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Mögliche Tierquälerei an der besten Kuh im Stall

Teisendorfer Bauer vor Gericht – Hat er eine Kuh verkümmern lassen?

Justitia
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Eine Figur der blinden Justitia.

In Laufen stand ein Teisendorfer Bauer vor Gericht. Der Vorwurf, er habe sich nicht zur Genüge um eine seiner besten Kühe gekümmert. Ihr Zustand beim Schlachthof sei katastrophal gewesen, doch was ist dran an den Vorwürfen?

Teisendorf / Laufen - Der Landwirt beteuerte im Gerichtssaal, alles für diese Kuh getan zu haben: Tierarzt, Penicillin, Verbände, Melkfett und Globuli. Und doch war die gut zehn Jahre alte Schwarzgefleckte bei der Ankunft im Schlachthof sofort aussortiert und „euthanasiert“ worden. Gegen einen Strafbefehl wegen „quälerischer Tiermisshandlung“ über 4200 Euro hatte der 66-jährige Teisendorfer Einspruch eingelegt. Am Laufener Amtsgericht wurde daraus ein fahrlässiges Handeln mit einem Bußgeld von 1500 Euro. 

„Die Kuh war mein Heiligtum“

„Die Kuh war mein Heiligtum“, erklärte der Landwirt, mit etwa 90 000 Liter Milch sei sie das „Aushängeschild“ seines Stalles gewesen. Doch nach dem letzten Kalb sei es Zeit für den Abschied gewesen. Bei der Abholung am Morgen sei das Tier „in Ordnung“ gewesen, behauptete der Angeklagte, was seine Ehefrau bestätigte: „Es war alles ganz normal. Sie hat auch immer gefressen und wiedergekäut.“ Ihr Ehemann schilderte, dass man dem Tier eigens ein weiches Bett aus Pferdemist und Stroh bereitet habe, schließlich sei es für ihn „das Schlimmste“, eine Kuh erschießen zu müssen. „Aus dem Blick einer Kuh kannst alles ablesen“, bestätigte der Angeklagte die „lange Erfahrung,“ die schon seine Frau hervorgehoben hatte. 

Über eine lange Erfahrung verfügt auch der Viehhändler, der die Kuh vom Teisendorfer Hof abgeholt hatte. „Es war hoid a oide magere Kuah, de a wengal krump ganga is“, sagte der 64-jährige Laufener. Er fahre wöchentlich hundert Stück Vieh, und wäre sein Eindruck gewesen, das Tier sei nicht in Ordnung, hätte er es nicht mitgenommen. Rund eineinhalb Stunden später erreichte sein Gespann den Schlachthof Waldkraiburg, wo täglich bis zu tausend Stück Vieh geschlachtet werden.

Keine Mängel am Hof

„Bei Tierschutzfällen erstellen wir ein Video“, informierte der dortige Tierarzt, der „Lahmheit“ und „geschwürige Liegestellen“ festgestellt und deshalb das Landratsamt Berchtesgadener Land informiert hatte, wo sich zwei Amtstierärzte mit dem Fall befassten. „Das Tier konnte weder links noch rechts auftreten, weil es schmerzte“, beschrieb eine Tierärztin die Bilder. Ihr Kollege hatte den Fall zum Anlass genommen, den Hof unter die Lupe zu nehmen. „Wir haben dort keinerlei Mängel festgestellt“, berichtete der Amtsarzt im Zeugenstand.

Viele Mängel an der Kuh

Anders die Sachverständige der Veterinär-Pathologie Schleißheim, wohin Teile der Kuh gebracht wurden. „Wir haben Hinweise auf chronische Veränderungen; oberflächlich abgestorbene Haut, darunter Eiter, Druckgeschwüre bis nahe ans Gelenk und bis an die Knochen.“ Eitrige Entzündungen und Sohlengeschwüre verglich sie mit menschlicher Entzündung unterm Nagelbett. „Beim Gehen hatte die Kuh keine Schmerzen“, warf die Ehefrau des Angeklagten ein, was vielleicht an den aufgestreuten Sägespänen gelegen haben mag. Vom Verteidiger gefragt, ob die Probleme unbedingt schon am Hof erkennbar sein mussten, erwiderte der Schlachthoftierarzt: „Eitrige Knochenentzündungen oder Abszesse entstehen nicht auf der Fahrt.“ 

Nachdem das Verfahren gegen den Tierhändler gegen Zahlung von 3000 Euro eingestellt worden war, überlegte Richter Josef Haiker, ob es nicht auch hier zu einer Einstellung kommen könnte, doch damit war Staatsanwalt Thomas Putschbach nicht einverstanden. Denn „anders als der Händler kennt der Landwirt seine Kuh, die ein ähnliches Schmerzempfinden wie ein Mensch hat“. Putschbach wollte nicht ausschließen, dass es dem Tier beim Verladen noch besser gegangen war, doch sei die Kuh „objektiv krank“ gewesen und der Bauer habe ein längeres Leiden zumindest billigend in Kauf genommen. Weil der Mann nicht vorbestraft und der Hof in Ordnung sei, wollte Putschbach die Strafe bei 70 Tagessätzen belassen, die Tagessatzhöhe aber auf 40 Euro reduzieren. 

Das Urteil

„Der Staatsanwalt pickt sich seine Rosinen raus“, entgegnete Rechtsanwalt Sven Ryfisch. Die Tierärzte hier am Gericht seien nicht vor Ort gewesen, während der erfahrene Viehhändler erklärt habe, bei erkennbarer Lahmheit hätte er die Kuh nicht mitgenommen. Am Hof seines Mandanten habe es wenig später keinerlei Beanstandungen gegeben, weshalb der freizusprechen sei. 

Richter Josef Haiker nahm sich lange Zeit für eine Urteilsfindung. Schließlich entschied er auf eine Verurteilung, weil der Bauer „fahrlässig einem Wirbeltier ohne vernünftigen Grund Schmerzen zugefügt“ habe. Haikers Vorwurf: „Er hätte den Zustand noch einmal von einem Tierarzt abklären lassen müssen.“ Einfach zu sagen „wird schon passen“, reiche nicht aus. Generell aber glaube er dem Ehepaar, dass es den Tieren bei ihnen gut gehe. 

Hannes Höfer

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