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 Pointner über schwierige Zeiten für Milchprodukte

Geschäftsführer der Milchwerke BGL über Preiserhöhung, leere Regale und Sorgen

Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Milchwerke Berchtesgadener Land.
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Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Milchwerke Berchtesgadener Land.

Berchtesgadener Land - Erst Corona, jetzt Krieg in Europa: Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Milchwerke Berchtesgadener Land, sieht sich in unsicheren Zeiten: „Wo die Reise hingeht, kann derzeit niemand seriös vorhersagen.” Die Milchmengen sinken. Leere Regale seien in Deutschland aber „eher unwahrscheinlich”. 

Milchprodukten droht ein drastischer Preissprung. Weitere Runden könnten folgen. Werden Milchprodukte, wie etwa Butter, zum Luxusprodukt?

Bernhard Pointner: Wo die Reise hingeht, kann derzeit niemand seriös vorhersagen. Kommt es zu einem Gaslieferboykott, werden wir eine Eskalation erleben, wie wir sie uns aktuell nicht vorstellen können. Aktuell liegen die meisten Markenbutterpreise über drei Euro.

Sie hatten während der kürzlich stattgefundenen Generalversammlung angekündigt, Gegenmaßnahmen einleiten zu wollen. Wie schmal ist der Grat, den Sie dabei gehen?

Pointner: Moderate Preiserhöhungen lassen sich auch bei uns nicht vermeiden. Aber es gibt mehr Stellschrauben, um Mehrkosten zu managen als einfach nur Ladenverkaufspreise so hoch anzuheben, die zu Abschriften führen. So haben wir zum Beispiel nicht dringend notwendige Investitionen zurückgestellt.

Als Genossenschaft haben Sie Verantwortung gegenüber Ihren Mitgliedern. Landwirte erhalten derzeit so viel Geld für Milch wie noch nie. Das müsste Sie doch eigentlich freuen...

Pointner: Alle, Landwirte, die Molkerei und auch die Endverbraucher kämpfen jetzt mit Mehrkosten in allen Bereichen. Höhere Milchpreise sind in jedem Fall dringend notwendig. Deshalb haben wir ja bereits in mehreren Schritten unseren Milchpreis um vier Cent angehoben. Jeder zusätzliche Cent kostet die Molkerei 3,3 Millionen Euro Mehrkosten. Bereits im Mai ist eine weitere Milchpreiserhöhung geplant.

In Zeiten allgemeiner Verteuerung: Gibt es Ihrer Ansicht nach einen Punkt, an dem Verbraucher Milch und Butter im Regal stehen lassen würden?

Pointner: Die Preisakzeptanz ist ein langer Anpassungsprozess, das kennen wir doch alle noch von der Euro-Umstellung. Was heute noch als zu teuer erscheint, kann morgen aber schon Standard sein.

Womit haben Landwirte aktuell am meisten zu kämpfen hinsichtlich der Kosten? Ist es richtig, dass an allen Ecken und Enden gespart werden muss, wie bereits ein Vertreter der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft kürzlich in einem Interview sagte?

Pointner: Alle Kostensteigerungen in der Landwirtschaft über den Milchpreis zu kompensieren, wird nicht möglich sein. Wir haben Krieg in Europa und eine Jahrhundertkrise mit Corona, die noch nicht verdaut ist. Lieferengpässe aus China bauen sich gerade wieder auf. Das bedeutet: Alle müssen sparen und ihre begrenzten Ressourcen in die richtige Richtung lenken. Keiner wird ohne finanzielle Einbußen durch diese Zeit kommen: nicht die Molkerei, nicht die Landwirte und nicht die Endverbraucher.

Gab es eine vergleichbare Situation schon einmal? 

Pointner: Nein. Im Nachkriegsdeutschland jedenfalls nicht.

Konnten Sie bereits Auswirkungen bei der Nachfrage feststellen?

Pointner: Aufgrund unserer Strategie haben wir aktuell die preiswerteste Markenbutter mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 2,49 Euro. Wir sehen derzeit, Gott sei Dank, nur leicht rückläufige Absatzzahlen.

Besteht die Gefahr einer Verknappung des Angebots? Wenn ja, wodurch könnte dies eintreten?

Pointner: Die Milchmengen werden in diesem Jahr unter jenen des Vorjahres liegen. Leere Regale sind aber zumindest in Deutschland eher unwahrscheinlich. 

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