Generalversammlung der Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG

Heimische Molkerei geht gestärkt aus der Milchkrise 2016

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Piding: Am vergangenen Montag fand traditionell die Generalversammlung der Molkereigenossenschaft Berchtesgadener Land im inzwischen neu sanierten Kurhaus Berchtesgaden statt.

464 der 1733 Landwirte und gleichzeitig Eigner der Molkerei waren der Einladung gefolgt und konnten sich am Nachhaltigkeitsmarkt im Foyer und bei den anschließenden Reden von Aufsichtsratsvorsitzendem, Vorstandsvorsitzendem und Geschäftsführung aus erster Hand über das zurückliegende Milchwirtschaftsjahr allgemein sowie speziell der eigenen Molkerei informieren.

2016 führte die Molkerei die Milchpreistabelle das gesamte Jahr mit durchschnittlich 39,85 Cent brutto an. Zu Recht hatte man daher mit „Faire Preise für die Bauern, beste Milch auf Ihrem Tisch!“ den Milchpreis in den Focus der Markenkommunikation gestellt und die Verbraucher von der Fairness gegenüber den Landwirten informiert.

Der Umsatz der Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG betrug im vergangenen Geschäftsjahr 217 Millionen Euro, es wurden über 300 Millionen Kilogramm Milch entlang des Alpenkamms zwischen Watzmann und Zugspitze erfasst und am einzigen Standort in Piding verarbeitet.

Aufsichtsratsvorsitzender Josef Siglreithmayr begrüßte die Mitglieder im Kurhaus in Berchtesgaden. Er sei stolz auf die Molkerei, die das vergangene schwierige Milchjahr nicht nur gut überstanden hat, sondern gestärkt aus der Krise hervorgegangen war. In ganz Deutschland dagegen hatte sich der Strukturwandel in der Landwirtschaft stark beschleunigt.

6 Prozent der Milchviehbetriebe, das sind über 4000 Betriebe, mussten sich aufgrund der ruinösen Milchpreise von unter 20 Cent aus der Milchproduktion verabschieden. Die von uns ausgezahlten, weit überdurchschnittlichen knapp 40 Cent Milchgeld veranlassten viele Verbraucher unsere Produkte gezielt zu kaufen, sodass mit der Strategie der fairen Preise neue Kunden gewonnen werden konnten, war Siglreithmayr überzeugt.

Das Tal der Milchpreise scheint durchschritten

Andreas Argstatter, Vorstandsvorsitzender der Molkereigenossenschaft Berchtesgadener Land, bewertete die erwartete europäische Marktentwicklung wie folgt: Nach zwei extrem schwierigen Jahren startete die Branche 2017 besser ins Jahr. So sei das Angebot in Europa, Ozeanien und Südamerika niedriger als im Vorjahr und der aktuell schwache Euro mache EU-Ware auf dem Weltmarkt wieder konkurrenzfähig.

Zudem entlaste der steigende Export in die ölfördernden Länder sowie nach Russland und China den inländischen Markt. Die Branche komme daher langsam wieder in ruhigeres Fahrwasser und die Milchauszahlungspreise national stiegen wieder an, so Argstatter. Und auch Berchtesgadener Land tue weiterhin alles, um mit überdurchschnittlichen Milchpreisen die Landwirte fair zu bezahlen.

Gesunde Haltung mit Bewegung für mehr Tierwohl

Politik, Verbände, Verbraucher und Medien machen sich stark für mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung. Die Molkerei setze sich seit Jahren für Homöopathie in der Rinderhaltung und mehr Bewegung im Stall und auf der Weide ein, erklärte Argstatter.

So sei sehr erfreulich, dass in den letzten 5 Jahren über 90 Tagesseminare mit jeweils etwa 50 Teilnehmern von den Landwirten im Rahmen der Homöopathietage belegt wurden und auch das aktuell neue Angebot zu Stallbau-Rundfahrten bereits von 140 Landwirten mit großem Interesse genutzt worden sei.

Dort zeige man gute Beispiele günstiger Baulösungen für Laufstall, Laufhof und komfortable Abkalbeboxen. Mit einem weiterhin überdurchschnittlichen Milchpreis wolle man den Strukturwandel im Berggebiet auch zukünftig einbremsen, so Argstatter und bedankte sich zum Schluss bei den Landwirten für die tagtägliche Arbeit bei der Herstellung hochwertigster Milch.

