Hof der amtierenden Gemeinderätin und Ortsbäuerin Bärbel Schöndorfer. Die freute sich, ihre Beweggründe für ihre strenge Meinung zum Flächenverbrauch einmal aus ihrem Alltag heraus schildern zu können. 

Zwei Jahre stressige Bauphase in Eigenleistung 

Tatsächlich gab es viel zu erläutern. Bauer Georg Schöndorfer führte zunächst einmal zum neuen Stallgebäude, das nicht, wie man vermuten könnte ein staatlich geförderter Neubau ist. Durch Zufall ergab sich nämlich die Möglichkeit, von der Flughafengesellschaft des Münchner Flughafens einen bestehenden Stall zu ersteigern, der auf dem Gelände der geplanten 3. Startbahn abgerissen werden sollte. Es begann ein Wettlauf mit der Zeit, denn zeitgleich mit der Abgabe eines Gebotes musste die Planung abgeschlossen, der Bau genehmigt und die Finanzierung geregelt sein. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Kaufs musste die Familie den Aufbau des Stallgebäudes aus finanziellen Gründen in Eigenleistung bewerkstelligen, da es für ein gebrauchtes Gebäude keine Förderung gab. Nach zwei Jahren ist die Bauphase nun endlich beinahe abgeschlossen.

Die FWG-ler durften den besagten Bau nun von innen begutachten und lernten dabei viel über die aktuelle Situation unserer Milchbauern. Der früher isolierte Stall wurde in offener, gut belüfteter Bauart wieder aufgebaut, denn Kühe mögen es am liebsten kühl. Und so konnte man dem deutschen Fleckvieh das Wohlbehagen deutlich ansehen. Während der Besichtigung wurde eifrig am gentechnikfreien, einheimischen Futter genascht und manche Kuh gönnte sich eine ausgiebige Massage an der vollautomatischen Bürste.

In der Tat haben die ca. 70 Milchkühe und die weiblichen Nachzuchtkälber auf dem Unterinneberger Hof hohen Komfort mit Familienanschluss. Wie Schöndorfer betonte, gehe er selbst nicht gern zum Arzt, sei hingegen eine der Kühe krank, werde sie sofort tiermedizinisch versorgt.

Trotz allem sei der betriebswirtschaftliche Druck natürlich hoch. Deshalb würden große Maschinen nicht mehr selbst angeschafft, sondern Arbeiten wie das Einbringen der Gras- und Maissilage durch Dienstleister erledigt. Daher kämen auch die manchmal unkonventionellen Zeiten zu denen geschnitten wird. Sie ergeben sich durch die engen Schönwetterfenster und die Terminplanung der jeweiligen Dienstleister. Da müsse man eben jede Gelegenheit nutzen, so Schöndorfer.

Aufgrund teurer landwirtschaftlicher Flächen zu klein für einen Biohof

Die Schöndorfers erhalten in der konventionellen Landwirtschaft einen Milchpreis von knapp über 40 Cent netto pro Liter. Ihr Hof unterscheidet sich kaum von Bernhard Stallers Biohof am Högl. Die Umstellung auf Bio scheiterte jedoch an der fehlenden Fläche. Für die Anerkennung als Biohof wären 1,8 Großvieheinheiten je ha gefordert. Dies könnten Schöndorfers nur erfüllen, wenn sie Fläche zukaufen oder –pachten könnten. Und hier kommt Bärbel Schondörfer nun auf ihr Herzensanliegen zu sprechen. Mit Preisen von bis zu 25 Euro pro Quadratmeter landwirtschaftliche Fläche sind in Piding aufgrund reger Kauftätigkeit die Flächen für Bauern mittlerweile unerschwinglich. Im Vergleich liegen die Preise in Franken z.B. bei 3 Euro pro Quadratmeter.

Auch Pachtflächen sind im Umkreis aufgrund der starken Nachfrage der Biogasanlagen für Milchviehbetriebe kaum mehr zu bekommen.

Ein bisschen Luxus muss sein

Im Anschluss an die Besichtigung des Stalls, wurde das Melkhaus unter die Lupe genommen. Mussten die Schöndorfers vor dem Bau noch bis zu vier Stunden täglich mit melken verbringen, lässt sich in der neuen Anlage die ganze Prozedur auf zwei Stunden reduzieren. Hier kommt das Vieh aus dem Laufstall in den Melkstand, der 16 Tieren gleichzeitig Platz bietet. Wie in einer Autowerkstatt gibt es eine Grube, von der aus – mit beheiztem Fußboden, denn ein bisserl Luxus darf um 5.30 Uhr morgens schon sein – man die Euter mit den Melkzeugen bequem erreichen kann. Ein großer Tank nimmt die Milch bis zur Abholung durch die Molkerei alle zwei Tage auf. 

Die Frage nach dem Milchmengen trifft bei Bauer Schöndorfer auf offene Ohren. Er hat sich zur Zucht von deutschem Fleckvieh entschieden. Diese Rasse liefert zwar nicht die Höchstmengen an Milch, ist jedoch robust und auch gut zur Zucht und Fleischproduktion geeignet. Es wird größter Wert auf die Langlebigkeit der Tiere gelegt. Die dienstälteste Kuh im Stall ist derzeit 13 Jahre alt. Durchschnittlich liegt die Milchleistung zwischen 8000 und 9000 Kilogramm pro Jahr. Stierkälber und Jungkühe werden über den Zuchtverband in Traunstein vermarktet. Das wiederum sichert die finanzielle Lage auf dem Hof. Georg Schöndorfer ist sichtlich stolz, dass die Hofnachfolge gesichert ist: „Als Landwirte sind wir nur Fackelträger. Wir werden nicht reich dabei, aber unser größter Erfolg ist, einen gesunden Betrieb an die nächste Generation weitergeben zu können.“

Bürgermeisterkandidat Walter Pfannerstill bedankte sich für die interessante Führung. Sein Fazit: „Wir alle wünschen uns Lebensmittel mit höchster Qualität. Der beste Weg dazu ist, die Erzeuger vor Ort, unsere Landwirte, zu unterstützen und ihren Fortbestand durch den Erwerb regionaler Produkte zu sichern.“

Pressemitteilung Freie Wählergemeinschaft Piding

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