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Mysteriöse Schläge oder doch ein Sturz?

Was geschah am frühen Morgen des 14. August am Abtsee wirklich? - Spannender Fall für Laufener Gericht

Justitia
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Eine Figur der blinden Justitia.

Das Mofa kaputt, der Laufener verletzt. Was war passiert am frühen Morgen des 14. August 2021? War der 29-jährige Landwirt tatsächlich am Abtsee von drei oder vier Burschen angegriffen worden, wie er im Gerichtssaal erzählte. Oder war es vielmehr so, wie in der Anklageschrift stand, wonach der Laufener volltrunken mit seinem Mofa gestürzt war.

Laufen - Zwei Sachverständige und ein Polizeibeamter widerlegten am Laufener Amtsgericht die Geschichte des Laufeners, der seinerseits einen jungen Freilassinger verletzt haben soll. Die Geldstrafe wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr und vorsätzlicher Körperverletzung: 2750 Euro.

Bei einer Partyhütte nahe des Abtsees war lange gefeiert worden. „Acht, neun Bier und ein paar Schnaps“, räumte der Angeklagte ein. Doch dann habe er noch weiter nach Abstdorf zu einer Feier gewollt. Sein Mofa will er nur geschoben haben, denn das Gefährt sei schon bei der Hüttenankunft nicht mehr angesprungen. Am Geh- und Radweg entlang des Abtsees soll es dann passiert sein: „Es ist wohl ein blöder Spruch gefallen und ich habe eine auf die Schnauze bekommen.“ 

Termin verpennt - Polizei hilft nach

Ganz anders schilderte das Geschehen ein 24-jähriger Freilassinger, der von einer Feier am Strandbad frühmorgens auf dem Heimweg gewesen war. Den jungen Mann hatte allerdings die Polizei zum Gericht bringen müssen, weil er den Termin verpennt hatte. Der Zeuge will dem Laufener seine Hilfe angeboten haben und mit seinem Mobiltelefon geleuchtet haben, während der versucht habe, sein Mofa wieder gangbar zu machen.

Dann soll der Angeklagte unvermittelt zugeschlagen haben. „Er war aggressiv“, erinnerte sich der damals ebenfalls betrunkene Freilassinger, der eine blutende Wunde am Auge davongetragen hatte. Er hatte wenig später ein Taxi gerufen, das auf seinem Weg zum See jedoch auf den verletzten Mofafahrer traf. Von dessen Geschichte alarmiert, verständigte der Taxilenker die Polizei, die den Freilassinger wenig später am See fand. 

„Etwas stimmt da nicht“

Dessen Version und die Benzinspuren am Ort, sowie der Zustand des Mofas ließen den Beamten an der Version des Angeklagten zweifeln: „Mir war klar, irgendwas stimmt da nicht.“ Was an der Version des Angeklagten nicht stimmte, versuchten zwei Sachverständige herauszufinden. Dr. med. Fritz Priemer taxierte den Promillewert zum Zeitpunkt des Geschehens auf mindestens 1,6 Promille, wahrscheinlich 1,9, maximal 2,3. Die Verletzungen des Angeklagten an Kinn, Finger, Armen einschließlich Brandflecken am Bein sei „charakteristisch und plausibel“ für einen Sturz während der Fahrt. Die Art der Verletzung deute nicht auf Schläge hin. Die Version des Angeklagten beurteilt der Gutachter als „sehr unwahrscheinlich“. 

Sein Kollege, Frank Schmidinger, attestierte der Laufener Polizei „wunderbare Bilder“. Die zeigten „typische Kratzspuren“ und aufgeworfene Erde am Fahrbahnrand in eindeutiger Richtung. Der vereidigte Sachverständige für Straßenunfälle verfolgte auch Benzinspuren am Asphalt. Die Verbrennung zweiten Grades an der Innenseite des Sprunggelenks sei mit einem mindestens 44 Grad heißen Auspuffs zu erklären. Der Angeklagte war demnach stark betrunken auf seinem Mofa gefahren. 

Nicht der erste Fehltritt

Er ist vorbestraft wegen Körperverletzung und war schon einmal mit Alkohol im Straßenverkehr aufgefallen. „Die Verletzungen passen alle zum festgestellten Geschehen“, stellte Staatsanwalt Clint Reichstein fest. Er beantragte 90 Tagessätze à 30 Euro. Anders Rechtsanwalt Sven Ryfisch. Der Verteidiger sah „den Vorwurf nicht bestätigt“. So sei auch der Freilassinger Zeuge stark betrunken gewesen. Zudem stimme die Richtung nicht, hätte sein doch Mandant irgendwann umkehren müssen. Vor allem: „Es hat keiner gesehen, dass der Angeklagte gefahren ist.“ Daher – im Zweifel – Freispruch.

Richter Josef Haiker aber hatte keinen Zweifel, dass der Laufener gefahren ist und den Freilassinger einen Faustschlag versetzt hat. Die „losen Fäden“ des Verteidigers fügten sich zu einem Netz zusammen. So ließen sich die Verletzungen und die Spuren mit einem bloßen Umfallen nicht erklären. Der Angeklagte habe seine Version des Geschehens teilweise den Erkenntnissen während dieser Haupthauptverhandlung angepasst; ein Hämatom beim Freilassinger sei bestätigt. Der Strafrichter entschied auf 110 Tagessätze zu je 25 Euro. Der Führerschein, der noch am Tattag entzogen wurde, bleibt für weitere drei Monate entzogen. Schwierig für einen Landwirt, der eigentlich schwere Maschinen bewegen müsste.

höf

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