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Emotionale Fragen zu Gewerbegebiet Urwies

„Wenn die Firma Maier baut, ist das für mich das Aus!“

Richard Maier Obst Maier Sondersitzung Gemeinderat Piding Urwies
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Richard Maier (vorne links neben der Leinwand) stellt sich den Fragen der Bürger.
  • Christina Eisenberger
    VonChristina Eisenberger
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Das Thema polarisiert eine ganze Gemeinde: Die heimische Firma Maier wollte im Überschwemmungsgebiet Urwies neu bauen. Richard Maier stellte sich deswegen den Fragen der Bürger Pidings:

Piding - Innerhalb einer Gemeinderatssitzung konnten die Bürger - insbesondere Betroffene - ihre Sorgen aussprechen und Fragen an die Firma Maier stellen. Über eine Stunde stellte sich Richard Maier besorgten, wütenden, fassungslosen Fragen.

„Herr Maier, ich habe für ihr Anliegen, den Betrieb auszuweiten, vollstes Verständnis“, beginnt Rolf Haslach. Aber ihm stelle sich die Frage, ob die wirtschaftliche Situation einer oder zwei Familien zu verbessern und die Situation vieler anderer zu verschlechtern, dies rechtfertige. Die vorgestellten Gutachten im Gemeinderat würden auch durch ebendiesen angezweifelt werden. „Wie gehen Sie jetzt weiter vor?“ Die Politik würde ja auch sagen, dass man nicht mehr in Überschwemmungsgebieten bauen solle, so Haslach weiter.

Gemeinde hat Urwies als Baugebiet vorgeschlagen

„Es wird sich zeigen. Wir haben nicht gesagt, wir wollen unbedingt nach Urwies. Sondern uns ist Urwies 2017 vorgeschlagen worden. Wir hatten ein Alternativgrundstück. Wenn es in Piding funktionieren kann, sind wir offen. Wenn wir gewusst hätten, was das für Komplikationen bringt, dann hätten wir 2017 das andere Grundstück gewählt. Wir sind nicht angetreten, damit wir ganz Urwies verrückt machen. Sollte der Gemeinderat heute positiv zustimmen, werden wir an Urwies festhalten, da wir auch schon sehr viel investiert haben. Wenn dagegen entschieden wird, dann werden wir uns gezwungenermaßen von Piding verabschieden müssen. Für uns ist wichtig gewesen, dass wir endlich ein Gutachten haben. Die Qualität davon kann ich nicht beurteilen. Größter Knackpunkt war für uns das Thema Wasser. Wenn man 20 Millionen Euro investiert, dann muss das hieb- und stichfest sein. Auch die Vorgaben der Gutachten müssen wir einhalten. Das war auch immer klar kommuniziert, wenn wir es machen, machen wir es g‘scheid“, antwortet Richard Maier, Inhaber der Firma.

Spiegelt das Gutachten zum Hochwasser die Wirklichkeit wieder?

Die Gutachten werden an diesem Abend mehrmals in Frage gestellt. Mathias Holzner sei etwa aufgefallen, dass das hydraulische Gutachten in der Darstellung „sehr fragwürdig“ sei und von den Daten des Wasserwirtschaftsamts abweiche. Es falle leider auf, dass es immer ein anderes Ergebnis gebe, wenn die Firma, die das Gutachten gemacht habe, auch bei anderen Bauvorhaben Gutachten erstelle, mutmaßt Holzner.

Maier erklärt, dass er in Absprache mit der Gemeinde das Planungsbüro Staller beauftragt hatte, auch die Gutachten und deren Durchführung zu regeln. Die Firma habe er vorher nicht gekannt. Birkel erklärt, dass die Firma Maier sogar verpflichtet gewesen sei, die Gutachter zu beauftragen und dies nur im Einvernehmen mit der Gemeinde. Es sei jedoch völlig normal, dass die Firmen solche Gutachten beauftragen müssen, so Birkel.

Werden beide Hallen durch die Firma Maier genutzt?

„Bei der letzten Sitzung haben Sie gesagt, es wird nur eine Halle gebaut, jetzt sind es zwei. Nutzen Sie beide selbst oder vermieten Sie?“, fragt Georg Holzner. Aus kostentechnischen Gründen wollte man eigentlich mit dem Bau einer Halle starten, erklärt Maier. „Das Gutachten sagt aber, es muss gleich eine zweite Halle errichtet werden, also werden wir versuchen die auszulasten. Status quo wäre die Halle eins derzeit brechend voll. Wenn wir den nächsten Schritt gehen, dann werden wir auch die zweite Halle nicht am Anfang zur Gänze füllen können, aber das ist Zukunftsmusik. Derzeit wird nicht vermietet und verpachtet. Man muss mittlerweile aber auch vorsichtig sein. Wir hätten auch nicht gedacht, dass Corona kommt. Also wenn wer für fünf Monate was einstellen möchte, dann würde ich das nicht abstreiten.“

Rechtsantwalt Dr. Birkel der Gemeinde Piding greift ein: „Das Vorhaben ist der Obst- und Gemüsehandel und sonst nichts. Wenn Sie etwas anderes machen wollen, muss man die Pläne und den Durchführungsvertrag ändern. Dafür ist die Zustimmung der Gemeinde und des Gemeinderats nötig.“

Auf die Frage von Sabine Schnabel, warum es keine Umweltverträglichkeitsprüfung gegeben habe, erklärt Dr. Birkel, dass es eine gegeben habe. „Ein Umweltbericht ist die Prüfung sowohl nach EU-Recht als auch nach nationalem Recht.“

Explodiert der Verkehr um Urwies?