Genossenschaft – ein Erfolgsmodell, wenn man zusammensteht

Um eine Genossenschaft erfolgreich zu führen, sei ein intensiver, vertrauensvoller Austausch zwischen Geschäftsführung und den gewählten Vertretern im Vorstand und Aufsichtsrat nötig, so Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Molkereigenossenschaft Berchtesgadener Land. Dies sei die Basis um im Ehrenamt fundierte Entscheidungen im Sinne der Mitglieder treffen zu können. Für die erhaltene Unterstützung der durchaus mit Risiko behafteten Strategie der fairen Preise im vergangenen Jahr bedankte sich Pointner daher explizit bei den gewählten Vertretern.

Damit habe man mehr erreicht, als uns die gesamte deutsche Milchwirtschaft und der deutsche Lebensmittelhandel zugetraut hätten, zeigte sich Pointner überzeugt. So seien die ersten Gespräche zur Idee der festen Preise verbunden mit einer umfassenden Aufklärungskampagne vom Handel als nicht erfolgsversprechend eingestuft worden. Trotzdem war sie alternativlos, denn ohne die überdurchschnittlichen Milchpreise hätten viele der Landwirte in der Bergregion sich dem Strukturwandel ergeben und die Milcherzeugung aufgeben müssen.

Das zu verhindern war das hoch gesteckte Ziel, das man erreicht habe, so Pointner zufrieden. Einen maßgeblichen Beitrag für den Erfolg hatte dabei die Mengenrestriktion bei der Milchanlieferung, der 95% der Landwirte gefolgt waren. Den restlichen 5%, die auf Kosten der Genossenschaft „Vollgas“ geliefert hatten, empfahl Pointner in Google „Genossenschaft“ einzugeben, um das Prinzip des Geschäftsmodells nachzulesen. Eine Molkerei per se bestehe letztendlich nur aus viel Beton und Metall.

Erfolgreich qualitativ hochwertige und gesunde Produkte würden dort erst mit einem motivierten und gut ausgebildeten Mitarbeiterteam hergestellt. Und das bestehe hier am Standort in Piding inzwischen aus über 400 Mitarbeitern, von denen über 30 im vergangenen Jahr neu begonnen und über 24 aktuell ihre Ausbildung in 7 verschiedenen Ausbildungsberufen absolvierten. So war es möglich im vergangenen Jahr 305 Millionen Kilogramm Milch zu erfassen, zu verarbeiten und erfolgreich zu vermarkten.

Neue Herausforderungen für 2017 erwartet

Die Molkerei hat 10 Millionen Euro in 2016 und wird weitere 20 Millionen im laufenden Jahr in den Produktionsstandort in Piding investieren. So sieht sich Pointner mit den abgeschlossenen Investitionen in Logistik, Trinkmilchherstellung, Markenwelt und z.B. Energiezentrale und die schon angestoßenen Projekte Abtankhalle und etwa Joghurtabteilung auf die erwartete gesteigerte Milchanlieferung, deren Verarbeitung und den damit einhergehenden logistischen Herausforderungen gut aufgestellt.

Der zunehmenden Konzentration des Lebensmittelhandels setzt man einen breit aufgestellten Kundenstamm entgegen, der auf den Großraum Berlin ausgeweitet wird. Aktuell werden 140 Kunden in 14 Ländern mit 150 verschiedenen Produkten beliefert, um so das Risiko breit zu streuen. Kritisch, weil immer schneller wechselnd und damit schwer kalkulierbar, sieht Pointner jedoch die zukünftigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf das Unternehmen zukommen.

Die von Präsident Trump geforderten Investitionen in Rüstung werden im EU-Haushalt fehlen. Wie wird sich der Brexit der Engländer auf Deutschland und die EU auswirken? Wie werden die Wahlen in Frankreich entschieden und welche Regierung wird Deutschland ab Herbst lenken? Diese Punkte gilt es in die zukünftigen strategischen Überlegungen zu berücksichtigen. Trotz dieser Fragezeichen sieht der Geschäftsführer die Molkerei für die Zukunft gut aufgestellt.

Wichtig sei, dass die Herausforderungen der Gesellschaft und Politik auch zukünftig früh erkannt und vorausschauend behandelt würden, um sich immer aktuell am Markt zu präsentieren. Von den Landwirten wünschte sich Pointner abschließend bestmögliche Unterstützung durch tiergerechte Stallbelegung, Investitionen in weitere Tierwohlmaßnahmen, ein moderates Mengenwachstum und der Unterstützung bei Presse- und Marketingaktivitäten, durch den Konsum der Milchspezialitäten und dem Angebot der molkereieigenen Produkte auf Festen ebenso wie bei der Vermietung.

Pressemitteilung der Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG

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