Nach dem Hochwasser

Jetzt kann man trockenen Fußes über die Grenze

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Hammerau - Vor etwa einem halben Jahr führte die Saalach noch ein verheerendes Hochwasser mit massiven Uferabbrüchen. Jetzt präsentiert sich der Grenzfluss mit Niedrigwasser.

Vor etwa einem halben Jahr führte die Saalach noch ein verheerendes Hochwasser mit massiven Uferabbrüchen und gewaltigen Überflutungen. Jetzt präsentiert sich der Grenzfluss mit Niedrigwasser, dass man fast trockenen Fußes grenzüberschreitend von „herent nach drent“ gelangen könnte. Der Wasserdurchfluss der Saalach am Pegel Siezenheim gemessen, beträgt derzeit nur noch 13 Kubikmeter pro Sekunde, also 85 mal weniger als beim 1000jährigen Hochwasser im Juni 2013.

Ein Blick zurück

Schwere Schäden hatte das Juni-Hochwasser nicht nur an den Ufern der Saalach angerichtet, sondern die Fluten suchten auch einen Weg in Wohngegenden, wie beispielsweise in der schwer betroffenen Stadt Freilassing. Schaut man etwas weiter flussaufwärts in den Ainringer Gemeindebereich, sind auch dort erhebliche Schäden zu reparieren gewesen, wobei die Arbeiten derzeit immer noch im Gange sind, wie beispielsweise im Bereich unterhalb des Wasserkraftwerkes der Annahütte. Es muss dort die gesamte Ufersicherung erneuert werden, denn sie wurde beim Hochwasser extrem beschädigt.

Noch schlimmere Schäden richteten die reißenden Fluten an im Bereich zwischen der Geh- und Radwegbrücke über die Saalach und dem Zollhauswehr. Wie extrem dort das Extremhochwasser das Ufer angegriffen hatte, wurde seinerzeit in der Heimatzeitung in Bildern dargestellt. Da Gefahr in Verzug war – bei einem weiteren Anstieg des Hochwassers hätten sogar die am Ufer liegenden Häuser weggespült werden können, wurde sofort mit dem Wiederaufbau der Ufersicherung mit übergroßen Natursteinblöcken begonnen. Träger der Maßnahme war die Gemeinde Ainring, das Wasserwirtschaftsamt Traunstein und zu einem großen Teil das Wasserkraftwerk Zollhauswehr. Es zeigte sich, dass dieses Werk in der Saalachau 4 in seiner stabilen Bauweise letztlich eine wichtige Stützfunktion für die Ufer und die Fundamente der Brücke an der Hammerauer Kunstmeile darstellte.

Das Wasserkraftwerk Zollhauswehr nutzt die Energie der Saalach mit einer ohne Naturereignisse durchschnittlichen Durchflussmenge von zirka 58 cbm/sec. Wie ungeheuerlich der Grenzfluss seinerzeit wütete, verdeutlichten etwa 1.100 Kubikmeter Wasser pro Sekunde am 2. Juni 2013. Die Wehranlage samt flussabwärtsliegenden rauen Sohlrampe und das massive Kraftwerk konnten glücklicherweise dem Angriff der Wassermassen mit seinen 1.100 Tonnen pro Sekunde trotzen. Wäre dies nicht der Fall gewesen, so wären die am Ufer befindlichen Häuser wohl von den reißenden Fluten wegen der dann weggespülten Ufer weggerissen oder stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Schäden auch am Wasserkraftwerk

Beim Wasserkraftwerk Zollhauswehr gab es erhebliche Schäden an den Uferbauwerken oberhalb des Kraftwerkes zu verzeichnen. Hier wurden auf einer Länge von rund 150 Meter die komplette Uferböschung auf einer Höhe von zehn Meter und einer Tiefe von 15 Meter weggespült. Tonnenschwere Flussbausteine riss das Hochwasser wie einen rollenden Fußball mit. Neben Schäden im Kraftwerk wurde das Schlauchwehr ebenfalls schwer in Mitleidenschaft gezogen durch die Bäume, oft samt Wurzeln, die über das Wehr abdrifteten. Dennoch konnte der Betrieb nach einer Woche wieder zum Teil aufgenommen werden. Die Ufer wurden in monatelanger Arbeit neu aufgebaut, dies mit tonnenschweren Wasserbausteinen am Böschungsfuß und einer Uferbefestigung durch kleinere Steine. Erfreulich ist, dass neben den Häusern am Ufer auch die Fußgänger- und Radfahrerbrücke, welche die Gemeinden Wals-Siezenheim und Ainring verbindet, die extremen Naturgewalten gut überstanden hat. Hierfür ist im wesentlichen die Stützfunktion des Hammerauer Zollhauswehres von Bedeutung gewesen.

Während beim Hochwasser die Fenster des Kraftwerkes gerade noch über das peitschende schmutzig-brauneWasser ragten, ist jetzt die glasklare Saalach nur noch mit wenigen Kubikmetern pro Sekunde gesegnet. Das Hochwasser schwemmte auch Unmengen von Kies an, die im Sturzbodenbereich des Zollhauswehres auf ein nächstes Hochwasser wartet um weitertransportiert zu werden. Der Kies füllt bekanntlich wieder die in der Flusssohle entstehenden Fehlstellen und Rinnen auf. Trotz der niedrigen Wasserführung leistet das Kraftwerk noch im Schnitt einige Hundert Kilowattstunden.

Bedauerlich ist, dass im Mutterbett der Saalach, zwischen Käferhammerwehr und der Einmündung des Hammerbaches weniger Wasser fließt, da die beiden Mühlbäche auf der österreichischen und bayerischen Seite zusammen rund 8 cbm/sec Wasser ableiten, die dem Mutterbett fehlen. Insofern wird die derzeitig niedrige Wasserführung in der Saalach noch verstärkt und dem genannten Streckenabschnitt fehlt schlichtweg das Wasser. Das Gute daran ist jedoch, dass an den prall gefüllten Mühlbächen auch installierte Wasserkraftwerke ihren sauberen Strom ohne Einschränkungen erzeugen.

Alles in allem sind die Ufer der Saalach durch den engagierten Einsatz der Gemeinde, dem Wasserwirtschaftsamt und den Bauleuten gerüstet um einem weiteren Hochwasser stand zu halten. schl

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