Ein Fragesteller wohne an der B20 und habe Bedenken, dass der Lkw-Verkehr noch einmal explodiere. Die Gutachter würden sagen, dass der Verkehr über die Autobahn geleitet werde. Könne man das schriftlich haben? Maier erklärt, dass man nicht gesagt habe, dass der Verkehr zu 100 Prozent über die Autobahn fahre. Die Kundenstruktur verlange zu 90 Prozent Autobahnfahrten nach Salzburg oder München, aber auch vier bis fünf Lkw am Tag nach Kitzbühel, also über das kleine deutsche Eck.

Man vervierfache ja die Fläche im Vergleich zum bereits bestehenden Firmengelände, so Peter Eder. Ob der Verkehr dann zur Firma auch mehr werde? Von Urwies bis zur Autobahn werde der Verkehr einen Tick mehr, „von Piding natürlich weniger“, so Maier, „Dass wir da kein Naherholungsgebiet errichten, dazu stehen wir ja. Das haben wir immer kommuniziert.“ Es sei wichtig, mal ein klares Signal zu bekommen. All das hätte man schon vor zwei Jahren entscheiden können, da alle gewusst hätten, was die Firma Maier für ein Unternehmen ist, merkt Maier noch an. „Wir möchten den Verkehr nicht beschönigen. Hält der Standort den Verkehr nicht aus, dann ist das Objekt für uns nicht interessant.“

Woher kommen die Mitarbeiter der Firma Maier?

Wie die Mitarbeitersituation bei der Firma Maier sei, frage ein Mann. 48 Mitarbeiter seien in Piding sozialversicherungspflichtig, variable Mitarbeiter seien nicht eingerechnet, sagt Maier. Diese seien saisonal bedingt, etwa 450-Euro-Kräfte oder fallweise Leiharbeiter, wenn man zu Spitzenzeiten zu wenig Personal habe. Manche geringfügig Angestellte kämen aus Piding oder Umgebung. Die Leiharbeiter kämen nicht aus Piding. Ob Herr Maier behaupten wolle, dass er keine Mitarbeiter aus Eritrea „mit dem Bus hier runterfahren“ lasse und „stundenweise Früchte aussortieren“ lasse, fragt Schnabel. „Ob sie aus München oder Rosenheim kommen, Leiharbeiter kommen fallweise oder tageweise. Ob die im Moment aus Eritrea kommen, glaube ich nicht“, erklärt Maier.

Zu nah an den Wohngebäuden?

Ob sich Herr Maier schon einmal Gedanken gemacht hätte, ob es zulässig sei, ein Logistikzentrum in der Nähe eines Wohngebiets zu bauen, fragt Thomas Staller. „Nein, weil wir auf Vorschlag der Gemeinde auf Urwies gekommen sind. Wir haben nicht gesagt, dass wir da zu nahe an jemanden hinbauen wollen. Wir wollen ein vernünftiger Teil der Gemeinde sein. Was soll man dazu sagen?“, erklärt Maier.

Schnabel fragt zu den beiden Kühlanlagen, die gebaut werden in Bezug auf Starkregenereignisse: „Wie sind diese Anlagen abgesichert und was passiert mit dem weggeschwemmten Gut? Wer übernimmt die Schäden“, die durch chemische Substanzen entstehen könnten? „Ich bin es so gewohnt, wenn wir was kaputt machen, müssen wir das zahlen“, so Maier.

„Krieg ich dann Bananen als Unterstützung?“

„Wenn die Firma Maier baut, ist das für mich das Aus!“ Stefan Angerer ist einer der angrenzenden Landwirte an das Gewerbegebiet Urwies. Er habe drei Ferienwohnungen gebaut und ein Café. „Und nebenbei haben wir dann das Geknattere vom Obstmaier, kommen da noch Leute her?“ Er müsse einen „Haufen Geld“ zurückzahlen, wie solle er das machen? Und schuld sei der Bürgermeister, so Angerer. „Ihr stimmt ab über euer Piding. Überlegt euch das gut“, sagt Angerer an den Gemeinderat gewandt. Später äußert sich Angerer noch einmal: „Kriege ich dann Bananen als Unterstützung?“ Schweigen bei Maier. „Bei der Frage wissen Sie selber, dass sie da keine Antwort kriegen. Finde ich jetzt nicht so wahnsinnig sachlich“, so Birkel.

Auch der Lärm durch die Firma ist wieder Thema. Man könne das Fenster in der Nacht nicht mehr offen lassen bei dem Gepfeife. „Wir verheimlichen nichts, sagen nicht, dass wir leise sind. Der Lärm gehört untersucht und dann muss abgewogen werden, ob das rechtens ist oder nicht“, so Maier. Aber die Aggregate der Lkw laufen die ganze Nacht, das wäre doch auch Lärmbelästigung, fragt Frau Kecht. „Die laufen nicht die ganze Nacht“, erklärt Maier. Man könne die Lkw in der neuen Halle anstecken und über das Stromnetz betreiben.

Doch auch eine Stunde für Fragen und Diskussion können die Bürger wohl nicht mehr überzeugen. Letzten Endes entscheidet der Gemeinderat und stimmt ab: Die Firma Obst Maier darf nicht in Urwies bauen.

ce

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