Fluglärm: "Es gibt akuten Handlungsbedarf!"

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Freilassing - Die Diskussion, um die jüngsten Äußerungen von Bundesverkehrsminister Ramsauer zum Salzburger Flughafen, nimmt kein Ende. Jetzt spricht Freilassings Bürgermeister Flatscher.

"Die Medienberichte der vergangenen Tage hüben und drüben der Salzach waren eindeutig: Auch in Salzburg ist endlich die Botschaft angekommen: In Sachen Fluglärm gibt es akuten Handlungsbedarf!", äußerte Flatscher in der Stadtratssitzung am Montagabend.

"Freilich muss man der Medienlandschaft und so manchem Politiker auf österreichischer Seite auch sagen: Also Worte wie „Luftkrieg“ und „Kampfjets“ in Zeiten von Truppeneinsätzen wie in Afghanistan in den Mund zu nehmen, zeugt von wenig Sensibilität und Anlassdenken. Denn bei allen berechtigten Forderungen und vielleicht auch Unverständnis auf der anderen Seite: Krieg ist was anderes. Das sollten sich die Urheber dieser Worte zu Herzen nehmen. Zumal wir Nachbarn nach wie vor die Einrichtungen diesseits und jenseits der Grenze nutzen."

Der Bürgermeister forderte die Salzburger Politik sowie österreichische Medien auf, zu bedenken, dass Freilassing, Ainring und Saaldorf-Surheim nicht alleine dastehen. "Auch viele Siezenheimer, Lieferinger, Taxhamer und Walser Bürger unterstützen unser Anliegen; sie leiden genauso unter den 200 Starts und Landungen an den Winterwochenenden wie wir auf bayerischer Seite."

Dabei sei das grenzüberschreitendes Anliegen nach wie vor das Gleiche: "Wir fordern nichts anderes als eine gerechte Verteilung der An- und Abflüge. Und das seit Jahren, in vielen Sitzungen und Gesprächen, an denen Vertreter von Stadt und Land Salzburg, des Flughafens, Minister Dr. Peter Ramsauer, Landrat Georg Grabner sowie die Bürgermeister Hans Eschlberger, Ludwig Nutz und ich teilgenommen haben. Verbesserungen wurden uns versprochen, Spürbares war allerdings nicht zu verzeichnen."

Verlangen die bayerischen Anrainer zu viel?

Wie die Medien derzeit berichten, sei der Flughafen der Mozartstadt von zentraler Bedeutung für den Salzburger Tourismus, unschätzbar wertvoll, ungemein wichtig. Umso mehr sollte man das Verursacher-Prinzip anwenden, meint Flatscher: "Man kann auf Salzburger Seite nicht nur das Positive einstreichen und das Unangenehme dem Nachbarn aufbürden." Diese Einsicht sei selbst jetzt bei all diesen Medienberichten noch nicht angekommen.

Einzig Landesrätin Astrid Rössler differenziere und verweise auf den Flughafen und dessen Versäumnisse. "Dass diese Worte kaum Widerhall in der eigenen Boulevard-Presse finden ist klar, da wäre ja der „Feind“ nicht nur in Bayern zu suchen", argumentiert das Freilassinger Stadtoberhaupt.

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Fakt sei: Jahrelange Verhandlungen haben keinen spürbaren Erfolg gebracht. Ramsauer sei mehr als jeder andere Minister vor Ort gewesen und habe Lösungen gesucht. Nun habe er folglich und in sich konsequent eine Durchführungsverordnung auf den Weg gebracht. Er habe es lang genug angekündigt, sei dafür auf unserer Seite gescholten worden, jetzt wiederum blase ihm rotweißroter Sturm entgegen.

Der Bürgermeister schränkt aber ein: "Auch in Österreich ist Wahlkampf, auch Bürgermeister Heinz Schaden will im Frühjahr wiedergewählt werden – es erscheint so offensichtlich, dass hier wissentlich unzutreffende Behauptungen in den Raum gestellt werden, um Ängste zu schüren und Vorbehalte zu bedienen."

In einem persönlichen Gespräch habe Peter Ramsauer Josef Flatscher mitgeteilt, dass er jetzt noch keine Details zur Durchführungsverordnung in der Öffentlichkeit bekannt geben werde, solange noch die Abstimmungsgespräche liefen. Nur soviel war von ihm zu hören, dass die DVO nicht den Flughafen in seiner Existenz bedrohen werde und dass nicht nur Anflüge von Süden her erlaubt sein werden.

"Das sei letztlich unrealistisch und wird bewusst verzerrt von Salzburger Seite dargestellt. Hier werde eine unnötige Unruhe geschürt", zitierte Flatscher. Wortwörtlich die Aussage von Dr. Ramsauer dazu - Zitat: „Wir haben lange über Verbesserungen verhandelt und wurden nicht richtig ernst genommen. Jetzt machen wir Ernst mit einer Durchführungsverordnung“.

Das Fazit von Bürgermeister Flatscher: „Ich persönlich sehe in dem Pressetheater eine Hetzkampagne gegen uns in Bayern. Aber was verlangen wir? Wir verlangen nur eine gerechte Verteilung der Belastung durch den Flugverkehr. Und das auch im Sinne der österreichischen Anrainer-Stadtteile von Liefering bis Wals. Leserbriefe oder Schreiben direkt an mich bestätigen das eindrucksvoll. Das vergessen leider auch die handelnden Personen ins Salzburg.

Ich kann immer wieder nur wiederholen: Freilassing bekämpft nicht den Flughafen, sondern den Fluglärm. Und jetzt ist Salzburg endlich gefordert, wirklich was zu tun."

Stadt Freilassing

Rubriklistenbild: © dpa

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