Auch Richter spricht von "ganz tragischem Unfall" in Reichenhall

Besten Freund bei Unfall in 30er-Zone getötet - und jetzt verurteilt

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In diesem Peugeot starb am 23. April 2018 ein 19-jähriger Beifahrer in Bad Reichenhall Der Lenker - sein bester Freund - wurde am Donnerstag vom Laufener Amtsgericht verurteilt.
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Bad Reichenhall/Laufen - Im April 2018 schleuderte ein Auto in Bad Reichenhall gegen eine Litfaßsäule aus Beton - ein Mann kam ums Leben. Der Fahrer wurde jetzt wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.

Ein Moment, der die ganze Dramatik der Verhandlung am Laufener Amtsgericht greifbar machte: "In welchem Verhältnis standen Sie zu dem Getöteten?", fragte Richter Winfried Köpnick. Der Angeklagte schwieg und brach schließlich in Tränen aus. Es war des beste Freund des 20-Jährigen, der bei dem Unfall am 23. April 2018 in Bad Reichenhall ums Leben kam. 

1800 Euro Geldstrafe und sechs Monate Fahrverbot

Wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung wurde der junge Mann - wohnhaft in Bad Reichenhall, gebürtig aus Afghanistan - am Donnerstag zu einer Geldstrafe in Höhe von 1800 Euro und einem sechsmonatigen Fahrverbot verurteilt. Auch der Richter sprach von einem "ganz tragischen Unfall": Aus Leichtsinn überholte der 20-Jährige in der Salzburger Straße in Bad Reichenhall ein Auto am Ende der 30er-Zone, verlor dann die Kontrolle und schleuderte gegen eine Beton-Litfaßsäule. Der Angeklagte und die zwei weiteren Beifahrer wurden verletzt, ein junger Mann auf dem Rücksitz starb.

Missglücktes Überholmanöver in Bad Reichenhall

Mit mindestens 63 km/h steuerte das Auto in Schlangenlinien durch die Salzburger Straße, errechnete ein Verkehrsgutachter. "Ich hörte zuerst nur die quietschenden Reifen", berichtete ein Augenzeuge vor Gericht: "Dann habe ich gesehen, wie das Auto trotz der Schlangenlinien nicht langsamer geworden und in die Litfaßsäule geschleudert ist." Der Verunglückte war zwar allen Erkenntnissen nach angeschnallt, doch bei dem seitlichen Aufprall konnte ihm der Gurt nicht mehr helfen.

Die Beton-Litfaßsäule in der Salzburger Straße wurde durch den Aufprall völlig zerstört. Für den Sachschaden in Höhe von 5000 Euro muss der Angeklagte aufkommen.

Richter: Unfall nicht bagatellisieren

Ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angewendet werden sollte, darüber wurde vor Gericht lange gesprochen. Dem Gericht zeigte sich zwar ein leistungsbereiter und selbstständiger junger Mann, doch er hat auch den Krieg in Afghanistan und die Flucht erlebt. Richter Köpnick urteilte trotzdem nach Erwachsenenstrafrecht. Dass es sich beim Angeklagten um ein "Musterbeispiel von gelungener Integration" handelt, darin waren sich die Gerichtsbeteiligten einig.

Unfall bei Überholmanöver in 30er-Zone in Bad Reichenhall

"Wir haben es hier nicht mit einem klassischen Verkehrsrowdy zu tun, aber der Angeklagte verhielt sich grob fahrlässig", so die Staatsanwaltschaft. Und auch das Gericht gab in der Urteilsbegründung zu Bedenken: "Man darf den Unfall aber nicht bagatellisieren. Direkt am Unfallort ist eine Bushaltestelle, es hätten also noch viel mehr Menschen zu Schaden kommen können." Staatsanwaltschaft und Verteidigung legen keine Berufung ein, das Urteil ist somit rechtskräftig.

Vorbericht

Wegen fahrlässiger Tötung muss sich am Donnerstag ein junger Mann aus Bad Reichenhall vor dem Laufener Amtsgericht verantworten. Er lenkte am 23. April 2018 ein Auto mit drei Beifahrern durch die Salzburger Straße in Bad Reichenhall. Obwohl dort Tempo 30 gilt soll der damals 19-Jährige zum Überholen ausgeschert haben - danach hat er laut Staatsanwaltschaft die Kontrolle über den Peugeot verloren und krachte gegen eine Beton-Litfaßsäule, die dabei komplett zerstört wurde.

Zwei der Beifahrer wurden schwer verletzt, ein weiterer 19-Jähriger Mitfahrer verstarb noch an der Unfallstelle. Ein Großaufgebot an Einsatzkräften war an Ort und Stelle unter anderem 35 Feuerwehrleute, vier Rettungswagen und ein Rettungshubschrauber. Der junge Bad Reichenhaller ist nun nicht nur wegen fahrlässiger Tötung, sondern auch wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. 

Der Prozess in Laufen beginnt um 9 Uhr. BGLand24.de wird aktuell berichten.

xe

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