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Sorgt immer wieder für Diskussionen

Das ist der aktuelle Stand beim Zaun am Abtsee in Laufen

Dass das Gitter am Abtsdorfer angebracht wurde, stößt bei vielen Anwohnern auf Unverständnis und Widerstand.
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Dass ein Gitter am Abtsdorfer angebracht wurde, stößt bei vielen Anwohnern auf Unverständnis und Widerstand.

BGLand24.de hat sich erkundigt, was der aktuelle Stand beim Zaun am Abtsee in Laufen ist. Dieser sorgt immer wieder für Diskussionen.

Laufen - „Ein Befreiungsantrag hinsichtlich der Landschaftsschutzverordnung ist derzeit in Prüfung durch das Landratsamt. Wichtig dabei zu beachten ist: Dabei geht es ausdrücklich nicht um die baurechtliche Situation. Denn eine Absturzsicherung war zwingend notwendig“, berichtet Christian Reiter, Geschäftsleiter der Stadt Laufen, gegenüber BGLand24.de. „Wir haben damals so schnell, wie möglich handeln wollen und diese Prüfung daher nicht vornehmen lassen. Nun müssen wir sie nachholen.“ Wie lange es dauern wird, ist offen. „Zu dem laufenden Verfahren können wir derzeit keine nähere Angaben machen“, teilt wiederum die Pressestelle des Landratsamts knapp mit.

Es geht, wieder einmal, um den Zaun am Abtsee. Zuletzt hatte es dagegen wieder Widerspruch auf einer Online-Ortsversammlung gegeben. „Es gab auch zwei Anträge zu dem Thema für den Stadtrat. Einer davon wurde aber bereits wieder zurückgezogen. Der andere ruht, unter dem Vorbehalt, ihn noch einzubringen.“

BGH-Urteil von 2017 kehrte Beweispflicht um: Stadt Laufen sah sich zu Zaun um den Abtsee gezwungen

Hintergrund der Errichtung eines Zauns am Abtsee war ein Urteils des Bundesgerichtshofs (BGH) von Ende 2017. Dabei ging es um den tragischen Unfall eines zwölfjährigen Mädchens in einem kommunalen Freibad. Das Kind hatte sich unter Wasser mit einem Arm in einer Boje verfangen. Sie wurde zwar gerettet, trug aber massive Hirnschäden davon, in deren Folge sie schwerstbehindert ist und zeitlebens pflegebedürftig bleiben wird. Daraufhin beschritten seine Eltern, in Stellvertretung, den Klageweg bis vor den BGH. Der Gerichtshof entschied für sie und gegen die Kommune.

Massive Auswirkungen hatte der Prozess dann im Nachhinein, konkret ein Teil der Urteilsbegründung, in der es heißt, dass „wenn Anlagen am Badestrand stehen, eine Schwimmaufsicht den Badebetrieb zu überwachen hat.“ und weiter „Wer eine Gefahrenquelle schafft, hat eine Verkehrssicherungspflicht“. Dies veranlasste den Kommunalen Schadensausgleich, den Versicherer von Kommunen, zu einer Warnung, in Hinsicht auf Seen mit einem Steg oder sonstigem Anleger. Hier seien die Kommunen nun in der Pflicht. Einige Gemeinden sahen sich in der Folge gezwungen, ihre Badestellen gleich komplett zu sperren beziehungsweise dauerhaft zu schließen, weil sie sich finanziell nicht im Stande sahen eine dauerhafte Badeaufsicht zu organisieren, wie das Fachmagazin für Kommunalpolitik „Kommunal“ berichtet.

Der Gitterzaun zwischen Badegrund und See in Laufen.

„Die Beweislast wurde mit diesem Urteil umgekehrt“, bemerkt der Geschäftsführer der Stadt Laufen Reiter. „Im Fall eines Unfalls müssen Gemeinden nun nachweisen, dass sie alles erdenkliche dafür getan haben, dass die Sicherheit gewährleistet ist. Wenn sie das nicht können, kann es strafrechtliche Konsequenzen für alle involvierten Entscheidungsträger geben.“ Die Stadt ließ daraufhin bei der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen ein Gutachten erstellen. „Das ist eine renommierte Organisation, die auch beispielsweise vor Gericht als Gutachter geladen und zugelassen ist.“ Das Ergebnis der Untersuchung war, dass die Kante zwischen dem befestigten Badegrund und dem See mit 80 bis 90 Zentimeter viel zu hoch und damit ein nicht kalkulierbares Absturzrisiko sei.

Zaun unter den Umständen beste Lösung?

Die Kante abzureißen oder abzuflachen war keine Option, da sie extra als Befestigung des Hangs vor dem Wegrutschen in den See angelegt wurde. Eine Badeaufsicht wiederum sei finanziell für die Stadt nicht zu stemmen. „Angesichts er Größe des Sees wären da mindestens zwei Bademeister nötig inklusive entsprechender Ausfallsvertretungen.“ Als einzige Lösung erschien damit der Verwaltung daher ein 60 Meter langer Zaun möglich.

„Auch uns gefällt das nicht besonders. Aber wir wollten eine dauerhafte und sichere Lösung schaffen. Da ist einiges an Überlegungen hineingeflossen.“ So kam es zu einem verzinkten Eisenzaun, welchen der Bauhof dann Anfang März montierte. „Ja, er ist jetzt keine Augenweide, aber unter den Umständen die beste Lösung. Eine Lösung aus Holz wäre natürlich optisch schöner, aber dann müsste man, nachdem sich das ja direkt an einer Wasserfläche befindet, in relativ kurzer Zeit schon wieder durch den zu erwartenden Wasserschaden Erneuerungen vornehmen. Dass es verzinkt sein musste und keine Lackierung aufgetragen wurde wiederum liegt daran, dass da dann das Risiko besteht, dass die Farbe nach einer Zeit abzublättern beginnen könnte.“

Unbekannte Täter hatten Anfang März nicht nur den Zaun abmontiert, sondern auch eine Botschaft hinterlassen: „Nur ein trockener See ist ein sicherer See“

Schon unmittelbar nach der Maßnahme rief der Zaun dann Widerspruch hervor. Dies ging sogar soweit, dass Unbekannte wenige Tage später den Zaunbereich am Steg des Sees abbauten und ein Plakat mit der Botschaft „Nur ein trockener See ist ein sicherer See“ aufhängten. Die Zaunelemente wurden am Zaun angelehnt und die Schrauben auf einem Schirmständer abgelegt. „Eine Protestaktion, die sich ausschließlich emotional optisch erklären lässt, natürlich spürt man zum Teil auch den Pandemie-Frust, wenn man hört ‚Jetzt sperren Sie uns am See auch noch ein‘“, erklärte Reiter im Nachgang damals gegenüber BGLand24.de. Die Stadt erstattete Anzeige, Ermittlungen der Polizei führten jedoch noch zu keinem Ergebnis.

„Andernorts hat man Badestellen komplett dichtgemacht“, betont Reiter. „Wir haben auch versucht, dass das ‚Strandbad‘ weiter so heißen durfte. Als Kompromiss hatten wir eine Umbenennung in ‚Badestelle „Strandbad“‘ vorgeschlagen, aber davon wurde uns von unserem Versicherer massiv abgeraten. Denn das könnte suggerieren, dass das ein Strandbad mit Aufsicht und so weiter wäre.“ Aktuell würden noch neue Beschilderungen angebracht werden. „Unter anderem genormte Piktogramme am Steg mit der Unterschrift ‚Unterschwimmen verboten“, schließt Reiter.

hs

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