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Die Hintergründe zur Entscheidung

Endgültig vorbei: Firma Maier baut nicht im Überschwemmungsgebiet Urwies

Gemeinderat Piding Gewerbegebiet Firma Maier Urwies
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Die Sondersitzung bekam rege Aufmerksamkeit: über 80 Bürger nahmen teil, hörten den Gutachtern zu und stellten Fragen.
  • Christina Eisenberger
    VonChristina Eisenberger
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Vier Stunden, 83 Bürger und eine schwerwiegende Entscheidung des Gemeinderats Piding: Warum darf die Firma Obst Maier nicht im Gewerbegebiet Urwies bauen?

Piding - Der Andrang am Dienstagabend (28. September) ist so groß, dass Mitarbeiter zwischendurch noch mehr Stühle in die Mehrzweckhalle karren müssen. Um kurz nach sechs begrüßt Bürgermeister Hannes Holzner (CSU) die 83 Besucher und 20 Gemeinderäte zu einer „außergewöhnlichen Gemeinderatssitzung“. Sie bestimmen an diesem Abend, wie es für die Firma Maier in der Gemeinde Piding weitergeht. Gutachter stellen dazu ihre Untersuchungen vor - um eine Entscheidung zu erleichtern.

Hydraulisches Gutachten: Bauen im Hochwassergebiet Urwies?

Bereits im März 2021 hat das Wasserwirtschaftsamt Traunstein Stellungnahme zu dem Gewerbegebiet Urwies genommen. Man rate von einer Bebauung in einem Überschwimmungsgebiet - wie es beim Gewerbegebiet Urwies der Fall ist - ab, da dies den wasserwirtschaftlichen Zielen widerspreche. In dem Schreiben nennt das Amt auch Bedingungen, falls trotzdem gebaut wird: Beeinträchtigt der Bau den vorhandenen Retentionsraum - also die Fläche, die bei einem Hochwasser überflutet wird und dadurch ein starkes Ansteigen des Wassers verhindert - muss dies ausgeglichen werden. Auch der Wasserstand und Abfluss darf nicht nachteilig verändert werden. Das Gebäude selbst muss an Hochwasser angepasst gebaut werden.

Das kleine 3-D-Modell des möglichen Neubaus der Firma Maier sorgte für den ein oder anderen Lacher.

Wie wirkt sich der Neubau der Firma Maier auf den Wasserpegel aus?

Die Firma aquasoli hat zu dem Bauvorhaben der Firma Maier ein hydraulisches Gutachten erstellt. Die Stoißer Ache, Wildbäche, Starkregen und Hochwasser wurden dabei beachtet. Wörtlich heißt es: „Das geplante Bauvorhaben hat unter Berücksichtigung konzipierter wasserwirtschaftlicher Ausgleichsmaßnahmen keine Auswirkungen auf die großräumige Abflusssituation.“

Jedoch müssen Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt werden: Ein Kombi-Becken aus einer Flutmulde und eines Rückhaltebeckens im Osten, ein Retentionsbecken im Nordwesten und eine erhöhte Bebauung über dem Wasserspiegel. Der Neubau führt zu keinen neuen Überschwemmungsgebieten. Grundsätzlich stehe dem Bau nach diesem Gutachten nichts im Wege. Jedoch verändert sich die Wassertiefe auf angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen, insbesondere der Flurnummer 911. Bis zu sechs Zentimeter mehr kann der Pegel hier steigen.

Bereits beste Bauvariante? „Mehr geht leider nicht“

Aus dem Gemeinderat kommen einige Fragen. Dr. Bernhard Zimmer (Die Grünen) sehe eine „deutliche Verschlechterung“ der Fläche Nummer 911. Sechs Zentimeter mehr Wasservolumen bei landwirtschaftlicher Nutzung sei nicht so dramatisch - das könne man sagen, so Zimmer. „Aber das ist aus meiner Sicht falsch. Als Gemeinderat sehe ich, dass wir dort Gewerbe zulassen wollen und hier haben wir dann verschlechterte Startbedingungen.“

Sabine Wolf (3. Bürgermeisterin, CSU) fragt, ob man das Bauvorhaben so anpassen könne, dass die 6 cm Wasser nicht auftreten. Es sei bereits die „Vorzugsvariante mit den geringsten Auswirkungen“, erklärt die Gutachterin. „Mehr geht leider nicht weg.“

Verkehr, Verladen, Lkw starten - Wie laut wird der Neubau in Urwies?

Wie laut sind der Verkehr und das Gewerbe der Firma Maier? Diese Frage hat die Firma Hoock & Partner in einem Lärmgutachten geklärt. Demnach steht einem Bau ebenfalls nichts im Wege. Die Lärmpegel sind innerhalb des gesetzlich vorgegebenen Rahmens. Auch schädliche Umwelteinwirkungen durch Geruch sind nicht zu befürchten, heißt es. Gutachter haben dazu auch die angrenzenden Landwirte besucht: Braun und Angerer.

