Marktschellenberger und Bad Reichenhaller vor dem Amtsgericht Laufen

Besitz von Kinderpornos: zwei Männer aus der Region verurteilt

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Laufen - Am Amtsgericht Laufen wurden am 5. und 6. August zwei Fälle wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften verhandelt. Nun sind die Urteile gefallen.

Update, 7. August 2019: Urteile gefallen

Es läuft einem ein eiskalter Schauer über den Rücken, wenn man aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Traunstein den Beschreibungen der kinderpornografischen Darstellungen folgt, die ein Mann aus Marktschellenberg und ein Mann aus Bad Reichenhall auf ihren PCs gespeichert haben sollen. Sie hatten sich wegen des Besitzes kinderporngrafischer Schriften am 5. und 6. August vor dem Amtsgericht Laufen zu verantworten. 

Das Gericht sprach den Marktschellenberger des Besitzes kinderpornografischer Schriften in drei tatmehrheitlichen Fällen schuldig und verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Verurteilter und Staatsanwalt haben nun eine Woche Zeit Rechtsmittel einzulegen.

Der Mann aus Bad Reichenhall wurde zu einem Jahr und zwei Monaten, ausgesetzt zur Bewährung verurteilt. Auch hier ist das Urteil jedoch noch nicht rechtskräftig.

Vorbericht

Ein Bad Reichenhaller und ein Marktschellenberger sollen auf ihren PCs und Handys kinderpornografische Bilder gespeichert haben. 

Das Amtsgericht Laufen hat sich daher an gleich zwei Tagen hintereinander mit dem Besitz kinderpornografischer Schriften zu befassen. Am 5. und 6. August finden die Prozesse statt.

Was droht den Angeklagten?

Als kinderpornografisches Material gelten nicht nur Bilder und Schriften, die Kinder unter 14 Jahren bei sexuellen Handlungen zeigen, sondern auch Darstellungen, bei denen Geschlechtsteile von Kindern „reißerisch“ zur Schau gestellt werden. Ebenfalls strafbar ist, wenn die Abgebildeten über 14 Jahre alt, aber so zurechtgemacht sind, dass sie jünger wirken sollen. Hier reicht das sogenannte "wirklichkeitsnahe Geschehen“. Auch Comics fallen daher darunter. 

Laut Paragraf 184b des Strafgesetzbuchs wird mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft, wer „1. eine kinderpornographische Schrift verbreitet oder der Öffentlichkeit zugänglich macht, 2. es unternimmt, einer anderen Person den Besitz an einer kinderpornographischen Schrift, die ein tatsächliches oder wirklichkeitsnahes Geschehen wiedergibt, zu verschaffen, 3. eine kinderpornographische Schrift, die ein tatsächliches Geschehen wiedergibt, herstellt oder 4. eine kinderpornographische Schrift herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, bewirbt oder es unternimmt, diese Schrift ein- oder auszuführen, um sie oder aus ihr gewonnene Stücke im Sinne der Nummer 1 oder 2 oder des § 184d Absatz 1 Satz 1 zu verwenden oder einer anderen Person eine solche Verwendung zu ermöglichen, soweit die Tat nicht nach Nummer 3 mit Strafe bedroht ist. In der Praxis reicht es schon, ein Bild auf dem Computer aufzurufen."

Missbrauch und Kinderpornografie sollen härter bestraft werden

Nach dem massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde prüft die Bundesregierung deutliche Strafverschärfungen. Die Innenminister der 16 Bundesländer haben den Bund aufgefordert, sexuellen Kindesmissbrauch sowie das Verbreiten und den Besitz von Kinderpornografie im Strafgesetzbuch künftig als „Verbrechen“ einzustufen. Das bedeute eine „Erhöhung der Mindeststrafe auf ein Jahr“.

Außerdem soll das Höchstmaß für Straftaten im Zusammenhang mit dem Verbreiten kinderpornografischer Schriften von fünf auf zehn Jahre Freiheitsstrafe angehoben werden. Die Innenminister verlangen auch, den Besitz solcher Schriften mit fünf statt bisher drei Jahren zu bestrafen.

Johannes-Wilhelm Rörig, der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs sagte gegenüber welt.de, dass viel zu lange und bis heute Kinderpornografie allzu oft von Ermittlungsbehörden und Strafgerichten noch als minder schwere Kriminalität angesehen werde, obwohl hinter jedem Bild, hinter jedem Video der reale Missbrauch eines Kindes stehe, oft mit unvorstellbarer Brutalität. „Uns wird immer wieder berichtet, dass Täter mit lediglich 90 Tagessätzen Geldstrafe davonkommen“, sagte Rörig.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Uwe Zucchi/dp

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