Parteiübergreifendes „Ja“ zum Biomasse-Heizkraftwerk

Freilassing - Zu einer öffentlichen Diskussion über das geplante Biomasse-Heizkraftwerk Freilassing hatte der überparteiliche Arbeitskreis „Pro Biomasse“ am Mittwoch in den Gasthof Rieschen geladen.

Die Breite des Podiums dokumentierte die breite Mehrheit des Stadtrates, die hinter dem geplanten Biomasse-Heizkraftwerk steht: CSU-Ortsvorsitzender Wolfgang Krämer konnte Mitglieder aller im Stadtrat vertretenen Fraktionen als Referenten begrüßen. Zweiter Bürgermeister Karlheinz Knott (FWG), Margita Popp (SPD), Elisabeth Hagenauer (GRÜNE) und Klaus Lastovka (CSU) wurden auf dem Podium flankiert von Wolfgang Wimmer, dem Geschäftsführer des Biomassehofs Achental, sowie Gerald Tscherne, Leiter der Kraftwerke bei der Salzburg AG.

In kurzen Impulsreferaten verdeutlichten die Stadträte ihre Positionen. Margita Popp (SPD) verwies auf zahlreiche erfolgreich laufende Fernwärmeprojekte, wie zum Beispiel in Grassau, Unterhaching oder München. Trotz immer wiederkehrender gegenteiliger Behauptungen sei die Versorgung des Biomasse-Heizkraftwerks mit Holz angesichts von 120 Millionen Kubikmetern Zuwachs pro Jahr in Deutschland kein Problem, versicherte Popp und meinte: „Das Geld unseren Bauern zukommen zu lassen ist auf jeden Fall sinnvoller, als Ölmultis zu unterstützen“.

Auch Elisabeth Hagenauer (GRÜNE) widmete sich dem Thema Holz. Trotz zahlreicher bereits betriebener Heizkraftwerke auf Holzbasis sei der jährliche Zuwachs des heimischen Rohstoffs Holz immer noch größer als die Nutzung. Außerdem verwies Sie auf die nachhaltige Waldnutzung nach dem Bayerischen Forstgesetz und auf die größere Umweltfreundlichkeit einer großen Anlage gegenüber vielen Hausbrandstellen: „Ein Kamin mit modernster Technik ersetzt viele hundert herkömmliche, die nicht sauber betrieben werden“, sagte Hagenauer und kam zu dem Schluss: „So ein Projekt ist ein Generationenvertrag“.

Klaus Lastovka (CSU) erinnerte daran, dass noch vor kurzem der Ölpreis extreme Höhen erreicht und Russland den Gashahn Richtung Westen zugedreht hatte, was Deutschland vor ernsthafte Versorgungsprobleme gestellt habe. Die Holzversorgung aus dem eigenen Land, bei der keineswegs großflächig Wälder abgeholzt werden müssten, sei insofern die wesentlich sicherere Perspektive. „Wir kennen unsere Holzlieferanten – kennen Sie Ihre Öllieferanten?“, fragte Lastovka das Publikum. Erneut dementierte er die Unterstellung, die Stadt werde einen Anschlusszwang erlassen: „Es wird keinen Zwang geben, das Heizkraftwerk stellt eine zusätzliche, freiwillige Alternative zur bestehenden Wärmeversorgung dar“.

Eine Lanze für die Partnerschaft mit der Salzburg AG brach 2. Bürgermeister Karlheinz Knott (FWG). Er erinnerte an traditionell enge Bindungen an die Nachbarstadt, an kulturelle Nähe und positive wirtschaftliche Auswirkungen, die die Nachbarschaft schon immer gebracht habe. Grenzüberschreitende Bauwerke seien ebenso wie Abwasserverbünde schon an der Tagesordnung: „Warum sollten ein gemeinsames Wärmenetz, ein Energieaustausch und ein gemeinsam gebautes und betriebenes Biomasse-Heizkraftwerk nicht funktionieren?“

Wolfgang Wimmer vom Biomassehof Achental, stellte die Bemühungen seiner Heimatregion für eine Energieautarkie bis 2020 vor. Ein wesentliches Element bei diesen Bestrebungen sei ein neues Biomasse-Heizkraftwerk, das vor zwei Wochen in Betrieb gegangen ist. „In unserer Region werden – mit immer noch steigender Tendenz – jährlich 22 Millionen Euro für Heizöl ausgegeben. Einen guten Teil davon wollen wir künftig im eigenen Umland behalten.“ Auch zu Ereignissen wie der derzeitigen Ölkatastrophe im Golf von Mexiko wolle man durch Abkopplung von Öl und Gas künftig nicht mehr indirekt beitragen.

Gerald Tscherne von der Salzburg AG verwies auf die große Erfahrung seines Unternehmens bei der Nutzung Erneuerbarer Energien. Im Land Salzburg seien über 100 Biomasse-Heizkraftwerke in Betrieb, in Bayern bereits über 300, ohne dass es in beiden Regionen zu einer Verminderung des Waldes gekommen sei: „Im Gegenteil, der Zuwachs steigt weiterhin an.“ Mit Blick auf den anstehenden Bürgerentscheid appellierte Tscherne an die Anwesenden: „Es geht darum, die Energieversorgung in die eigene Verantwortung zu nehmen. Sie entscheiden über die Nutzung Erneuerbarer Energien oder über die volle Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten!“

Erwartungsgemäß kontrovers ging es in der von Gerhard Richter souverän moderierten Diskussion zu. Elisabeth Hagenauer vermisste sinnvolle Konzepte der Biomasse-Gegner: „Der Bürgerarbeitskreis hat bisher keine einzige Alternative vorgestellt“. Gerald Tscherne hatte den Vorwurf zu kontern, es müssten großflächig Wälder abgeholzt werden: „Eine Waldvernichtung wäre auch wirtschaftlich nicht sinnvoll, da die Nutzung von Stammholz zur Verbrennung viel zu teuer wäre. Wir nutzen Restholz, für das ansonsten keine sinnvolle Verwendung besteht.“ Die Behauptung, die Verbrennung von Holz sei nicht CO2-neutral, wusste Klaus Lastovka zu widerlegen: „Holz gibt bei seiner Verbrennung genau die Menge CO2 frei, die es im Laufe seines Wachstums gebunden hat. Wird Restholz nicht verbrannt und verrottet im Wald, setzt es ebenfalls CO2 frei – aber ohne sinnvolle Nutzung“.

Die nächste Diskussion zum Thema Biomasse-Heizkraftwerk wird am 15. Juni um 19.30 Uhr im Freilassinger Rathaussal (Münchener Straße 15) stattfinden. Das Wirtschaftsforum Freilassing lädt für diesen Zeitpunkt zur öffentlichen Pro- und Contra-Diskussion mit je zwei Vertretern der Befürworter- und Gegnerseite.

Pressemitteilung überparteilicher Arbeitskreis "Pro Biomasse"

Rubriklistenbild: © kess

Zurück zur Übersicht: Rupertiwinkel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser