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Laufenerin feiert mit bei 125 Jahre Hinterholzer 

Sylvia Roßhuber: Von Nadel und Zwirn zu Schrauben und Bohrern 

Seit 18 Jahren verkauft Syvlia Roßhuber aus Laufen beim Hinterholzer in Oberdorf Schrauben, Bohrer und Lacke und setzt sich in der Männerdomäne durch.
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Seit 18 Jahren verkauft Syvlia Roßhuber aus Laufen beim Hinterholzer in Oberdorf Schrauben, Bohrer und Lacke und setzt sich in der Männerdomäne durch.

Gelernt hat sie einen typischen Frauenberuf, doch seit 18 Jahren verkauft sie Schrauben, Bohrer, Farben, Lacke und anders Handwerksmaterial und ist damit mitten in einer Männerdomäne.

Laufen an der Salzach, Oberndorf - Die Rede ist von Sylvia Roßhuber aus Laufen, die seit 18 Jahren bei der Firma Hinterholzer im benachbarten Oberndorf arbeitet. Hinterholzer ist in Oberndorf und Laufen eine Erfolgsgeschichte, die vor genau 125 Jahren mit einem kleinen Kaufgeschäft in Kimpling begann. 

Wie für viele Laufener ist für Sylvia Roßhuber das Arbeiten in Oberndorf und damit in Österreich Normalität, die gebürtige Münchnerin lernte erst Damenschneiderin und später Bürokauffrau, von Bad Reichenhall zog sie nach Laufen. „Dann wollte mich das Arbeitsamt zu einer Stelle nach Berchtesgaden vermitteln, das war mir dann doch zu weit und ich entdeckte ein Zeitungsinserat von Hinterholzer in einer österreichischen Zeitung“.

Die Umstellung von Nadel und Zwirn hin zu Bohrern und Schrauben fiel ihr zuerst nicht so leicht, „am Anfang hatte ich schon so meine Schwierigkeiten, mich in der Männerwelt durchzusetzen“, erinnert sich Roßhuber lächelnd. Ihre Ausbildung als Schneiderin kommt ihr zwar beim Verkauf von Arbeitskleidung zugute, aber auch das Mischen von Farben und der Verkauf von Grillherden sind nun zu ihren Steckenpferden geworden. 

Obwohl Laufen und Oberndorf doch wie eine zusammengewachsene Stadt wirken, getrennt nur durch die Salzach – und eben die Grenze – gab es anfangs leichte Sprachprobleme bei bestimmten österreichischen Begriffen, „mit ‚flüssiges Gold‘ oder ‚Spritzkrug‘ konnte ich erst nichts anfangen“, gemeint waren ‚Holzkitt‘ und die simple Gießkanne. Ohne echtes Interesse für das Handwerk wäre für Roßhuber der Job aber nicht denkbar, „bei uns zu Hause mache ich zum Beispiel alles, was mit Malen zusammenhängt, also Balkon oder Holzhütte streichen“. Die Beratung der Kunden, auch aus Bayern, macht ihr sichtlich Spaß, „ein Handwerker weiß eh meistens genau was er braucht“, bei Amateuren berät sie gerne, zum Beispiel bei der Farbmischung. 

Zweimal Hinterholzer

Der Magnetbetrieb in Oberndorf ist die Metzgerei Ablinger, die sogar die beiden großen Warenhäuser in Freilassing beliefert, Hinterholzer ist mit den beiden Geschäften genau links und rechts der Metzgerei am Kirchplatz. Seit 2009 sind es zwei getrennte Unternehmen, einmal die „T&T Hinterholzer Gesellschaft“ als Fachgeschäft für Haushaltswaren, Küche, Geschirr, Elektrogeräte und Spielwaren und dann der Fachmarkt von Hans Hinterholzer für Fahrräder, Griller, Eisenwaren und Farben. Im Küchen- und Geschirr Hinterholzer hat mit Sebastian Kuntschik bereits die fünfte Generation übernommen, beim Schrauben- und Farben Hinterholzer ist mit Hans Hinterholzer die vierte Generation der Firmengründer am Ruder.

Im Jahr 1896 gründeten Katharina und Johann Hinterholzer ihr Kaufgeschäft im oberösterreichischen Bezirk Grieskirchen, 1919 erfolgte die Übersiedlung an die Salzach. Das Paar hatte erfahren, dass das Kaufhaus Kollmann am Kirchplatz 2 im Herzen von Oberndorf zum Verkauf steht, und kaufte die Liegenschaft.

