Salzach soll wieder Naturfluss werden

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So könnte sich laut Studie die Salzach mit Nebengewässern in einem Zeithorizont von 50 Jahren entwickeln.

Freilassing - Laut der neuen Machbarkeitsstudie des Bund Naturschutz Bayern und Österreich ist die Salzachsanierung ohne weitere Querbauwerke im Freilassinger Becken möglich:

Kann im Rahmen der Salzachsanierung auf weitere Querbauwerke im Freilassinger Becken verzichtet werden? „Ja“ meint eine Machbarkeitsstudie, die vom Bund Naturschutz Bayern (BN) gemeinsam mit dem Naturschutzbund Österreich in Auftrag gegeben worden war. Dr. Hannes Augustin vom Salzburger Naturschutzbund präsentierte bei der BN-Mitgliederversammlung (wir berichteten) die Ergebnisse der Untersuchung.

„Das dynamische Gleichgewicht der Salzach ist in den letzten Jahrzehnten empfindlich gestört worden, weil durch Veränderungen und Verbauungen im Oberlauf nicht mehr genug Geschiebe nachkommen konnte“, so die Situationsbeschreibung von Hannes Augustin. Um der Gefahr einer weiteren Eintiefung oder gar eines Sohl-Durchbruchs entgegenzuwirken, müsse deshalb die Stabilisierung und Anhebung der Sohle ein vordringliches Ziel von Sanierungsmaßnahmen sein. Daneben seien die Schaffung und Erhaltung von Lebensräumen und die Erhaltung der Hochwassersicherheit wichtige Zielsetzungen. Eine neue Betrachtungsweise habe sich durch den Einbau der Rampe bei Flusskilometer 51,9 auf Höhe von Triebenbach ergeben. BN Bayern und Österreichische Naturschutzbund, unterstützt von weiteren Naturschutzverbänden und Institutionen, hätten deshalb beim renommierten Institut hydrophil iC eine Machbarkeitsstudie zur Salzachsanierung ohne weitere Querbauwerke in Auftrag gegeben. Unter dem Titel Naturflussvariante Untere Salzach – Freilassinger Becken“ wurde die 69-seitige Studie im Juli dieses Jahres veröffentlicht, deren Grundaussagen nun Dr. Hannes Augustin in Freilassing vorstellte.

„Im Staubereich von Rampen werden etwa zwei Drittel des Geschiebes zurückgehalten, so dass im Unterlauf ein Geschiebedefizit entsteht. Die Eintiefungsgefahr verschärft sich mit jedem weiteren Querbauwerk“, beschrieb Hannes Augustin die dem Gutachten zugrunde liegende Ausgangssituation. Bisher habe man diese Problematik vor allem mit technischen Maßnahmen in den Griff zu bekommen versucht. Mit der „Naturfluss-Variante“ zeige die Studie der Firma hydrophil iC einen vollkommen neuen Weg auf, so Hannes Augustin. „Der Salzach soll einfach die Möglichkeit gegeben werden, ihren natürlichen Zustand wieder zu finden.“ Dies solle neben einem Bündel von Maßnahmen vor allem mit der Freilegung und Anbindung von Nebengewässern und ehemaligen Seitenarmen erreicht werden. Die Flusssohle könne mit einem sogenannten Rauteppich stabilisiert werden. Dabei würden große Blocksteine in den Fluss eingebracht, zwischen denen sich Feststoffmaterial sammeln kann. Bei Hochwasser würden die Zwischenräume wieder frei gespült, erläuterte Hannes Augustin.

Mit den vorgeschlagenen Maßnahmen könne die Sohl-Eintiefung gestoppt und langfristig sogar wieder rückgängig gemacht werden. Durch die entstehenden Retensionsräume würde zudem ein wirksamer Hochwasserschutz entstehen. Hannes Augustin verwies darauf, dass sich die Untersuchungsergebnisse teilweise an alte Vorschläge angelehnt hätten. Durch die Rampe bei Triebenbach habe sich allerdings die Sohle soweit stabilisiert, dass im Freilassinger Becken kein weiteres Querbauwerk erforderlich sei. Im Unterschied zu den bisherigen konkreten Planungen greife das neue Konzept weiter ins österreichische Vorland der Salzach ein. Hier sei ein Seitenarm und damit verbunden eine Insel im Fluss geplant. „Insgesamt lässt das Konzept von hydrophil iC mehr Dynamik und Eigenentwicklung zu und kommt damit dem ehemaligen, natürlichen Flusszustand näher, als es in ehemaligen Planungen vorgesehen war“, fasste der Referent zusammen. Und eine Vision ließ Hannes Augustin am Ende seines Vortrags auch noch anklingen: „Ein Naturpark „Salzachauen“ würde für uns und unsere Kinder einen wertvollen Lebensraum erhalten.“

Michael Behringer, Vorsitzender der BN-Ortgruppe, wies darauf hin, dass der Auftrag für die Machbarkeitsstudie ohne jegliche Vorgaben und vollkommen ergebnisoffen gewesen sei. „Das Ergebnis der Studie hat uns darin bestärkt, unseren Weg für den Erhalt einer naturnahen Salzach konsequent weiter zu gehen und kurzfristigen politischen Interessen entgegenzutreten.“ In der engagiert geführten Diskussion warnte Auwaldbesitzer Johann Hafner vor der drohenden Austrocknung der Auen, sollte der Grundwasserspiegel nicht durch Aufstauung der Salzach angehoben werden. Dem schloss sich auch der Surheimer Landwirt Felix Hagenauer an, der die bisherigen Planungen und Maßnahmen zur Salzachsanierung allesamt recht kritisch und realitätsfremd einordnete. „Wir sollten mehr miteinander reden und planen“, war seine Empfehlung. Dem konnte sich auch Dr. Notker Mallach anschließen: „Die Grundstücksanlieger gehören unbedingt an den Planungen zur Salzachsanierung beteiligt, weil sie sich sonst vor den Kopf gestoßen fühlen.“ Mit einer Kraftwerkslösung und der damit verbunden Aufstauung konnte er sich allerdings genau so wenig anfreunden, wie Hias Kreuzeder: „Deutschland hat im letzten Jahr so viel Strom exportiert wie noch nie. Wir brauchen kein neues Kraftwerk.“

nh

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