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Kurze Beine, kurze Wege 

„Leberkas - das bayerische Knoppers“ - So war die Einweihung der Ruperti Grundschule Leobendorf

Feiern in und neben der neuen Ruperti Grundschule Leobendorf.
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Feiern in und neben der neuen Ruperti Grundschule Leobendorf.

Zwei Jahre. So lange hat es gedauert, vom ersten Zugriff des Abbruchbaggers bis zum Aufstellen der Schulmöbel. Zwei Jahre, in denen hundert Leobendorfer Grundschüler nach Laufen ausgelagert werden mussten. Und zwei Jahre, in denen – glaubt man den Rednern – anscheinend alles geklappt hat und alles im Zeit- und im Finanzplan geblieben ist. Und so wurde bei der Schuleinweihung am vergangenen Freitagnachmittag viel gelobt und viel gedankt.

Laufen - Von „Teamleistung“ und „Weltklasse“ war da die Rede, von „Hammerleistung“ und vom „Dreamteam“. Einer aus diesem Team: Markus Fritsche. Der Architekt berichtete den vielen Ehrengästen von diesem „wieder einmal besonderen Projekt der Stadt Laufen.“ Besonders auch deshalb, weil ein Teil abgerissen und neu gebaut werden musste, ein Teil umgebaut und saniert. Selbst dieser Teil habe „ein Bild des Schreckens“ geboten, schilderte Frische drastisch, „wir haben schon besser erhaltene Gebäude abgebrochen.“ (siehe auch Kasten). 

Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung

Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung  © höf
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung  © höf
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung  © höf
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung  © höf
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung  © höf
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung  © höf
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung  © höf
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung  © höf
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung  © höf
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung  © höf
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung  © höf
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung  © höf
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung  © höf
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung  © höf
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung  © höf
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung  © höf
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung  © höf
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung
Impressionen von der Leobendorfer Schuleinweihung  © höf

Ein Wohlfühlgebäude

Einer, der die „alte Schule“ schon vor 25 Jahren erlebt hat, ist Schulamtsdirektor Helmut Mayer. Für ihn „ein besonderer Tag“, weil es für ihn damals die erste Station als Lehrer gewesen war und er an diesem Festtag auf ehemalige Schulkollegen wie Geschäftsleiter Christian Reiter und dessen „rechte Hand“ Josef Thanbichler traf. Mayer erinnerte sich, dass schon damals davor gewarnt worden war, die Schüler gleichzeitig hüpfen zu lassen, um nicht eine Etage tiefer zu landen. Wie Fritsche würdigte Mayer diese Dorfschulen in schöner Umgebung, verbunden mit Eltern und Vereinen: „Kurze Beine, kurze Wege.“ Goethes Empfehlung für den idealen Bau sieht der Schulamtsdirektor hier erfüllt: am rechten Fleck, wohlgegründet und vollkommen. Für Mayer ein „Wohlfühlgebäude“. 

Von einem „Wohlfühltermin“ in ihrer Heimat sprach Staatsministerin Michaela Kaniber, die auf ein kurzes Grußwort nach „Liangdorf“ gekommen war, dorthin, „wo die Welt noch in Ordnung ist.“ Und wo Steuergelder gut investiert worden seien. „Ein Drittel des Staatshaushaltes geben wir für Bildung aus“, hob Kaniber hervor, „es sind 14,4 Milliarden Euro im Haushalt.“ Auch die Landwirtschaftsministerin hatte im Fundus kluger Worte gekramt und war bei Winston Churchill fündig geworden, denn Englands Premier hatte einst festgestellt, dass eine Gemeinde ihr Geld nicht besser investieren könne als in Kinder. 