Kleiner ist feiner

In der Bekleidungsbranche ist der Online-Handel schon dominierend, bei Schrauben und Bohrern ist das Einkaufen bei Amazon & Co. noch die Ausnahme, aber Hans Hinterholzer hat für seinen Fachmarkt die Zeichen der Zeit erkannt, sein Sortiment verändert und sich auf rund 500 m² verkleinert. „Wir haben zum Beispiel vor drei Jahren E-Bikes in unser Sortiment aufgenommen, hier wollen die Kunden Beratung und Service haben, und das bekommen sie eben nicht online“, so Hans Hinterholzer. Aber dass Kunden sich in seinem Laden beraten lassen und dann doch online oder woanders kaufen, kennt er natürlich auch. 

Laufenerin feiert mit bei 125 Jahre Hinterholzer in Oberdorf

Hinterholzer gibt es in Oberndorf gleich zweimal, einmal Küchen- und Haushaltsgeräte, sowie Spielwaren direkt an der Bundesstraße und einmal den Handwerker-Fachmarkt am Kirchplatz.
Hinterholzer gibt es in Oberndorf gleich zweimal, einmal Küchen- und Haushaltsgeräte, sowie Spielwaren direkt an der Bundesstraße und einmal den Handwerker-Fachmarkt am Kirchplatz. © hud
Hans Hinterholzer ist stolz auf seine Mitarbeiterin aus dem benachbarten Laufen.
Hans Hinterholzer ist stolz auf seine Mitarbeiterin aus dem benachbarten Laufen.  © hud
Hans Hinterholzer ist stolz auf seine Mitarbeiterin aus dem benachbarten Laufen.
Hans Hinterholzer ist stolz auf seine Mitarbeiterin aus dem benachbarten Laufen.  © hud
Hinterholzer gibt es in Oberndorf gleich zweimal, einmal Küchen- und Haushaltsgeräte, sowie Spielwaren direkt an der Bundesstraße und einmal den Handwerker-Fachmarkt am Kirchplatz.
Hinterholzer gibt es in Oberndorf gleich zweimal, einmal Küchen- und Haushaltsgeräte, sowie Spielwaren direkt an der Bundesstraße und einmal den Handwerker-Fachmarkt am Kirchplatz. © hud
Hans Hinterholzer ist stolz auf seine Mitarbeiterin aus dem benachbarten Laufen.
Hans Hinterholzer ist stolz auf seine Mitarbeiterin aus dem benachbarten Laufen.  © hud
Seit 18 Jahren verkauft Syvlia Roßhuber aus Laufen beim Hinterholzer in Oberdorf Schrauben, Bohrer und Lacke und setzt sich in der Männerdomäne durch.
Seit 18 Jahren verkauft Syvlia Roßhuber aus Laufen beim Hinterholzer in Oberdorf Schrauben, Bohrer und Lacke und setzt sich in der Männerdomäne durch. © hud

Schwierige Grenzsituation seit 2015

Der grenzenlose Arbeitsweg von Laufen nach Oberndorf ist für Sylvia Roßhuber mittlerweile normal, Hans Hinterholzer meint, dass sich das Einkaufsverhalten der Bayern in Richtung Österreich nach dem Wegfall der Grenzkontrollen 1998 und der Eröffnung des Europarks stark zugunsten Salzburgs verändert hat. Die Grenze zwischen den beiden Städten Oberndorf und Laufen wurde erst wieder im Herbst 2015 im Zuge der Fluchtbewegung und zuletzt im März 2020 durch die de facto Grenzschließung wegen der Corona-Pandemie wieder sichtbar.

Für Hans Hinterholzer waren die Auswirkungen aber nicht so dramatisch, „unser Einzugsgebiet ist nach Osten durch den Haunsberg und nach Westen durch die Grenze immer schon beschränkt, unsere Kunden kommen eher aus dem Norden bis vom oberösterreichischen Eggelsberg und vom Süden bis Bergheim“. Dass die Werbegemeinschaften der beiden Städte in Zukunft noch enger zusammenarbeiten und sogar fusionieren wollen, sieht er positiv. 

hud

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