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Urteil am Amtsgericht Laufen

„Nazi-Schweine“ und „Hurensöhne“: Reichenhaller begegnet Polizei auf allen Vieren und mit Katze

Es ist einiges zusammengekommen bei dem 35-jährigen Kurstädter: zehnmal Beleidigung, fünfmal Widerstand, zweimal versuchte Körperverletzung, einmal Körperverletzung, zweifach Widerstand, viermal Bedrohung. Und das vor dem Hintergrund von elf Vorstrafen.

Freilassing / Laufen – Am Laufener Amtsgericht wurde die Drogen- und Alkoholkarriere des Mannes aufgerollt, aber auch das Bemühen, „sein Leben in den Griff zu bekommen“. Das Urteil lautete auf zwölf Monate, ausgesetzt zur Bewährung. Alle drei Geschichten passierten am Freilassinger Bahnhof. „Er ist auf allen Vieren gekrochen und hat eine Katze gestreichelt“, schilderte ein Beamter aus Neubrandenburg seinen Eindruck, der Mann sei „neben der Spur“ gewesen. Der Frage, ob alles in Ordnung sei und der Bitte nach dem Ausweis folgten Schreie und ein Drohen mit schlagen und vernichten. Weil die Sache „verbal nicht zu lösen“ war, griffen die Beamten zu härteren Bandagen. Das Knie in den Bauch, und schon lag der Angeklagte am Boden.

Es folgten Beleidigungen wie „Nazi-Schweine“ und „Hurensöhne“ und die Geste des Halsabschneidens. Dies alles passierte am zweiten Weihnachtsfeiertag 2020. Ganz ähnlich das Geschehen am 14. Juli 2021, wo der Kurstädter gegen den Oberschenkel einer der „Schwuchteln“ trat. Schließlich erklärte er den Beamten, leicht an deren Adressen zu kommen und „dann hat man plötzlich eine Kugel im Kopf.“

Nachdem sich ein guter Freund umgebracht hatte, sei er „mit den Nerven am Ende“ gewesen, beteuerte der Angeklagte. Nicht zuletzt beklagte er das „ständige Durchsuchen“ und die „entwürdigende Behandlung“ in der Inspektion. Dennoch hatte er sich schon am Folgetag für sein Verhalten entschuldigt und tat dies im Gerichtssaal noch einmal.

Immer leicht betrunken

Viermal schon war der 35-Jährige in psychiatrischer Behandlung gewesen. Von Ängsten, Wahn und Psychosen sprach Dr. Rupert Müller, von Persönlichkeitsstörung und einem Abhängigkeitssyndrom. „Er fühlt sich häufig ungerechte behandelt“, erklärte der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Drogen und Alkohol führten zudem zu Enthemmung. „Ich war zu dieser Zeit immer leicht betrunken“, räumte der Angeklagte ein, allerdings würde er nie einen Menschen körperlich attackieren. „Aber es gibt Polizisten, die sehr herrisch auftreten.“

Bislang war es bei Geldstrafen geblieben. Nur einmal war der Reichenhaller in Österreich wegen versuchten schweren Betrugs zu sieben Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Eine Bewährung erachtete Rechtsreferendar Johannes Mertens auch diesmal für angemessen. Das „erhöhte Aggressionspotential“ und die „zahlreichen Vorstrafen“ veranlassten den Vertreter der Staatsanwaltschaft 15 Monate zu beantragen.

Einsicht, Reue und eine glaubhafte Entschuldigung

„Ein von Reue und Einsicht geprägtes Geständnis“, sah Rechtsanwalt Jürgen Pirkenseer. „Er hat es aus eigener Kraft geschafft“, würdigte der Verteidiger seinen Mandanten. Die Substitution zeige Erfolge, er habe Job und eine Wohnung, weshalb Pirkenseer neun Monate auf Bewährung für ausreichend erachtete.

Richter Josef Haiker betrachtete die „Gesamtumstände“ und die glaubhafte Entschuldigung. Zudem habe der Angeklagte das Problem erkannt und selbst in Angriff genommen. Der Strafrichter entschied auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr sowie auf Unterbringung in einer Entziehungsanstalt; beides setzte er auf drei Jahre zur Bewährung aus. Der Kurstädter hat sich Alkohol und illegaler Drogen zu enthalten, steht nun unter Führungsaufsicht und muss sich einer stationären Suchttherapie unterziehen.

Hannes Höfer

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

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