Ende der Kreidezeit

Rektor Johannes Kumeth sieht nun in Leobendorf die „Kreidezeit“ vorbei, denn in allen vier Klassenräumen haben digitale Tafeln mit vielfältigsten Möglichkeiten Einzug gehalten. Allerdings stimmte Kumeth einem renommierten Erziehungswissenschaftler ausdrücklich zu: „Ein schlechter Unterricht wird durch digitale Medien nicht besser – ein guter schon.“ Der Schulleiter ist stolz auf den individuellen Namen der neuen Schule: „Ruperti Grundschule Leobendorf“. – „Schule verbindet“, steht unter dem Brückenlogo. 

„Trotz beschaulich-ländlicher Idylle“, stehe auch diese Dorfschule vor den Herausforderungen „schulischer Wirklichkeit“: Inklusiver Unterricht mit Begleitung, Kinder ohne Deutschkenntnisse, Schüler aus der Ukraine und unterschiedlichen Glaubensrichtungen. Kumeth erinnerte an den Umzug nach Laufen, ausgerechnet in Pandemiezeiten, wo man eigentlich mehr Platz gebraucht hätte. 

Er selbst sei „zumindest im Ansehen eines Schülers“ enorm gewachsen, denn der Knirps hatte festgestellt: „Herr Kumeth, du muasst a reicher Mo sei, de neie Schui kost’ doch an Haufa Geld.“ Für den Schulleiter zeigt der Zustand eines Schulgebäudes den Stellenwert, den Kinder in der Gesellschaft genießen. In Laufen sei der sehr hoch, wie Bürgermeister Hans Feil betonte, denn der Stadtrat sei sich in einem Punkt immer einig: „Bildung und Bildungsförderung stehen in unserer Stadt an erster Stelle.“ 

Das inzwischen hinlänglich bekannte und andauernde verbale Scharmützel zwischen Staatsministerin Kaniber und Stiftsdekan Simon Eibl fand auch diesmal eine Fortsetzung. „In Bayern ist nicht alles in Ordnung“, wollte der Pfarrer ein Heile-Welt-Bild nicht hinnehmen. Er mahnte zu einem Weg aus einem Wirtschaften mit immer mehr Müll und Umweltbelastung, hin zu nachhaltigem Handeln für heutige und spätere Generationen. Gemeinsam mit Günter Meyer von der evangelischen Kirchengemeinde segnet Eibl das Haus, die Räume und sechs Kreuze für die Schulräume. Er stellte zufrieden fest, dass diese kleinen Kreuze nicht den Gekreuzigten zeigen, sondern „den guten Hirten. Ein gutes Bild für diese Schule.“ 

Eine kleine Geschichte hatte der Schulleiter noch parat. Er war mit Planer Markus Fritsche in ein heimisches Einrichtungshaus gefahren, um dort eine kleine Küche für das Lehrerzimmer auszuwählen. „Zwei Männer“, wie Kumeth selbst „über diesen wahrscheinlich schnellsten Küchenkauf in der Geschichte des Einrichtungshauses“ schmunzelnd feststellte. Doch das Ergebnis könne sich sehen lassen: „Wildeiche trifft Betonoptik.“ 

Leberkas - das bayerische Knoppers

„Kompetenz – und a Gaudi“, würdigte Markus Fritsche die Zusammenarbeit mit der Stadt Laufen, „uns taugt des wirklich.“ Der Planer freute sich zudem über die Auftragsvergaben an 25 heimische Betriebe; lediglich die Schulmöbel kamen von einem spezialisierten Hersteller. Der Planer hatte dem Schulleiter einen großen Schlüssel und jeder der vier Klassen einen Gutschein für den örtlichen Metzger mitgebracht. Denn: „Was gibt’s G‘sünderes wia an Leberkas?“ Freudig aufgenommen von Ernährungsministerin Kaniber: „Eine Leberkassemmel ist unser bayerisches Knoppers.“   

Nach dem Festakt wurden Schulhaus und Schulgelände nahezu überrannt von Kindern, Eltern, Großeltern und Neugierigen. Der Elternbeirat brutzelte „echte“ und vegane Burger, schenkte Kaffee und Kaltgetränke aus und präsentierte sage und schreibe 28 verschiedene Kuchen und Torten. Vertreter der Sparkasse pflanzten mit der Stadtführung einen von insgesamt fünf gestifteten Bäumen. Geschäftsleiter Christian Reiter, Organisator und Moderator, führte Interessierte durch das Schulgebäude. Dort war in jedem Klassenzimmer etwas geboten: Steine bemalen, Buttons selbst gestalten, an einer digitalen Tafel spielend rechnen, Kinderschminken und eine Schulrallye mit 13 Fragen zum neuen Haus. Die gesperrte Straße wurde zum Spielplatz und zum Biergarten. 