Offenbar wollten viele Anwesende jedoch eigentlich etwas anderes wissen. „Gibt es umweltschädliche Einflüsse von dem Bauvorhaben auf die umgebenden landwirtschaftlichen Betriebe, etwa Fahrzeugbewegungen?“, fragt etwa Walter Pfannerstill (FWG). Laut Gutachterin seien die Emissionen zu betrachten, nicht der Auftrag gewesen, den sie bekommen haben. „Die Vorbelastung aufgrund der Autobahn ist jedoch deutlich höher. Was dazukommt ist vermutlich deutlich geringer“, dies sei jedoch eine subjektive Einschätzung.

Nimmt der Verkehr durch den Neubau in Urwies zu?

Kann der Standort Urwies den Verkehr zum Firmengelände aushalten? Laut dem Gutachten des Ingenieurbüros Ingevost, ja. Der Lieferverkehr von und zur Firma Maier verteile sich regelmäßig über den Tag und die Nacht und nicht nur zu den Verkehrsspitzen. Eine Linksabbiegespur zum Firmengelände kann ohne Ampel gebaut werden. Auch der Lkw-Verkehr fährt zu 95 Prozent über die Autobahnauffahrt bei Piding nach Salzburg oder München oder über das kleine deutsche Eck nach Kitzbühel. Nur wenige Fahrten gehen über die St2103 durch Anger.

„Wer in Piding wohnt, der weiß, dass man jetzt schon im Verkehr und im Stau erstickt.“ Die Wortmeldung von Bärbel Schöndorfer (FWG) sorgt für klatschende Besucher. Maximilian Koch (CSU) merkt an, dass der Betrieb Maier nicht von irgendwo herkomme und sich neu ansiedle. Die Verkehrsbelastung, die man zweifelsohne habe, werde aber nicht mehr. Früchte Maier „nutzt nach wie vor die gleichen Straßen“, und klar seien es mehr Mitarbeiter und mehr Lkw. Aber es „ist keine externe Firma. Das muss man schon berücksichtigen.“

Auch Bürgermeister Holzner schaltet sich ein: „Der ansässige Betrieb hat eine Möglichkeit in der Nachbargemeinde neu zu bauen. Die kann sich das vorstellen. Dann würde der Verkehr weiter durch Piding laufen aber wir haben nichts davon und können es nicht vermeiden. Das muss man auch im Hinterkopf behalten, jeder für sich selbst.“

Wird Obsthandel Maier in Urwies gebaut?

Nach den Bürgerfragen an die Firma Maier (BGLand24.de berichtet in einem extra Artikel) geht die Gemeinderatssitzung wieder weiter. Pfannerstill merkt an, dass eine erhebliche neue Lärmquelle - sieben Tage die Woche - dazukomme. Aber „das entscheidende ist für mich das Hochwasser. Ich kann dem sicher nicht zustimmen, dass man einem anderen Grundstück eine Verschlechterung zumutet.“ Außerdem seien die meisten Unterlagen des Gutachtens älter und vor den Starkregenereignissen im Juli gemacht worden. „In Summe ist es mir einfach zu viel. So leid es mir um die Firma Maier tut, ich werde den Beschlussvorschlag heute ablehnen.“

„Für mich stellt sich die Frage, darf ich als Gemeinderat 45.000 m² landwirtschaftliche Fläche umwidmen in ein Gewerbegebiet mit diesem hydraulischen Gutachten. Wenn ich sage 2020 waren die 45.000 m² komplett unter Wasser. Jetzt 2021 was uns gezeigt hat, dass dieses Ereignisse vermehrt auftreten. Ich werde den Beschlussvorschlag auf jeden Fall ablehnen und auch das Gewerbegebiet insgesamt ablehnen“, sagt Zimmer.

„Wir treffen heute eine Entscheidung“

Bürgermeister Holzner versucht noch einzuschreiten. Man stimme jetzt nicht über die endgültige Entscheidung ab. Es seien viele Punkte noch überhaupt nicht beantwortet. „Spekulationen von einzelnen Gemeinderäten oder der Bürgerschaft zu bewerten, maße ich mir persönlich nicht an. Ich bin kein Gutachter.“

„Also den Zustand weiter aufrecht erhalten ohne klare Entscheidung?“, fragt Zimmer. Wolf merkt an, dass sie wisse, dass die Firma eigentlich heute gerne eine Entscheidung hätte, „darum treffen wir auch heute eine Entscheidung.“

Christian Kleinert (2. Bürgermeister, FWG) wünsche sich, noch das Straßenbauamt und das Wasserwirtschaftsamt anzuhören. „Das sind wir auch dem Unternehmen schuldig. Ich verstehe die Bürger, aber die Zeit sollten wir uns geben.“

Holzner erklärt, dass dies auch hinter dem Beschlussvorschlag stecke. Schöndorfer fordert daraufhin eine namentliche Abstimmung. Das müsse man gleich angehen, erklärt Holzner. Vier Gegenstimmen - ansonsten ist der Gemeinderat für eine namentliche Abstimmung. Am Ende stimmen elf Gemeinderäte für eine Beendigung des Bauplanverfahrens, neun für eine Weiterführung. Der Saal klatscht. Die Firma Maier in Urwies ist damit vom Tisch.

Über die Fragen der Bürger an die Firma Maier berichtet BLGand24.de in einem extra Artikel.

ce

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