Die Musiker wechselten vom Nachwuchs – allesamt Schüler der Grundschule – hin zur jungen „Siebener Musi“. Den Festakt begleitete Christian Helminger mit fünf Kollegen der Musikkapelle Leobendorf. Großelterntauglich das Repertoire von „Will White & The Honky Tonks“. Lehrer Alexander Willinger und seine Kumpels spielten Rock‘n‘ Roll der 50er und 60er Jahre. Ein großer und stimmgewaltiger Schülerchor beschrieb den Baufortschritt ihres neuen Domizils: „Mia baun a Schui.“ 

Schulbau: von Zermürbung und Glücksfällen

Bürgermeister Hans Feil soll nach einem Schulrundgang vor etwa sechs Jahren ziemlich ratlos gewesen sein. Auf der Treppe sitzend, soll er bilanziert haben: „Da feyds vom Boa weg. Wia soin mia des nur macha?“ So berichtete es Konrektor Manfred Fiedler. Der Zustand der Leobendorfer Grundschule war einigermaßen desaströs. Das Stadtoberhaupt selbst schilderte die Sorge in den späten 90er Jahren, der Schülermangel könnte nicht nur zum Ende der Leobendorfer Schule führen, sondern sogar den Schulstandort Laufen gefährden. 

Die Lösung: ein Schulverbund mit Saaldorf-Surheim und Teisendorf. Doch das änderte nichts am Zustand der Leobendorfer Grundschule, wo man zwar das „Allernotwendigste“ zum Unterhalt tat, an mehr aber nicht zu denken gewesen sei. Bis zum Dezember 2017, als der Freistaat ein Kommunalinvestitionsprogramm Schulinfrastruktur für finanzschwache Kommunen auflegte. Bürgermeister und Verwaltung sei damals klar gewesen: „Entweder das oder es passiert die nächsten 20 Jahre wieder nichts.“ Lediglich zweieinhalb Monate Zeit blieb der Stadt, die geforderten Unterlagen zu erstellen. Und siehe da, die Salzachstadt bekam den Zuschlag für dieses Schulprojekt, das weder im Haushalt noch im Finanzplan der Stadt vorgesehen war. 

Dennoch sei sich der Stadtrat einig gewesen, diese Chance zu nutzen. „Kinder und Lehrer verdienen es, dass sie sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen“, so Feil. Im Erhalt eines Baukörpers, der zudem an das denkmalgeschützte Pfarrheim andockt, sieht der Bürgermeister erstens die „ökologischere Lösung“ und zweitens die Chance auf 70 Quadratmeter große Klassenräume, denn gefördert würden aktuell nur 50 Quadratmeter. Mit rund 80 Quadratmetern ist der neue Mehrzweckraum im zweiten Obergeschoss rund 20 m² größer als der alte.

Feil berichtete von exakt 83 Jour-Fix-Terminen auf der Baustelle als wichtige Grundlage dafür, dass die Kostenschätzung vom November 2018 eingehalten werden konnte. In den 2,87 Millionen Euro von damals sei sogar noch die Neumöblierung im Wert von 50 000 Euro untergebracht worden. An Fördermitteln erwartet die Stadt 1,5 Millionen Euro. 5000 Kubikmeter umbauter Raum schaffen hier 850 Quadratmeter Nutzfläche. Beheizt wird der Bau mit Holzpellets. Mit der Laufener Grund- und Mittelschule steht ein weiteres Großprojekt an.

– höf 

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